Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1882)
- Date
- 1882-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXHI. Jahrgang. Erste DeUage zu Ar. 50 -es Ismelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. W i r Jude n. Betrachtungen und Vorschläge von einem Vukowiner Juden (?). Zürich, bei Caesar Schmidt. 1883. Wir sehen uns veranlaßt, vor dem Ankäufe dieser Schrift auf das Nachdrücklichste zu warnen. Die Quintissenz derselben läuft darauf hinaus, daß der Verfasser den Juden, damit sie der Anfeindung und der Verfolgung entgehen, den Rath gibt, die Religion anzunehmen, welcher die Mehrzahl ihrer Landesgenossen anhängt, also in vorzugsweise römischkatholischen Ländern römisch-katholische, in Rußland griechisch - katholische, in England 2c? protestantische Christen und in der Türkei Muhamedaner zu werden!!! Kann es feigere und charakterlosere Vorschläge geben? Was für Giftblüthen die gegenwärtige Zeit doch emporwuchern läßt! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 5. Dez. Aus Würzburg erhalten wir den Rechenschaftsbericht über die dortige israelitische Lehrerbildungs-Anstalt für das achtzehnte Jahr ihres Bestehens. Es soll durch denselben den zahlreichen Gönnern der Anstalt mitgetheilt werden, wie viel Großes sie geleistet, was sie durch Unterstützung derselben für Thora, Aboda und Gemilus-Chasadim gethan, wie sie in des Wortes buchstäblichem Sinne Träger und Erhalter der drei bezeichneten Säulen sind, worauf ja der ganze Bau des Weltalls ruht. Thora pflegen und unterstützen die Hochherzigen dadurch, daß sie eine Anstalt unterhalten, in welcher nicht nur die Elementarkenntnisse des jüdischen Wissens bei den Zöglingen erweitert und ausgedehnt werden, sondern auch das in den Vorbereitungsschulen begonnene Pensum regelmäßig fortgesetzt und insoferne zum Abschluß gebracht wird, daß die Zöglinge nach Absolvi'rung dieser Anstalt bei Fleiß und gutem Willen im Stande sind, sich selbständig weiter auszubilden und so auf diesem heiligen Gebiete einen gewissen Grad von Vollkommenheit zu erlangen. Für Aboda sorgen sie, weil die Zöglinge der Anstalt in allen Fächern des Gottesdienstes gründlich ansgebildet worden, so'daß es ihnen ermöglicht wird, dieselben später in ihren Gemeinden stets entsprechend zu verwerthen. Aber nicht minder wird auch dem Gemilus- Chasadim hier Rechnung getragen, weil alljährlich eine bedeutende Anzahl von unbemittelten Zöglingen ihre Ausbildnng und Verpflegung ganz unentgeltlich in der Anstalt erhält. Eine Anstalt nun, die in solcher Weise thätig ist, verdient wohl mit Recht allseitige Anerkennung ihrer Leistungen, .und in der That werden auch deren Zöglinge bei Besetzung von Lehrerstellen des In- und Auslandes wegen ihres gründlichen jüdischen Wissens, gepaart mit systematisch angeeigneten Fachkenntnissen, stets bevorzugt. So können denn die Gönner dieser Anstalt mit inniger Befriedigung und vollkommenster Genugthuung auf den Gegenstand ihrer Protection blicken, und ihnen ist — nächst göttlicher Hilfe — die Erhaltung und das Gedeihen dieses Instituts zu verdanken. Wie aus dem Spendenverzeichnisse zu ersehen, haben die diesjährigen Einnahmen — die von den Zöglingen bemittelter Eltern geleisteten Vergütungen für Beköstigung 2c. sind unter den Spenden aufgeführt — nicht nur die bedeutenden Ausgaben vollkommen gedeckt, sondern es ist auch noch ein ansehnlicher Ueberschub zu verzeichnen. Diese Thatsache gibt von dem so oft bewährten Wohlthätigkeitssinne unsrer Glaubensbrüder beredtes Zeugniß, umsomehr, da selten solche Anforderungen an deren Mildthätigkeit wie in dem verflossenen Jahre durch die traurigen Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen im Osten Europas gestellt wurden. Zwanzig Zöglinge wurden in diesem Jahre aus der Anstalt entlassen, welche alle die Austrittsprüsnng am königl. Schullehrer- Seminar dahier mit sehr gutem, beziehungsweise gutem Erfolge bestanden und in die Praxis entlassen wmchen; es ist hierdurch die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen auf 126 gestiegen. Könnten wohl die Leistungen dieser Anstalt mit schöneren und inhaltsreicheren Worten geschildert werden, als mit solchen Ziffern? Im Jahre 1863 war ein solcher Mangel an jüdischen Religionslehrern, daß die königl. Kreisregierung — die alle Zeit das Schulwesen der Israeliten mit nicht genug zu rüh-