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Der Israelit · 1882-12-13 · Heft 50 (13.12.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 50 (13.12.1882)
Date
1882-12-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1246 inendem Wohlwollen und freundlichster Aufmerksamkeit pflegte und pflegt — aus Mangel an geprüften Religionslehrern auch solche als Verweser bestätigte, die für das. Lehrfach noch nicht genügend vorbereitet waren, und nun ist ein derartiger, für das jüdische Gemeindewesen nicht sehr förderlicher Ausweg nicht mehr nothwendig, indem diese Anstalt während ihres achtzehnjährigen Bestehens bereits 126 Lehrer ausgebildet, denen allen von der tönigl. Prüfungs-Commission das Zeugniß der Reife zum Uebertritt in die Praxis ertheilt wurde. Die Anstalt hat es also ermöglicht, der Anzahl der ausgetretenen Zöglinge entsprechend, eine groste Reihe von Schulen mit gut gebildeten Lehrern zu versehen und zwar mit Männern von echt religiösem Sinne und festem Charakter, erleuchtet von den Religionsbekenntnissen, ausgerüstet mit profanem Wissen, und somit ward es durch dieselbe ermöglicht, ebensoviele Schulverbände gründen zu können, in deren Unterrichtslokalen einer zahlreichen Schuljugend die beseligenden Worte der Religions- und Sittenlehre vorgetragen, erläutert und zu eigen gemacht werden. Die Anstalt hat hierbei zugleich ^orge getragen, eine nicht unbedeutende An- ,zahl von Synagogen mit entsprechenden Vorbetern zu versehen, und so die betreffenden Gemeinden in die erwünschte Lage versetzt, die religionsgesetzlich gebotene alltägliche gemeinsame Andacht an geheiligter Stätte mit Innigkeit und Würde verrichten zu können. Aber nicht nur als Lehrer an gewöhnlichen Religionsschulen haben Zöglinge unsrer Anstalt Verwendung und fruchtbaren Boden für ihre Wirksamkeit gefunden, sondern auch an vielen höheren Lehranstalten, ja selbst an den von der Königl. Regierung überwachten beiden Lehrervorbereitungsschulen des Kreises wirken Lehrkräfte aus dieser Anstalt mit sehr günstigem Erfolge. Gewiß das schönste, ehrenvollste Zeugniß, daß diese Anstalt sich auszustellen berechtigt ist. Was der Anstalt fehlt, ist ein größeres Haus, das anzukaufen jedoch die vorhandenen Mittel bis jetzt noch nicht ermöglichen. Von 20 jungen Leuten, welche die Aufnahmsprüfung mit gutem Erfolge bestanden, konnten, aus Mangel an Raum, nur 17 ausgenommen werden; zwei wurden außerhalb der Anstalt, als externe Schüler, placirt. — Die Einnahmen betrugen im verflossenen Jahre über 16,000 M., die Ausgaben etwas mehr als 14,000 M.; das Gesammtvermögen beläuft sich auf 65,000 M. Der Director der Anstalt, Herr Districts- Rabbiner Nathan Bamberger wirkt unverdrossen und unermüdlich im Geiste und im Sinne seines unvergeßlichen Vaters Möge der allgütige Gott n"3 ihm ferner Kraft und Ausdauer verleihen, diese so segensreich wirkende Anstalt stets zu größerer Blüthe zu entwickeln! Frankfurt a.M., 5. Dez. Vorigen Samstag verstarb hier der bekannte Reform-Rabbiner, Herr vr. Leopold Stein, im Alter von 72 Jahren. Derselbe, früher Rabbiner in Burgkunstadt in Bayern, wurde 1844 nach Frankfurt berufen, wo er allerlei radicale Reformen einführte, die im Jahre 1855 zur Trennung innerhalb der Gemeinde und zur Grüni düng der orthodoxen israel. Religionsgesellschaft An-! laß gaben. Zerwürfnisse mit seinem Vorstande ließen! Herrn Di-. Ttein im Jahre 1862 von seinem Amte! zurücktreten. Er gründete dann eine Pensionsanstalt! für Mädchen; doch auch diese hatte keinen langen Bestand. — Stein war nicht ohne dichterische Begabung; seine Gedichtsammlung „ Stufengesängc" erfreute sich großer Beliebtheit. Trier. Laut einer Benachrichtigung aus Bordeaux vom 6. Nov. c. ist dem Herrn Samson Schümann aus Trier für seine dort ausgestellten Champagner (12 Flaschen), die aus 1878er Bocksteiner fabricirt worden sind, eine medaille de bronce de merite, also eine broncene Verdienstmedaille, von der Ausstellungs - Jury zuerkannt worden. Dieser Erfolg bei einer Ausstellung, auf der die edelsten Champagner-Weine Frankreichs concurriren, spricht für die Güte der Fabrikate des Herrn Schümann, und wird durch solchen derselbe auch schon zu ferneren hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Champagner-Fabrikation angespornt werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 1. Dez. Der Bureaudiener des von Herrn Zerboni herausgegebenen antisemitischen „Volksfreund" wurde jüngst betreten, als er an dem Fenster eines Hauses in Gumpendorf eine Siegelmarke mit antisemitischer Devise anheften wollte. Er wurde heute der Uebertretung des § 24 schuldig erklärt und zu vierundzwanzig Stunden Arrests verurtheilt. Preßburg, 5. Dez. Der gestrigen „Preßbmger Zeitung" entnehmen wir Folgendes: Behufs Feststellung, ob bei den jüngsten Judenkravallen in Preßburg die ftädt. Behörden ihre Pflicht, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuhalten, vollkommen erfüllt haben, wurde eine Fünfer-Commission entsendet, die nach 2monatlicher Untersuchung heute das Ergebniß ihrer Thätigkeit in der Repräfentanten- , sitzung bekannt gab, welches dahin lautete, daß sämmtliche Organe der hiesigen ftädt. Polizei, vom Stadthauptmanne angefangen bis auf den letzten Wach- , mann. Alles angewendet haben, um den Kravallen j ein Ende zu machen. Diese Mittheilung wurde von! der Stadtrepräsentanz mit Befriedigung zur Kennt-! uiß genommen. >

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