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Der Israelit · 1882-11-08 · Heft 45 (8.11.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 45 (8.11.1882)
Date
1882-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1114 Zum Zweiten ist zu fragen: aus den Worten: „Wer denn ist der re." ist zu entnehmen, daß Jizchak nicht wußte, daß es Jakob war. Wieso hat er es aus Esaw's Worten: Segne mich, auch mich, mein Vater," entnehmen können, daß er gleich darauf sagt: Es ist gekommen Dein Bruder rc.? Und drittens bedarf es einer Erklärung, wieso das Wort no->o hier passend ist, da es gewöhnlich in schlechtem Sinne, in der Bedeutung Hinterlist gebraucht wird. Und viertens endlich: zu welchem Zwecke erzählt Esaw von dem Verkaufe der Erstgeburt? Hätte es nicht genügt, wenn er gesprochen: „Hast Du mir nicht einen Segen zurückbeb alten?" Um alle diese Fragen zu beantworten, müssen wir noch eine, den ganzen Vorgang betreffende Frage vorausschicken. Wie konnten Riwkah und Jakob meinen, daß ein auf einer Täuschung beruhender Segen Zweck und Erfolg haben könnte? Was ist denn ein Segen? Doch nichts als ein Gebet zu Gott für das Wohlergehen des zu Segnenden, wie Jizchak in der That auch sprach: on?« -p ini „Und es gebe dir Gott rc. — Wenn inan nun vermeinen möchte, Menschen täuschen zu können, — kann man denn Gott, den Allwissenden, bei dem die Entscheidung steht, täuschen? Ein mit List errungener, unberechtigter Segen hat nicht den geringsten Werth. Und in der That, die Sache lag ganz anders. Unsere Weisen belehren uns im Midrasch (Midrasch Rabbah, Paraschath «8’i), daß der Name wy mit npy „thun" zusammenhängt. Esaw, der Erstgeborene, erhielt seinen Namen zu dem Zwecke, daß er ein thätiger Förderer und Vollzieher der Abrahamsaufgabe werde. Er entsprach diesem Namen nicht; er verachtete die Erstgeburt und leugnete die Unsterblichkeit der Seele. Daher konnte Jakob, dcn er die Erstgeburt erworben, mit Recht zu seinem Vater sagen: Ich bin Esaw, Dein Erstgeborener, (1 B. M. C. 27. V. 19) bereit!, die Thaten zu vollziehen, die Du mir aufgetragen, zu wandeln in den Wegen Gottes, zu thun nach Seinen heiligen Geboten. Der Targum Jonathan ben Usiel übersetzt die Worte nyow npmi „und Riwkah hörte (1. B. M. E. 27, V. 5) mit nbh'p nna nyov npm „und Riwkah ward es offenbar durch den heiligen Geist." Es hatte Riwkah durch göttliche Offenbarung auch erfahren, daß Jakob dadurch, daß er die Erstgeburt erworben, der zum Segen Berechtigte war. Gestützt , auf die göttliche Offenbarung faßt sie ihren Entschluß. Daß sie der Zustimmung Gottes sicher, geht deutlich daraus hervor, daß sie die Worte raiaw und ich werde Dich segnen vor dem E tv ig e y (V. 7) hinzufügt, die Jizchak nicht gesagt hatte (vergleiche V. 3). Jakob, der von der feiner Mutter gewordenen Offenbarung nichts weiß, macht seine Bedenken geltend, die Riwkah mit den Worten zurückweist "lrtop Py. Targum Olckelos übersetzt diese Worte mit rwoja -iD«n« Py „mir ist es durch Prophetie gesagt worden, daß «dich Fluch nicht treffen wird," da du der für die Segnungen Be rechtigte bist. Und nun sind alle Fragen, die wir aufgeworfen, beantwortet. Jizchak kann sich nicht denken, daß Jemand durch Täuschung einen Segen, einen wirklichen, dauernden, erfolgreichen Segen erlangen zu können vermeine, das spricht er aus in den Worten: ftOn D-IÜD *?3D P tOl 1'8 "187, «171 NIE« '2 :'7r “P“p Qi inrQxi „Wer ist denn der, der die betrügerische Absicht haben könnte*), daß er mir bringe und ich essen werde von allem, bevor du kommen wirst, damit ich ihn segne, so daß er auch gesegnet sein werde?" Und Esaw macht keinen Versuch, seinen Vater zu bewegen, den schon ertheilten Segen zurückzunehmen: aus den Worten seines Vaters ergibt sich ihm vielmehr die Gewißheit, daß er selbst den Segen verscherzt und seinem Bruder die Berechtigung dazu gegeben hat. Deßhalb schreit er auf vor Schmerz und bittet, der Vater möge auch ihn segnen. Und Jizchak verwundert sich schier, daß Esaw nicht aui die Zurücknahme des an Jakob ertheilten Segens dringt und fragt nochmals (B. 35): Ist denn dein Bruder mit Hinterlist gekommen und nahm deinen Segen (den Segen, der dir gebührte)? — Jetzt erst gesteht Esaw ein, daß Jakob allerdings der Berechtigte war, indem er spricht (V. 36): „Meine Erstgeburt hat er genommen, und siehe, jetzt hat er genommen meinen Segen." Das heißt: dadurch, daß er früher die Erstgeburt erworben, durfte er jetzt mit Recht auf den Segen Anspruch machen, der früher mir zugekommen wäre. — Und nun erst kann er bitten um einen Segen zweiten Grades, indem er spricht: Hast du mir nicht zurückbehalten einen Segen? Die Richtigkeit des von uns Gesagten ergibt sich auch aus der Verschiedenheit der Einkleidung des Segens für Jakob von dem für seinen Bruder. In dem erstern heißt es D'-Pk *p jmi „und es wird dir geben Gott (d'-Pk gleich pm otd), der gerechte Richter. Auf die Gerechtigkeit Gottes wird Jakob hingewiesen; dem Erstgeborenen, der thätig die Gottesidee zu fördern bestimmt ist, wird der Lohn zu Theil vom gerechten Gott. — Als aber Jizchak erfahren, daß Esaw die Erstgeburt verworfen, da ver- *) T8 18,"I, der mir nachstellt. *

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