Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-12-06 · Heft 49 (6.12.1882) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 49 (6.12.1882)
Date
1882-12-06
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447944--19312-2475382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ o O ines fünfjährigen Kindes hin die Untersuchung in jcr befolgten tendenziösen Richtung geführt wurde. Lhatsächlich sei der Untersuchungsrichter Vary nach Mar gekommen, habe den kleinen Knaben auf den Achoß genominen und gestreichelt, worauf das Kind gegen Vater, Mutter und Bruder aussagte. Dieses Detail charakterisire die ganze Untersuchung, deren Erfolglosigkeit übrigens die Thatsachen und das Aerichtsversahren ohnehin schon bisher nachgewiesen haben. Der Justizminister jedoch habe seine Aufgabe verkannt, als er die in so vielen Orten veraustalteieit förmlichen Menfchenjagden (Heiterkeit), als er die gegen die Ehre und Sicherheit von 600,000 Landesbewohnern verübten fortwährenden Hetzen duldete. (Unruhe,) Der Interpellant, welcher sich auf die gestrigen Erklärungen des Ministers des Innern beruft, uimnit die Antwort des Ministers nur mit Reserve zur Kenntniß. Justizminister Pauler replicirt, er habe durchaus nicht gesagt, daß die Aussage des fünfjährigen Lcharf wahr sei; er habe blos constatirt, daß die Untersuchung von dieser Aussage ihren Ausgangspunkt nahm. Wenn das Nyiregyhazaer Gericht dem Interpellanten kein Vertrauen einflöße, so möge er dessen eingedenk fein, daß die königliche Tafel und die königliche Curie von jedem localen Einflüsse frei seien, und was den letzteren betrifft, so habe ja der Minister des Innern auf den gesunden Sinn der Bevölkerung verwiesen; falls dieser geändert werden würde, so werde es die Sorge des Ministeriums sein, die volle Freiheit und Unabhängigkeit des weiteren Gerichtsverfahrens von allen äußeren Einflüssen zu sichern. Verhovay (äußerste Linke) erklärt in persönlicher Bemerkung bezüglich der Angabe Mezey's, Függetlenfeg habe geheime Untersuchungsacten veröffentlicht, als Redakteur dieses Blattes, daß er, ausgenommen ein in einer Ehrensache mit einem der Vertheidiger in dieser Affaire vor zwei Zeugen gepflogenes Gespräch, niemals mit dem Untersuchungsrichter Vary irgend welche Berührung gehabt habe. Die Antwort des ' Justizministers wird fast einstimmig (blos Mezey stimmte dagegen) zur Kenntniß genommen. Feuilleton. N 2 2 N Das Weihefest mit seinen Lichterflammen Erscheint uns freundlich hell von Jahr zu Jahr; Ergreift uns mächtig, ruft uns froh zusammen; Und was es spricht, bleibt ewig neu und wahr. Es führt zurück in längst entschwundene Zeiten, Erzählt von Trauer uns, von Schmerz und Weh'; Erzählt von Feindeswuth, von Grausamkeiten, Ww aber Rettung naht aus Himmelshöh'. Es lehrt in finstrer Roth auf Gott vertrauen, Den frommen Blick zu richten himmelwärts; Entzündet selbst die Kalten, packt die Lauen; Sein Flammenzünglcin redet tief in's Herz. Drum laßt uns horchen'. Laßt uns lauschend hören, Was zu Jedem von uns spricht! Laßt merken uns auf unsrer Weisen Lehren, Die sinnreich deuten uns das Weihelicht! pnus n'^1? T'SDn nrs rj ‘nuo ro:n n: Dein Glaubenslicht, dein Denken und dein Hoffen, Halt's nicht verborgen drinnen in dem Haus! Zur Straße stell' dein Lichtlein, frei und offen! Die Wunder Gottes künd' es weit hinaus! Und wie die Priester einst den Tempel weihten, Ihn weihten durch des goldenen Leuchters Licht; So lern', o Priestervolk, zu allen Zeiten Dich und die Deinen weih'n zu heil'ger Pflicht. .-I2W.1 ypvnv cmp rojn "tf i'pwuv prr Will sich zum Untergang die Sonne neigen; Will's Abend werden; naht die finstere Nacht; Dann soll das Weihelicht der Welt es zeigen, Wie Gottes Liebe unaufhörlich wacht. Dann stell' sie auf, die Lichtlein, daß sie blinken Und dir erzählen von der Wunderzeit; Daß laut sie rufen: „Laß' den Muth nicht sinken! Die Hilfe Gottes ist ja stets bereit." nd pipt U’N nn23 /iiso ntpiy npHn Und wenn das Lichtlein, so du's angezündet, Von selbst erlischt, so trifft dich keine Schuld. Nur sorge stets, daß tief das Herz empfindet, Daß nur Gerechten leuchtet Gottes Huld. mW? »on^n1? “iidn Zu ird'schen Zwecken dien' das Weihlicht nimmer; Es lenk' den Blick dir nur zur Heiligkeit! Ergötze dich an seines Glanzes Schimmer; Zu eigenem Zweck doch wero' es nicht entweiht!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.