Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1882)
- Date
- 1882-12-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1238 der den Leichtsinn, die Noch oder den Unverstand ansbeutet, ist auch allen Nichtjuden gegenüber verboten. 5) Das Judenthum lehrt die Heiligkeit des Eides, mag dieser Juden oder Nichtjuden gegenüber geleistet werden. Der Meineid ist unter allen Umständen ein schweres Verbrechen, eine Entweihung des göttlichen Namens. 6) Die Erlösung, welche wir erhoffen und erflehen, ist nicht nur eine Erlösung Israels, sondern eine Erlösung der ganzen Menschheit von Sünde und Uebel, eine Erlösung von Zank und Hader, von Streit und Krieg, von Noch und Elend, von Krankheit und Tod. Nicht die Herrschaft über andere Völker ist es, die wir erstreben, sondern eine Verbricherung der ganzen Menschheit in Liebe und Treue, in dem Streben nach Tugend und Erkenntniß, in der Verehrung des einzigen, des alleinigen Gottes. An den Strömen Babylons. (Zum 10. Teweth.) Rabbiner Dr. Ehrmann. An das heitere Lichtfest des neunten Monats reiht sich der ernste Fasttag des zehnten und gibt den begeisterten Chanukah-Sängern Gelegenheit durch die That zu bekunden, ob ihre Begeisterung die echte, nachhaltige, Fest und Feftesstimmung überdauernde war, als sie sickss gelobten, ihr Scherflein beizutragen zur vollendeten Weihe des in Trümmern liegenden Altars. Der zehnte Teweth, welcher alljährlich das Gedächtniß an die Katastrophe neu beleben will, die den ersten verhängnisvollen Schritt zur Zertrümmerung des Gottesaltars bildete, sammelt die nach allen Richtungen der Windrose zerstreuten treuen Priester dieses Altars um seine heiligen Trümmer und mahnt an die alte jüdische Wahrheit rrn iw» '2 *y ra’-'pDff, daß mit dem Tempel die Opfer nicht nur nicht aufgehört, daß vielmehr die verfallene Opferstätte das höchste und schwerste Opfer, die eigene Hingebung des ganzen Menschen, des ganzen Volkes, die Einlösung des Gelöbnisses fordere, nun rrrn on mit unserm ganzen Leben und Streben, Genießen und Versagen, Gott den Zoll unserer Huldigung darzubringen. So lange das Heiligthum noch stand, kam diese Huldigung im Opfer zum Ausdruck; seitdem es in Trümmern liegt, sprechen die in jeder Gegenwart ihrer großen Vergangenheit und glorreichen Zukunft treuen Zerstreuten diese Hingebung ihrer ganzen Persönlichkeit, ihres eigenen Fleisches und Blutes dadurch aus, daß sie die Gedenktage ihres nationalen Verfalles fastend begehen. So schürzt jeder Fasttag einen neuen Knoten in dem innigen Bande, das die Zerstreuten mit ihrem geistigen Sammelpunkte verbindet, und dieses Bewußtsein wandelt die düsteren Markzeichen unseres Verfalles in leuchtende Marksteine unserer Wiedererhebung um. Aber damit nicht nur das periodisch wiederkehrende Fasten, damit unser tägliches Leben und Genießen, den Gedanken an unsere Ideale in unverwelkticher Frische erhalte, hat ihn die sinnige, jüdische Sitte in das tägliche Mahl verwoben, indem sie nach jedem vollendetem Genuß die Erinnerung an die ersten von ihrem Heimathlande verbannten Exulanten durch die ergreifenden Worte des 137. Psalms wachruft. „An den Strömen Babylons, dort hatten „wir uns niedergelassen und hatten auch geweint, „indem wir Zions dachten. An die Weiden in „seiner Mitte hatten wir unsere Harfen gehängt. „Denn dort forderten unsere Häscher von uns „Liedes-Worte und unsere Räuber Freude: Singt „uns von dem Liede Zions. „Wie? Wir sollten Gottes Lied auf des „Fremden Boden singen? „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, dann „vergiß du meine Rechte. Meine Zunge klebt am „Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn „ich Jerusalem nicht höher stelle als das Haupt „meiner Freude. „Denke o Gott den Söhnen Edoms den „Tag Jerusalems, als sie sprachen: leeret, leeret „bis auf den Grund darin! — Tochter Babels, „vernichtete, Heil dem, der dir heimzahlen wird „deine Vergeltung für das was du uns gethan' „Heil dem, der ergreifen und zersprengen wird „deine Kinder an dem Fels!" Es schaut dieses Lied, vom prophetischen Geiste getragen, die jüdischen Zerstreuten im babylonischen und im römischen Reiche, und schildert in ergreifenden Zügen das Geschick der ersteren, sowie die Gesinnung, mit der sie es ertrugen, um sie den letzteren als leuchtenden Leitstern durch die langen Jahrhunderte mit hinauszugeben, die ihrer noch warten.*) Wenn die Zeiten milder würden für die Jahrhunderte hindurch, um ihres religiösen Bekenntnisses willen geächteten Zerstreuten, wenn fortschre.itende Gesittung und Bildung, wenn der Sinn für Recht und Liebe nicht länger mehr die Schmach duldete, die verjährtes Vorurtheil an den jüdischen Namen *) n"3pn nsnrw m idk min* nox by in&tn n'3 ,np rvo p~nm pvrrV rv3 pnin irr? D'ton' or nx on« n3p 'n noi n» rr3 ,d33 nnru ('H