Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1216 dauertj, bekundet die in ihrer Art einzig dastehende tief bedeutsame Weihe dieses Altars. Diese Weihe des Gottesaltars haben all' jene Helden und Heldinnen bekundet, die sich zu der von höhnenden Judenfeinden errichteten Schlachtbank führen ließen und dort Gottes Lob und Preis singend ihre reinen Seelen aushauchten. Als in den Tagen der Hasmonäer die ersten! jüdischen Märtyrer für ihr Judenthum in den Tod j gingen, wurde die Weihe des Altars begonnen. Die j Vollendung dieser Weihe aber bleibt den spätern Enkeln Vorbehalten. Dieses herzerhebende Bewußtsein läßt sie ihrem himmlischen Vater nicht nur für die Wunder o’Djn, sondern auch für die Kämpfe, rrcrron Sy danken, die er in jeder Zeit beschieden. Je dunkler die Zeiten sich gestalten, um so inniger danken sie ihrem Gott, der sie durch seine Mizwah geheiligt, indem er die Gedanken des Lichts und seiner Pflege ihrem Kreise anvertraut, und je heißer der Kampf, um so begeisterter ringt sich das Gelöbniß aus dem Herzen, als würdige Enkel ihrer großen Ahnen mit feurigem Ernst vollenden zu wollen, was jene gegründet, rojon rDon -noic *vbq “üdjp. AeLlungsnachrichlen und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 5. Nov. Ein Hausfriedensbruch mit antisemitischem Hintergründe beschäftigte gestern das Schöffengericht in Moabit. Auf der Anklagebank erschienen der Arbeiter Josef Neumann, dessen Ehefrau Ernestine Neumann, sowie deren Pflegesohn, der Schlosiergeselle August König. Der Sachverhalt, der der Anklage zu Grunde liegt, ist etwa folgender: Die Kinder des Angeklagten Ehepaares Neumann sind ebenso gelehrige als offenkundige Parteigänger der Herren Antisemiten. „Verfluchter Jude!" „Jude Jtzig!" und ähnliche Ausdrücke aus dem christlich-socialen Sprachschätze sind ihnen bereits so geläufig, daß sie der Versuchung, sie praktisch anzuwenden, nicht widerstehen können, und den sechszehnjährigen Sohn Philipp des in demselben Hause wohnenden Kleiderhändlers Cohn täglich damit höhnen. Am 30. Mai d. I. widerfuhr dem jungen Cohn dasselbe; ja noch mehr, die ausgelassenen Kinder warfen dem Knaben in Anwesenheit seines Vaters Steine und Koth in den Laden. Philipp Cohn verbat sich das und drohte den Kindern sie zu züchtigen. Darob natürlich großes Halloh seitens der Kinder; die „Herren Eltern" eilen herbei, um ihre sauberen Lieblinge zu schützen. Mit dem Schlachtruf: „Schlagt den verfl. . . . Juden den Kopf entzwei!" dringen Mann, Weib und das zwanzigjährige Pflegesöhnchen August König in den Laden hinein und mißhandeln dort den allem anwesenden 16jährigen Philipp Cohn. Während Neumann mit einem abgebrochenen Schemelbein auf den Genannten einschlägt, geberdet sich Frau Neumann wie eine Megäre, fährt der ihrem Bruder zu Hilfe eilende Sabine Cohn in die Haare und wirft sie zu Boden. Erft als eine bei der Sache gan^ unbetheiligte Person, eine bei Cohn beschäftigte Näherin, nach Hilfe läuft, entfernt man sich, nicht aber ohne diverse Kleidungsstücke in dem Laden und bis auf die Straße umherzustreuen — am andern Tage noch wird eine abhanden gekommene Hose zurückgebracht. Die drei Angeklagten, denen gemeinschaftlicher Hausfriedensbruch und Mißhandlung zur Last fällt, leugnen hartnäckig jede Schuld, indem sie ganz unhaltbare Einwände machen. Durch eine vollkommen einwandsfreie Zeugin in Gemeinschaft mit den Zeugen Philipp und Sabine Cohn, welche, wie der Vorsitzende zu betonen Veranlassung nimmt, einen vollkommen glaubwürdigen und guten Eindruck machen, wird indeß die Schuld der Angeklagten festgestellt und es erfolgt dem Anträge des Staatsanwalts gemäß die Verurtheilung des Josef Neumann und seiner Ehefrau Ernestine wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch in Verbindung mit vorsätzlicher Mißhandlung zu je einen Monat Gefängniß. August König wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu einer Woche Gefängniß. (Jüd. Pr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 23. Nov. Telegraphischen Berichten i eines hiesigen Blattes entnehme ich mit allem Vor-! behalte folgende Einzelheiten über die Judenkrawalle im Oedenburger Comitate: Die Exceffe in Himod brachen jüngsten Sonntag gegen 10 Uhr Abends aus. Die aufgeregte Menge stürmte das Haus des Jakob Neumann, schlug sämmtliche Fenster ein, hob! die Thüren aus den Angeln, zertrümmerte die Möbel, l riß die Läden auf, schleppte Maaren auf die Straße, ] zerstreute dieselben und zerriß die Geschäftsbücher. I Von der Familie waren blos Frau Neumann und ß deren drei Töchter zu Hause. Der Mann konnte sich I nur mit Mühe retten. > Montag Früh steigerte sich die Erregung. Die > Menge griffe das Haus eines andern Juden an, I der gleichfalls Neumann heißt und zog dann unltt > den Rusen: „Nieder mit den Juden!" durch das I Dorf. Die dort seßhaften Juden hatten .sich recht-> zeitig geflüchtet. Montag Mittags erschien der Stuhl-1 richter Anton Kovacs in Himod, begleitet von zwei» Panduren, um die Ruhe herzustellen und die Rädels- » führer zu verhaften. Das Volk griff auch den Stuhl- » richter und die Panduren mit Hacken, Messern und»