Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1882)
- Date
- 1882-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1116 Absendung eines oder mehrerer Deligirten aus Deutschland, England, rc. zum Nutzen und Frommen der religiösen Interessen der Emigranten, wie dies beim Beginne des Rettungswerkes vorgeschlagen war, wohl am Platze wäre. Erst dann, wenn auch nach dieser Richtung hin das Nöthige und Mögliche geleistet, können die verehr!. Comites beruhigt auf ihre Thätigkeit zurückblicken, und sich derselben wahrhaft freuen. Hamburg, 31. Okt. Nach einem mehrtägigen Unwohlsein starb in der Nacht auf verflossenen Sonntag in Folge eines Herzschlages der Privatier Simon Goldberg. Der Vorstand der deutsch» israelitischen Gemeinde, dessen Präses er seit einer langen Reihe von Jahren war, erleidet durch dessen Tod einen schweren Verlust. Der Verstorbene, welcher auch gleichzeitig Präses des Armenkollegiums' war und verschiedene Ehrenämter bekleidete, war stets bemüht, Hülsbedürftigen und Nothleidenden nach Kräften beizustehen. Die Beerdigung fand unter reicher Theilnahme statt. Dem Leichenkondukte hatten sich ca. 70 Wagen angeschlossen und bewegte sich derselbe von Soha's Allee nach dem israelitischen Begräbnißplatz in Ottensen. Am Grabe sprachen die Gemeindevorsteher W. Wolff, Dr. H. B. Levy, der Prediger an dem israelitischen Tempelnerbande Dr. Jonas und das Vorstandsmitglied des Armenkollegiums C. Callmann. Sämmtliche Redner hoben die Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde, des Schul- und Armenwesens hervor. — Zum Andenken an den Verstorbenen B. A. Simon wurde von der Familie je 500 Mark dem Paulinenstift, dem Franenverein zur Unterstützung der Armenpflege, der Israelitischen Mädchenschule von 1798, dem Frauenverein zur Unterstützung armer israelitischer Wittwen, dem israelitischen Verein zur Unterstützung armer Greise, dem israelitischen Mädchenbekleidungsverein, dem Verein zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten, demFrauen- Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und der deutsch-israelitischen Gemeinde, dem israelitischen Frauenverein zur Bekleidung armer Knaben der Talmud-Tora, sowie M. 1000 dem israelitischen Tempel-Verbande geschenkt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der 16jährige Alois Bischof, Vureaudiener bei dem antisemitischen Journal „Oesterreich. Volksfreund," wurde am 28. v. M. von einem Sicherheitswachmanne in dem Augenblicke betreten, als er an das Thor des Hauses Nr. 15 der Gumpendorferstraße zwei antifemisische Siegelmarkeu ankleben wollte. Bischof wurde auf das Polizei- Commissariat in Mariahilf gebracht und dort einer Leibesdurchsuchung unterzogen, wobei man bei ihm neun Exemplare antisemitischer Druckschriften vorfand, bei welchen kein Druckort, kein Verleger und kein Verfasser angegeben sind. Der Bureaudiener wurde in Untersuchung gezogen Pesth, 29. Oct Der Untersuchsrichter in |ber Tisza-Eszlarer-Affaire hat vorgestern, nachdem er das vom Staatsanwalte beantragte nochmalige Verhör der Hauptbeschuldigten vorgenommen, die Untersuchung vollständig beendigt und die gesammten Akten behufs Antragstellung der Staatsanwalt übermittelt. Dem Anträge des Staatsanwalts, wonach die Gefangenen Amsel Vogel, Emanuel Taub und Frau Josepha Scharf auf freien Fuß zu stellen seien, wurde vom Untersuchungsrichter nur in sofern Folge gegeben, daß Amsel Vogel bereits enthaftet wurde. Außerdem entschied der Untersuchungsrichter, den in Haft befindlichen Jankel Smilovics ebenfalls freizulassen. Diesen Beschlüssen gegenüber appellirte der Staatsanwalt an den Gerichtshof mit dem Anträge, es mögen auch die Gefangenen Taub und Frau Scharf freigelassen, hingegen Jankel Smilovics noch ferner in Haft gehalten werden, da seine Aussagen, für ihn schwer belastend und die Gefahr vorhanden sei, daß er, auf freien Fuß gesetzt, den Gang des Prozesses stören könnte. — Ein heute zum ersten Male erschienenes Wochenblatt „Egyenlöseg" erzählt haarsträubende Dinge von der Gerichtsprozedur in Nyiregyhaza. Der dortige Untersuchungsrichter soll das Entgegengesetzte von dem Protokoll gebracht haben, was die Verhafteten aussagten, worauf dann die Juden gezwungen wurden, das falsche Protokoll zu unterschreiben. Das Blatt meldet eine Fülle ähnlicher Details an, die vorläufig wohl mit Reserve aufzunehmen sind. Pefth, 31. Okt. In dem Somogyer Komitatssitz Koposvar war gestern große Antisemiten-Versammlung. 200 Anwesende, darunter viele Geistliche, Lehrer und Advokaten. Unter heftigen Ausfällen gegen die Juden wurden die auf dem Dresdener Kongreß proklamirten Grundsätze angenommen und die Gründung eines christlichen Vereins beschlossen. Die Mitglieder desselben sollen Juden nichts verpachten, nichts abkaufen, nichts leihen. Es ist ein Comite zur Ausarbeitung der Statuten entsendet. Zum Vereinsobmann wurde der Reichstags- Abgeordnete Emerich Szalay, ein großer Deutschenfeind, gewählt. Pefth, 3. Nov. Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Tisza-Eszlarer, des Mordes an der Esther Solymossi beschuldigten Juden in Anklagezu-