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Der Israelit · 1882-12-13 · Heft 50 (13.12.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 50 (13.12.1882)
Date
1882-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1247 England. London, 3. Dez. Herr Di'. Joseph Abrahams, welcher im hiesigen Jewish College unter der Leitung des bewährten Herrn Dr. Fri edländer zu einem tüchtigen, jungen Manne herangebildet wurde, begab sich zur Vervollkommnung seiner talmudischen und akademischen Ausbildung nach dem Rabbinerseminar zu Berlin, woselbst er drei Jahre lang fleißig studirte und vom Direktor Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer "j die r,>n - rroerhielt. Der gelehrte junge Mann kehrte vor einiger Zeit hierher nach seiner Vaterstadt zurück, und nachdem er bereits in mehreren Synagogen der City und im Westend, auch in der herrlichen, neuen St. Petersburgh Synagoge (deren Gründer und Vorstand Herr Samuel Montagu ist) mit Erfolg gepredigt, erhielt derselbe nun die Erlaubmß, in der großen City - Hauptsynagoge (Dukesplace), woselbst früher ausschließlich nur unser ehrwürdiger Chief-Rabbi Dr. Adler die Kanzel bestieg, eine Predigt abhalten zu dürfen. — Die Synagoge war von Zuhörern angefüllt und der gelehrte Redner, in dessen Zukunft wir große Hoffnungen setzen, begeisterte alle Anwesenden, indem er talmudische Kenntnisse mit gediegener, wissenschaftlicher Bildung vereiniget und als geborener Engländer Meister der Landessprache ist. — Dr. Abrahams tritt in die Fußstapfen seiner Ahnen und Lehrer, da er der streng orthodoxen Richtung angehört, auch verbindet derselbe, wie unser verehrter Chief-Rabbi '"j, Gelehrsamkeit mit Liebenswürdigkeit. ua'n nnu ninan nm Dipcn n,.”\ Wir hoffen daher, daß die portugiesische Gemeinde (B"-r£Dr, Vnr) nicht länger zögern wird, Dr. Abrahams als geistliches Oberhaupt zu erwählen, indem derselbe sicher nach jeder Richtung hin den Anforderungen derselben entspricht. Feuilleton. Z>er Letzte. Erzählung von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Drittes Kapitel. Zehn Tage später finden wir Bürgermeister Purkhammer wieder in seinem Bureau. Heute befindet er sich augenscheinlich in besserer Laune. Der Ausspruch seines Freundes Wallbruck: Man stelle sich die Sachen zuweilen ärger vor als sie in der! That ausfielen, schien sich diesmal zu bewahrheiten. > — Die Einbrecher bei dem Krämer Hladek saßen! schon hinter Schloß und Riegel und waren ihres! Verbrechens überführt, hatten ein volles Schuldge-! ständniß abgelegt. Eine an. Thatorte Vorgefundene Tabakspfeife hatte rasch zur Entdeckung der Diebe geführt. Sie war als das Eigenthum eines gerichtsbekannten Gauners, der erst vor Kurzem aus dem Prager Kriminale entlassen wurde, agnoscirt worden, und hatte man bei einer Hausuntersuchung bei demselben die gestohlene Waare vorgefunden. Ebenso hatte Abraham Dnppan, nachdem Purkhammer fein Bedenken siegreich niedergeschlagen, den Rath Wallbrnck's befolgt und den Beschuldigten der Folterung des höchsten Grades unterzogen, ein volles Bekcnntniß abgelegt. Purkhammer glaubte mit dem Erfolge seiner Amtsthätigkeit zufrieden sein zu können; und da sein Gesuch um einen vierwöchenrlichen Urlaub vom Präsidenten des Appellationsgerichtes bewilligt worden war, hoffte er sofort übermorgen nach Duppau's Hinrichtung mit seiner Nichte auf das Gut seines Freundes Wallbruck reisen zu können, und dort seine Bemühungen, seine Nichte an den Arzt zu verheirathen, mit Erfolg gekrönt zu sehen. Er befand sich daher in so fröhlicher Stimmung, daß er sogar Globuer, der sich eben im Bureau seines Chefs befand, um eine Nuance weniger wegwerfend als sonst behandelte. „Euer Gestrengen!" sprach dieser, „ich bitte ganz ergebenst mich von der Anwesenheit bei der übermorgen stattfindenden Hinrichtung des unglücklichen Abraham Duppau zu dispensiren." „Ich kann es nicht gut leiden," meinte der Bürgermeister mit wichtiger Miene, „wenn sich ein Beamter einer Pflicht entzieht; in diesem Falle um so weniger, als Sie für Ihre Bitte kaum einen vernünftigen Grund anzuführen vermögen . . . ." Globner wollte auffahren; aber schon bei dem kürzesten Bedenken gelangte er zu der Ueberzeugung, daß er sich doch bezwingen müsse; allein während er in fliegender Eile darüber nachsann, in welcher Weise er erwidern sollte, ohne sich von der tiefen Bitterkeit, die ihn erfüllte, zu weit Hinreißen zu lassen, wurde das Gespräch unterbrochen, und ein Fremder übertrat nach dem üblichen Anklopfen die Schwelle. Derselbe war ein mittelgroßer Mann in der ersten Hälfte der Vierzig und war unter dem Reisemantel, den er später ablegte, einfach, aber elegant, ganz in Schwarz gekleidet. In dem blassen geistvollen Gesichte fiel vor Allem eine ungewöhnlich hohe Stirne auf, in welche anhaltende Gedankenarbeit schon leichte Furchen gegraben hatte. Die großen, schwarzen, glänzenden Augen schienen Alles, worauf sie sich richteten, zu durchdringen. Die frischen Lippen erschienen dadurch.

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