Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1096 liebe, darum war ihr Herz gar betrübt; Lea war zwar ein schönes Mädchen und sie hätte sich keine liebere Braut für ihren Benjamin wünschen können: aber wie würde der sehr reiche Reb Meier sein einziges Kind einem armen Hausirer geben! Dazu kam noch, daß Reb Meier in seiner Jugend um sein schönes Geschwisterkind Judith gefreit, die ihn ausgeschlagen hatte; da war Meier zornig geworden und hatte einen unauslöschlichen Haß aus den Gatten ihrer Wahl geworfen; als dieser jedoch früh starb, freite er von Neuem um die junge Wittwe. Diesmal wurde er mit Entrüstung zurückgewiesen: „Haß und Mißgunst bringen den Menschen unter die Erde und Du hast meinen Mann bitter gehaßt und hast ihn gemieden und jetzt glaubst Du, daß ich mit Dir unter die Chuppe gehen werde? Du willst ein Ben Thoro sein und handelst nicht wie ein Am- Hoorez, sondern wie ein Rosche." So hatte damals Judith Meier's Werbung abgewiesen und seitdem hatte dieser auch Judith gehaßt und ihren Sohn; bald darauf hatte er ein reiches Mädchen genommen, und war reich und immer reicher geworden und jetzt war er Parneß. Die Tochter dieses Mannes liebte Benjamin; um Gott, was sollte daraus werden? Judith zermarterte ihr Hirn um einen rettenden Gedanken, es wollte ihr keiner kommen. Doch meinte sie, sie müsse ihrem Sohne helfen, müsse sein Glück begründen. Aber wie? Am Pesachfeste war es, da trat er vor sie hin ernst und entschlossen: „Mutter! Entweder gewinne ich jetzt mein Glück, oder es ist Alles verloren, frage nicht Mutter, jetzt nicht." Und er ging. Sie betete innig zu Gott, daß ihn das Glück auf seinem Wege begleiten möge und daß er alle Beredtsamkeit finde, des reichen Mannes Herz zu rühren. Benjamin kam bald wieder; als Frau Judith in sein todtblasses Antlitz blickte, wußte sie Alles; sie fragte nicht, sie küßte ihn aus die Stirne, wandte sich ab und weinte bitterlich. Als sie am Nachmittage des Festes durch die Straßen ging, begegnete ihr Reb Meier, er gab ihr harte, bittere Worte, voll Hohn und Verachtung, daß ihr Herz erbebte und sie entbrannte in Grimm über den harten Mann, dem es nicht genügte, ihrem Sohn die Tochter zu verweigern, sondern auch die Mutter und den todten Vater kränkte. Es waren trübe Pesachfeiertage für die Beiden, , und als sie vorüber waren, trat Benjamin zu seiner! Mutter:! „Mutter, wir sind beide fleißig, mühen uns sehr und doch haben wir kaum das karge Brot, drum will ich fort , will hinaus und sehen, ob mir das Glück anderswo günstig, daß ich wenigstens Dein Loos, lieb Mütterchen, erleichtere." Judith konnte nicht anders, sie mußte weinen; wußte sie doch nur zu wohl, was ihn forttrieb, mit wehem Herzen! „Weine nicht, Mutter," bat der junge Mann, „mit Gottes Hilfe wird mir draußen endlich eine bessere Zeit kommen und froh und gesund sehen wir uns wieder." Tie Rührung benahm ihm fast die Stimme und er hielt inne. Sie willigte ein, wenn auch mit schwerem Herzen, daß er fortziehe. Die Scheidestunde war da; sie sollten sich loslösen die zwei, die sich so innig liebten, die so fest ineinander verwachsen waren! Still gingen sie nebeneinander, keiües sprach ein überflüssiges Wort; ihnen war das Herz zu schwer. Denn in der Scheidestunde, da wirft die Trennung ihre schwarze Schatten voraus, diese beklemmen das Herz, man fühlt, wie lieb man sich hat und muß scheiden. Man sieht vorahnend die liebelose Fremde, den einsam Zurückweilenden, und Sehnsucht und Wehmuth ergreift das Herz. Wie am Freitag legte Frau Judith die Hände auf ihres Sohnes Haupt und gab ihm den Segen, dann umarmten sie sich, ein Kuß: „Leb' wohl, Mutter!" „Geh' mit Gott, mein Kind!" Fort war er und sie stand allein an der Schwelle. Ruhig und ernst stand sie da; aber ihre Lippen bebten, als sie nach frommer jüdischer Sitte ihm den Segen der Priester nachflüsterte: „Es segne, es behüte Dich und lasse sein Antlitz Dir leuchten der Ewige und gebe Dir Frieden!" Aber als er außer Gesichtsweite war, da wankte sie zurück in's Stübchen und schluchzte laut auf. Jetzt war sie ganz allein und alles Weh stürmte mit Macht auf sie ein, daß er sortgezogen war, fort von ihr in die rauhe Fremde, daß er es mit todeswundem, hoffnungslosem Herzem thun mußte und daß sie ihm nicht helfen konnte. In ihr aber kam der Gedanke nicht zur Ruhe, wie sie ihm doch noch zu seinem Glück verhelfen könne und müsse. (Schluß folgt.) Hierzu drei Beilagen. x: ( □Sit um beziel sich Slbla jahre nicht Preß Frm das ßrklc peles dami ne§ i noch der § geben nach Im .Wei ihm jahre C'Ü2! mm ftreiti Bcrfc ich, t aiv i dassei Jenbc Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition de8 , Israelit" große Bleiche 4*>. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). rnend börui IUUU]