Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1218 bezüglich der Einleitung der Preßprozeffe, und je nach dem. Votum dieser Behörde wird die Anstrengung der Prozesse verfügt werden oder nicht. Sollten Processe nothwendig sein, so werde er vor denselben nicht zurückschrecken. Außerdem müsse er bemerken, daß Herr Vary selbst im Sinne der bestehenden Vorschriften ohne Ermächtigung des Justizministers nicht Vorgehen könne, jedoch bei ihm (dem Redner) bereits um die Erlaubniß zur Einleitung eines Processes angesucht habe. Der Minister habe jedoch das Gesuch noch nicht erledigt, weil er der Ansicht ist, daß die Angelegenheit sobald als möglich zur Austragung gelange und wieder Ruhe ins Publikum komme, dieses daher durch keine weiteren Zwischenfälle erregt werde. Uebrigens behalte er sich vor, das Gesuch noch vor Ablauf der Verjährung zu erledigen. Was die unbefugte Veröffentlichung der Untersuchungs-Daten anlange, so könne der Minister bemerken, daß der vorliegende Bericht des Gerichts- Präsidenten, sowie die Emvernehmung Bary's ergeben hätten, daß Letzterer keine wie immer gearteten Daten der Untersuchung veröffentlichte. Tbatsächlich seien Mittheilungen immer zu anderer Zert und incorrect vor die Oeffentlichkeit gelangt. Gleich zu Beginn der Affaire habe der Minister der Staatsanwaltschaft und dem Gerichte die Weisung ertheilt, dieselben mögen ihre Organe zur Discretion verhalten. Als später die Polemik in den Zeitungen entstand und ein Funktionär einen Artikel mit seinem Namen zeichnete, wurde dieser Mann versetzt. Zum Schluffe bemerkt der Justizminister hinsichtlich seines Vorgehens im Allgemeinen, daß er weder nach der einen noch nach der andern Richtung Einfluß nehmen wolle, da er als Justizminister das Gewissen des Richters Hochhalten müsse und in keiner Weise auf die Entscheidungen der Richter präjudicirend einwirken dürfe. Minister-Präsident Tisza sprach sich hierauf gleichfalls gegen die Delegirung eines andern Gerichtes aus; denn durch Delegirung erhielte für den Fall, daß ein Freispruch erfolgen sollte, die Auffassung nur Nahrung, man hatte die Sache denjenigen genommen, die vielleicht verurtheilt hätten. Die Richter mögen frei ihre IMbeile schöpfen; wenn das Urtheil gefällt ist, werden die höheren Instanzen dasselbe bestätigen, modificiren oder cassiren. Es sei daher keinerlei Gefahr vorhanden. M. Neue Berichte aus dem Oedenburger stätigten die gestrigen Mittheilungen über die dort vorgefallenen Exceffe. Außer in Himod fanden auch in Kisfalud, Mihalyi und Szarföld kleinere Ausschreitungen statt. In letzterer Ortschaft kam man einer planmäßigen Vorbereitung größerer Exceffe auf die Spur. Die Furcht vor dem Militär, welches nach Himod kam, verhinderte den Ausbruch der Unruhen. Ein großer Theil der Maaren aus dem Geschäfte des Jakob Neumann in Himod wurde gestohlen, einen Theil nahm der Gutsverwalter des Raaber Bischofs in Verwahrung. Es ist eine Tatsache, daß der intervenirende Stuhlrichter und die Panduren in furchtbarer Weise von der Menge angegriffen wurden und daß Alle in Lebensgefahr waren, so daß in Oedenburg sich das Gerücht verbreitete, Stuhlrichter Kovacs sei ermordet worden. Seither ist die Ortschaft ruhig; Nachts durchziehen Militär- Patrouillen die Straßen, Niemand darf Abends das Haus verlassen. Die geflüchteten Juden sind wieder zurückgekehrt. Pefth. Der seitens der Ober-Staatsanwaltschaft speziell für den Tisza-Eszlarer Fall mit den Agenden des öffentlichen Anklägers betraute Staatsanwalt beim Gerichtshöfe für den Pester Landbezirk, Emerich Havas, hat eine Eingabe an die Ober- Staatsanwaltschaft gerichtet, in welcher er mit Rücksicht auf die wider ihn auf Veranlassung des Justizministers einzuleitende strafgerichtliche Untersuchung wegen angeblicher Anwerbung falscher Zeugen und Mißbrauchs der Amtsgewalt, um Enthebung von den staatsanwaltschaftlrchen Functionen bet der Affaire von Tisza-Eslar bittet. Die Entscheidung des Oberstaatsanwaltes ist noch nicht gefallen. Himsdorf (Ungarn), im November. Unsere; altehrwürdige Gemeinde feierte heute, anläßlich der glücklichen Wiederbesetzung des mehr denn dreizehn! Jahre verwaist gewesenen Rabbinersitzes, ein schönes Familienfest. Herr Rabbiner Samuel Rosenberg, der bislang mehrere Jahre hindurch in der Gemeinde Tschaba segensreich im Geiste der m>n wirkte, wurde auf diesen ehrenvollen Posten berufen. Derselbe hielt heute seinen Einzug in den neuen Wirkungskreis. Schon auf der anderthalb Stunden von Hier ent-! fernten Bahnstation wurde der Herr Rabbiner von! zahlreichen Gemeindemitgliedern wärmstens begrüßt! und nach Hunsdorf geleitet. Der Herr Rabbiner! verfügte sich direkt in die Synagoge, an deren Pforte! die Schulknaben Spalier bildeten und einer derselben! ein von Herrn Lehrer Löwenbein verfaßtes hebräisches! Begrüßungsgedicht vortrug. Nun strömte Alles in! die Synagoge, wo der Herr Rabbiner eine geht«! und schwungvolle Antrittsrede hielt, welche auch mit I ungetheiltem Beifalle ausgenommen wurde. Nach-! mittags versammelten sich die von Nah und Fern! erschienenen Gäste in das festlich geschmückte Gemeinde^ I Haus zur rorrv rrnyD. Die Herren Rabbiner aus!