Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1219 Aesmark und Hunsdorf, sowie auch der durch seine chriftstellerische Thätigkeit für's orthodoxe Judenthum rühmlichst bekannte Herr M. A. Roth würzten die Tafel mit köstlichen mm nm. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der Herr Rabbiner R. eifrigst bemüht ist in Hunsdorf eine Pflanzstätte für Thora - Wissenschaften in's Leben zu rufen, in welchem Vorhaben er auch von seinen Gemeindemitgliedern mit lobenswerthem Eifer unterstützt wird. Diese tragen Sorge für das nop, für den materiellen Unterhalt der Talmudjünger, und soll auch zu diesem Behufe eine den ganzen Bezirk umfassende „Qmnan nwto man* gegründet werden, welche voraussichtlich Ersprießliches leisten wird; denn jedweder wird in dem Maße, als es seine Vermögensverhältnisse gestatten, diesem das Thora- Studium fördernden Verein sein Schärflein zufließen lassen. Möge es dem Herrn Rabbiner gegönnt sein, bis an die äußerste Grenze menschlichen Alters hinaus das Wort Gottes zu verkünden, seine Lehren zu verbreiten, und ihm die Genugthuung werden, daß seine na'v einen glänzenden, weithinleuchtende« Stern am jüdischen Firmament bilde. I. R. euillel»». Uus der Zeit der Aeaction. IV. Lady Geraldine hatte ihrem Herzenswünsche, die Katakomben zu besuchen, nicht länger widerstehen können. Sie hatte eine neugierige Reisende aufgespürt, der nach unermüdlicher Beschauung der Oberwelt, an dem Vorabend ihrer Abreise von Neapel nichts mehr übrig blieb, als nun auch in die Unterwelt hinabzusteigen. Die Verabredung wurde getroffen, und in tiefster Stille, aber mit der unbegrenzten Lust, die bei der Ausführung eines unschuldigen Geheimnisses ein zagendes Mädchenherz erfüllt, wurden die nöthigen Vorbereitungen gemacht. Geraldine wollte die Morgenstunden benutzen, während welcher ihr Vater am Schachbrette die ganze Welt um sich her vergaß. Die Begleiterin sollte sie in einer benachbarten Kirche erwarten, und ein von dieser gedungener Führer sollte an der Thüre der Kirche oel Pianto bereit stehen. So weit ging Alles nach Wunsch. „Aber," sagte die Begleiterin, eine Malerin aus Thüringen, als sie einen Theil des Weges zurückgelegt hatten, „ist es nicht höchst abenteuerlich, daß zwei junge Mädchen, wie wir, uns so allein, ohne Schutz und Beistand, in die Unterwelt hinablaffen wollen? Wäre es nicht gut, uns, außer dem Führer, nach einem verläßlichen Begleiter umzusehen?* „„Der dann;"" antwortete Geraldine, „„die Geschichte dem Vater verriethe und mir dadurch tausenderlei Verdruß bereitete! Nein, nein, gerade dieses Abenteuerliche reizt mich, und was wäre denn ein Abenteuer ohne Gefahren? Wiewohl ich hierbei ganz und gar keine sehen kann. Ich brauche keinen Servante auf der Oberwelt, warum sollte ich unter der Erde solch einen Merkur zur Seite haben, der mich durch sein Geschwätz um meine besten Gefühle brächte! Ich kenne das aus Erfahrung. Nein, nein, Louise! Das, wonach ich mich ganz unaussprechlich sehne, ist ein stilles, tiefes, romantisches Gefühl von neuer Art; ein Vorschmack des Todes, ja, wenn Du willst, der Tod selbst."* „Lady Geraldine," fragte die Malerin, „was in aller Welt kann Sie mit dem Leben entzweien? Sie, der es an nichts gebricht, was das Leben erfreulich machen kann?" „„Ich bin nicht mit dem Leben entzweit,"" antwortete Geraldine, „„es wäre allzu undankbar von mir. Nein, ich liebe das Leben, aber ich denke, es ist eben die reiche Fülle des Lebens i« mir und außer mir, was mich bisweilen mit einer sonderbaren Sehnsucht erfüllt, den Tod zu kosten."" „Den Tod zu kosten!" sagte Louise. „Was für ein sonderbarer Ausdruck, oder was für ein sonderbarer Wunsch." „„Sonderbar nennst Du ihn?"" erwiderte Geraldine. „„Mir kommt er ganz natürlich vor, wenn er auch vielleicht nicht ganz gewöhnlich ist. Und doch habe ich von einem Kaiser gelesen, der ohne Zweifel aus der gleichen Sehnsucht bei voller Gesundheit sein Leichenbegängniß feierte. Gewiß theilte der mein Gefühl. Und ist es Dir noch nie begegnet, daß, wenn in stiller Nacht der dunkle Himmel über der Erde lag, mit seinen Millionen von Sternen, Sonnen und Welten, das Auge in dieses endlose Gewühl einzudringen suchte, und immer höher und höher strebte, und nirgends einen Stillstand, nirgends ein Ziel fand, daß Deine Brust, dann die unendliche Fülle gar nicht fassen konnte, und Du Dich selbst verlierst, und zuletzt sich Alles in eine Sehnsucht nach dem Zerfallen dieser allzuengen Schranken auflöste? Ist Dir das nie begegnet?"" „Dieses Gefühl," antwortete Louise, „ist mir nicht fremd; aber wenn der Anblick des End- und Grenzenlosen mein Innerstes erschüttert, und es