Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1230 rHeilbronu a. N Am Donnerstag den 9. Nov. d. I. feierte der hiesige „Wohlthätigkeits-Verein" — d'-dh 'n - das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit in hiesiger isr. Religionsgemeinde, welche dem Vereine fast ausnahmslos angehört. Die Feier wurde Mittags mit einem außerordentlichen p? "n£5D 2"-Gottesdienste eröffnet, welcher durch Gesang und Predigt ausgezeichnet war. Der Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Engelbert hob das Verdienst voil n": sehr eindringlich hervor und ermunterte zum Eintritt in den Verein. Abends versammelten sich über 90 Mitglieder im jüd. Gasthof zu einem Festessen, wobei sinnvolle Toaste auf die Maj. den König und die Königin, welche im Wohlthun ohne confessionellen Unterschied mit bestem Beispiel voranleuchten, auf die bürgerlichen Eollegien und den Stadtvorstand, welche die Anlage des isr. Friedhofs materiell unterstützten und schmückten, auf den Bezirksbeamten, der die Zwecke der Gelneinde seit ihrer Existenz förderte, auf den Vereinssecretär, Herrn Löwenstein, der diese Function schon seit 2 Jahrzehnten unentgeltlich und gut besorgt hat, ans die Gründer des Vereins, die noch am Leben sind, auf die Frauen, welche in n": stets wesentliche Facto reu bilden, auf den Synagogenchor, der den Gottesdienst und den heutigen Abend verschönere, auf die Krone eines guten Namens, die alle übrigen Kronen überragen rc. k. — Der Vereinsvorstand, Herr Liebmann Stranß, gab eine statistische Geschichte des Vereins, aus welchem die Religionsgemeinde einst erwachsen ist und der Herr Vereinssecretär toastirte begeisternd auf den Vereinsvorstand, der diesen Verein mitgründete und seitdem die Stelle eines Vorstandes bekleidet hat. Im Namen des Vereinsausschusses überreichte der Secretär einen werthvollen silbernen Pokal mit paffender Inschrift, gewidmet vom Verein dem 25jährigen Vorstand zu diesem seinem Dienstjubilum. Der Ausschuß ließ durch den Herrn Oberbürgermeister an die christlichen Armen der Stadt Gaben vertheilen und wendete den Ertrag der in Synagoge und im Festsaal aufgestellten Opferbecken den israel. Armen der Gemeinde zu. Es war ein schönes, religiöses Fest, an welchem die ganze Gemeinde freudigen Antheil genommen hat. Cfsen, 27. Nov. Die Wassersnoth ist in Steele zu einer überaus frechen Erpressung benutzt worden. Wie die „Essener Ztg." erzählt, hat der Wasserstand der Ruhr das Wohn- und Wirthschaftsgebäude des Herrn Abraham Löwenstein jenseits der Ruhr völlig unter Wasser gestellt und von jedem Verkehr abgesperrt; es war daher anzunehmen, daß der auf diese Weise von dem Festlande abgeschlossene Bewohner des jenseitigen Ruhrufers einen Besuch wohl füglich nicht erwarten konnte. Und dennoch stellten sich in der sechsten Nachmittagsstunde des Freitag vier handfeste Kerle, jeder mit einem Revolver versehen und das Gesicht vermummt bei ihm ein und verlangten, indem sie die Mordwaffen auf sein Haupt richteten, Herausgabe seines Geldes. Herr L., der sich nur mit Knecht und Magd im Hause befand, hielt unter diesen Umstäden eine Gegenwehr für erfolglos und händigte den Räubern feinen ganzen Barbestand von ca. 3—4000 Mart ein. Nachdem sämmtliche Behälter, worin Geld oder Werthsachen vermuthet werden konnten, was allerdings auch auf eine genaue Lokalkeuntniß schließen läßt, dnrchstöbert waren, entfernten sich die Diebe mit ihrer Beute und wünschten dem auf diese Weise beraubten ein „gute Nacht". Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 25. November. (Abgeordnetenhaus.) Nach Annahme des Gesetzentwurfes über die Eisenbahn Ofen-SZöny folgt die Verhandlung des Berichtes des Petitions-Ausschusses über die 19. Serie der Petitionen. Referent Bcrzeviczy (liberale Partei) berichtet namens des Petitions-Ausschusses, daß dieser in Bezug auf die Petition des Heveser Eomitats gegen die von der Regierung verfügte Eonfiscation antisemitischer Broschüren den Beschlußantrag vorlege, demgemäß das Vorgehen der Regierung durch die Umstände vollkommen gerechtfertigt sei. Es wird sodann das umständlich motivirte Separatvotum des Petitions-Ausschuß-Mitgliedes Geza Polonyi (äußerste Linke) verlesen, welcher unter ausdrücklicher Verdammung der antisemitischen Agitation die fragliche Verordnung des Ministers des Innern als gegen das Preßgesetz verstoßend erklärt und das Vorgehen des Ministers des Innern mißbilligt. — Auf Csanady's Antrag wird zunächst die bekannte Verordnung des Ministers des Innern vom 1. Juli d. I. verlesen, welche die Agitation gegen die Juden strengstens zu verhüten und die antisemitischen Brandschriften zu saisiren anordnet. (Lebhafter Beifall rechts). Referent Berzeviczy bittet um die Annahme des Ausschußantrages. Die von der antisemitischen Agitation herbeigeführte ernste Bedrohung der Ruh.' war Grund genug zu der soeben verlesenen Verordnung. Die incriminirten antisemitischen Brandschriften zu confiscirtn, sei mit Rücksicht auf die bestehende allgemeine Praxis und die vorhergegangcnen geschlichen Verordnungen durchaus gestattet gewesen. Der Referent citirt die einschlägigen Verordnungen aus den Jahren 1867 und 1873, welche hinsichtlich dcr Confiscation die Bestimmungen des 1848er Preßgesetzes ergänzen. Das letztere Gesetz schweige voll- X