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Der Israelit · 1882-11-08 · Heft 45 (8.11.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 45 (8.11.1882)
Date
1882-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1117 stand zu versetzen. Dieselbe wollte die Einstellung des Protestes beantragen, der Justizminister wies dieselbe jedoch an, den obenerwähnten Antrag zu stellen, damit der Prozeß öffentlich verhandelt werden könne. Nachdem die Vertheidiger gegen die Versetzung in den Anklagestand nicht zu appelliren gewillt sind, wird die Schlußverhandlung in diesem sensationellen Prozeffe im Monate December stattfinden. Pesth, 4. Nov. Bei der Verhandlung wegen der Dioszegher Judenhetze fungirte als Kriminalgericht der Preßburger Gerichtshof. Der Staatsanwalt beantragte ein schuldig des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit gegen Privatpersonen. Der Gerichtshof erkannte nur auf ein „Vergehen" und verurtheilte sämmtliche Angeklagte zu je drei Monaten Gefängniß mit Einrechnung der dreimonatlichen Untersuchungshaft. Der Staatsanwalt appellirt wegen der unmotivirten Anwendung des Milderungsrechtes. — Die Frau des Josef Scharf (Tisza-Eszlarer Affaire) wurde enthaftet. Sie erzählt, erst vergangene Woche habe sie erfahren, daß ihr Stiefsohn Moritz es sei, welcher sie beschuldigt, dieser sei ein blödes, schlechtes Kind, welches gegen sie schon einmal eine Hacke schleuderte. Aus Pesthwird der „N. fr. Pr." geschrieben: Vor einigen Tagen weilten mehrere Direktoren der hiesigen Verlagsgesellschaft „Athenäum" in Turin bei Ludwig Kossuth, um mit diesem hinsichtlich der Herausgabe des vierten Bandes feiner Memoiren einen Vertrag abzuschließen. Die Herren fanden den achtzigjährigen Kossuth so munter und arbeitslustig, daß er sich sofort bereit erklärte, diesen Band voMbereiten und in demselben hauptsächlich aktuelle Vorgänge aus dem gegenwärtigen politischen Leben Ungarns zu behandeln. Gleichzeitig gestattete Kossuth das einzelne Erscheinen dieser Anfsätze, die denn auch zunächst im „Pesti Naplo" publicirt und dann erst in Buchform erscheinen sollen. Der ehemalige Dittator lud die Herren zu Tische, und im Laufe des Gesprächs wurde auch der antisemitischen Bewegung gedacht. Kossuth sprach seinen ttefen Abscheu vor diesem in die Mode gerathenen Wahnsinn aus und bezeichnete die Bewegung als eine verwerfliche, sozial und politisch zwecklose. Wie in jeder anderen Konfession gebe es auch in der jüdischen Individuen, die sich gegen Gesetz und Gesellschaft vergehen; und diese müßten einzeln gefaßt werden, wie die Anhänger anderer Konfessionen, die ebenso geartet wären. Er kenne rührende Beispiele des Patriotismus jüdischer Ungarn aus der Zeit des Befreiungskrieges, und eines wolle er auch sofort anführen. Als die Ungarn im Jahre 1849 zur Offensive übergingen' handelte es sich eines Tages darum, der hartbedrohten Besatzung Komorns die Nachricht zu bringen, daß ein Hilfskorps nahe. Guter Rath war theuer, wer mtt dieser schwierigen Mssion betraut werden könnte. Endlich fand sich ein Jude, dessen Name chm entfallen, der sich bereit erklärte, Komorn zu erreichen. Koffuth schrieb auf ein Zettelchen die Worte: „Es kommt bald Entsatz. Kossuth." Dieser kleine Streifen Papier wurde in eine winzige Gummikapsel gesteckt, die der Jude unter der Zunge verborgen halten und im Augenblicke der Gefahr schlucken sollte. Der Mann machte sich auf den Weg; da er jedoch nur des Nachts zu marschiren wagte, so verbrachte er die Tage im Schilf oder im Dickicht. Nach drei Nächten unausgesetzter Wanderung erreichte er glücklich Komorn und übergab die Botschaft. Nach abermals drei Nächten erschien der Jude bei Koffuth, der zu ihm sagte: „Wären Sie Soldat, so würde ich Sie zum Offizier ernennen. Nun verlangen Sie einen andern Lohn, auf einige tausend Gulden soll es uns nicht ankommen." — „Herr Gouverneur," antwortete der Jude, „ich lasse mir meinen Patriotismus nicht bezahlen." Mit diesen Worten zog er ein Papier aus seiner Rocktasche, auf dem seine Baarauslagen verzeichnet waren. Diese ließ er sich vergüten, sonst nahm er nichts an. Als die Reaktion hereinbrach und es ruchbar wurde, welchen Dienst der Mann dem ungarischen Heere geleistet, fühlte er sich daheim nicht sicher, denn es drohte ihm der Galgen. Er flüchtete nach London, wo Koffuth und die Emigranten dafür sorgten, daß der Mann nach Australien auswandern konnte. Seither ist keine Nachricht mehr von ihm eingelangt. Preßburg, 29. Oct. Ueber die Wechselfälschungs-Affaire, über welche wir bereits berichtet haben, wird dem „N. W. T." noch nachstehendes mitgetheilt: Von Seite der beiden Kreditinstitute, in deren Besitz die gefälschten Accepte sich befinden, wurden ursprünglich noch keinerlei Schritte gegen Windisch, den Micherausgeber des antisemitischen „West-Ungarischen Grenzboten" unternommen, was einestheils in der bekannten Gutmüthigkeit des größeren der beiden Jnstttute, anderntheils aber auch in dem Umstande seinen Grund haben mochte, daß für den größeren Theil der gefälschten Wechsel Deckung vorhanden war. Interessant und merkwürdig ist aber das Vorgehen des Obergespans Grafen Esterhazy in dieser Angelegenheit, welcher, als die Sache ruchbar wurde, in einem der beiden Kreditinstitute erschien und vom Kassier die Vorlage des angeblich gefälschten Wechsels verlangte, welchem Wunsch der Beamte Folge leistete. Der Gras erklärte nach einer eingehenden Prüfung der fraglichen Unterschrift dieselbe als unbedingt gefälscht, da ihm die Unterschrift des

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