Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-12-13 · Heft 50 (13.12.1882) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 50 (13.12.1882)
Date
1882-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447945--19322-2475393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

verschwunden und nicht mehr zum Vorschein gekommen. Diesen offenbar erdichteten Einwand wiederholte er auch bei dem Gerichtshöfe, welcher demselben auf den Grund ging und ermittelte, daß das Gesangbuch noch nach der Exmisson dem Angeklagten zugänglich gewesen ist. Der Gerichtshof schenkte daher den Betheuerungen des Angeklagten, daß er die Kautionen nach vorheriger Einwechselung im Papiergeld in das vermißte Buch gethan, keinen Glauben, sondern verurtheilte den Angeklagten zu 6 Monaten, Gefängniß und einjährigen Ehrenverlust. Frankfurt a. M., 26. Nov. Am Sonntag hielt der Verein für Beschränkung des Wanderbettels eine Verwaltungssitzung ab. Vom 24. Oktober bis 24. November erschienen auf dem Vereinsbureau 154 Personen, 135 davon wurden mit ca. 300 M. Kostenaufwand von hier weiter befördert. Darunter waren circa 80 Oesterreicher, circa 25 Nüssen, 3 Engländer, 4 Franzosen und 4 Rumänier; nach ihren Berufen waren es circa 100 Handwerker, ca. 30 Kaufleute, ca. 10 Beamte u. dgl. In mehreren Fällen gab das Comite zur Unterstützung bedrängter russischer Israeliten oder das österreichische Konsulat eine Beisteuer. Die Hilfe der Polizei mußte leider abermals in Anspruch genommen werden. Auskunstsertheilung erfolgte in etwa 30 Fällen. Eine kleine Abnahme der Bettelei macht sich bereits bemerklich, doch ist sehr zu bedauern, daß die Zuweisung von Bettlern an das Bureau durch die Mitglieder noch nicht allgemein geworden ist, während andererseits auch nicht genug um pekuniäre Unterstützung des Vereins gebeten werden kann. Ferner hat es sich als sehr wünschenswerth herausgestellt, daß der Verein auch im Nothfall Kleidungsstücke, nahmentlich Schuhwerk, zur Verfügung habe. Es läßt sich denken, daß die Wanderbettler oft in sehr abgerissenem Zustande erscheinen. Gar mancher wohlhabende Mitbürger hat überflüssige, ältere Kleidungsstücke und könnte keine bessere Verwendung dafür finden, als bei dem Verein gegen Wanderbettel, der ja seine Applikanten sehr genau prüft. Möge diese Anregung auf günstigen Boden fallen.! In Bürgel bei Offenbach am Main, wo! die Überschwemmung fürchterlich gewüthet hat, sind j viele Häuser eingestürzt. Auch Verlust von Menschen-! leben ist zu beklagen. Die zwei Kinder und das Dienstmädchen des Schlächters Grünebaum wurden! von dem zusammenstürzenden Gebälke gelobtet Die j Leichen wurden von den Fluthen fortgertffeit und j erst später wieder ausgefunden. Die Beerdigung 1 fand unter allgemeiner Theilnahme statt. AuS Kurheffen, 4. Dec. Die antisemitische Partei in Kassel hat einen Verlust ganz eigenthümlicher Natur zu verzeichnen. Einer ihrer früheren Hauptagitatoreu, ein Buchhändler, ist seit einigen Woche:: verschwunden, sein Aufenthaltsort gegenwärtig unbekannt. Der Betreffende war ein rabiater Antisemit: Tugend, Redlichkeit, Kampf gegen den Wucher führte er stets als Schlagwörter auf seiner Zunge. Ihn: schrieb man es besonders zu, daß Henrici, Förster und Stöcker zu Vorträgen nach Kassel eiugeladen wurden. Als Gründer des christlichen „Resormvereius" gehörte er zu den Leuten, die für eins der Kasseler Judenhetzblätter, das „Reichsgeldmonopol" am meisten Propaganda inachten, kurz Herr Maurer galt als eine Säule der conservativen Partei im gebildeten Bürgerstande. Und nun! Nachdem er sein Geschäft einem von auswärts gekommenen Herrn mit Activen und Passiven verkauft hatte, uni sich, wie er angab, in Schlesien an der Leitung einer conservativen Zeitung zu betheiligen, stellt sich nach seiner Abreise plötzlich heraus, daß er dem Käufer einen sehr beträchtlichen Posten seiner Passiva verschwiegen hat, für welche sein Schwiegervater beim Kasseler Creditverein Bürgschaft übernahm. Es heißt, der Schwiegervater wolle den antisemitischen Schwiegersohn jetzt wegen Betrugs belangen, kenne aber sein jetziges Domicil nicht u. s. w. Der Käufer des Geschäftes hatte nichts Eiligeres zu thuu, als die Firma zu ändern, um nicht schon durch die Erinnerungen, welche sich an ihren früheren Inhaber knüpften, zu Schaden zu kommen. Was werden die Herren Ströcker und Perrot zu diesem kläglichen Ausgange eines ihrer Getreuesten sagen? (F. I.) P a l ä st i n a. Jerusalem. Immer noch sind die Netze der Mission über unsere armen Glaubensgenossen ausgebreitct An 70 Familienväter (Flüchtlinge ans Rußland und Egypten) arbeiten bei den Missionären um 1,05 Fr. täglichen Lohn. Bei einigen derselben scheinen die verführerischen Worte der Seelenfänger schon Eindruck gemacht zu haben, und wir in der h. Stadt stehen rathlos da, wie diesem Hebel zu steuern ist. Wenn die edlen Glaubensgenossen im Auslande uns nicht recht bald mit den erforderlichen Mitteln versehen, um diese bedaucrnswerthcn Männer aus der Gewalt der Missionäre zu befreien, so läßt sich nicht absehen, welche furchtbare Folgen das Gebühren der Mission in der nächsten Zukunft mit sich bringen wird. (Hawazeleth.) Afrika. Oran (Algarien.) Die Befürchtungen vor antisemitischen Ausschreitungen waren vor einiger Zeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.