Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
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1094 Meeting vorgelegten Rechenschaftsbericht zufolge erreichten die Sammlungen zu Gunsten der jüdischen Flüchtlinge. aus Rußland die Gesammthöhe von Lstrl. 108,759, von welcher Summe Lstrl. 94,144 verausgabt wurden, so daß ein Saldo von Lstrl. 14,615 verbleibt, welcher dem Executiv-Ausschuffe zur Verfügung gestellt wurde. Die Gesammtzahl der Juden, welche von dem Comitö unterstützt wurden, ist auf 10,310 angegeben. Dem Lordmayor, Aldermann Ellis, wurde eine von dem Oberrabbiner Dr. Adler, Sir Nathaniel de Rothschild und Sir Julian Goldsmid Unterzeichnete Adresse überreicht, welche ihm den Dank der englischen Juden für die ihren russischen Glaubensgenossen geleisteten Dienste ansdrückt. Rußland. Odessa, 13. Oct. Der „P. C" schreibt man von hier: Die Stimmung der Bevölkerung im Süden Rußlands gegen die Juden ist seit der Ansprache, die der Generalgouverneur Drentelen an die Juden in Balta gehalten, allwärts eine überaus erregte und man besorgt neuerdings eine Wiederholung der Excesse gegen dieselben. Im Tyraspoler Kreise im Gouvernement Cherson nahm die Stimmung der Bevölkerung bereits einen höchst bedenklichen Charakter an; auch an vielen anderen Orten hört man von direkter Bedrohung der Juden und ihres Eigenthums, so daß sich der Kreismarschall zu einer Rundreise in seinem Bezirke entschloß, um die aufgeregten Gemüther zu beruhigen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der gegenwärtige Minister des Innern Alles aufbieten wird, um die Wiederholung der Greuel hintanzuhalten, deren Schauplatz Balta und zwanzig andere Punkte Südrußlands gewesen sind, allein auch Graf Tolstoj hat bereits verschiedenartige Maßnahmen getroffen, die keineswegs darauf hindeuten, daß er ein besonderer Freund der Juden ist. Es ist eine Thatsache, daß die Zahl der jüdischen Zöglinge in den militärischen Medicinal-Schulen derart restringirt wurde, daß heute nur etwa fünf Procent von den früheren israelitischen Studirenden daselbst vorhanden sind. Es ist den Militärkommandanten die Weisung zugegangen, dafür Sorge zu tragen, daß in den einzelnen Militärbezirken immer nur ein jüdischer Arzt vorhanden sei. Gleichzeitig wurde die Verfügung getroffen, daß alle anderen jüdischen Aerzte aus dem Gouvernements Odessa, Charkow, Wilna und Kiew so rasch als thunlich in andere Gouvernements übersetzt werden. Amerika. Amerika. Aus New York wird den Daily News gemeldet: Vorigen Samstag ereignete sich ein Exceß unter de» aus Rußland geflüchteten Juden, welche — etwa 600 an der Zahl — seit mehreren Monaten von der Unterstützungs-Gesellschaft für jüdische Auswanderer auf der nahen Insel Ward unterhalten werden. Schon häufig beklagten sie sich über schlechte Behandlung und ungenügende Nahrung und am Samstag versetzte einer von ihnen, Namens Rabotta, mit einem Schöpflöffel dem Aufwärter einen Schlag über den Kopf. Rabotta wurde in Folge dessen angewiesen, die Insel zu verlassen. Die übrigen Flüchtlingen sammelten sich aber um ihn und begannen den Oberaufseher und dessen Gehilfen zu bedrohen. Es wurde um Polizei in die Stadt geschickt; als aber nun drei Wachmänner kamen und Rabotta verhaften wollten, griffen die übrigen Flüchtlinge den Oberaufseher und die Polizei mit Stöcken und Steinen an. Der Oberaufseher wurde niedergeschlagen und schwer verletzt. An seinem Amtsgebäude und Wohnhause wurden alle Fenster mit Steinen zertrümmert. Endlich kam Verstärkung von derPolizei, und der Exceß wurde unterdrückt. Während desselben hatten zwei Polizeimänner schwere Stichwunden im Gesicht erlitten, und mehrere Excedenten waren durch die Stöcke der Polizei verletzt worden. Feuilleton. Lin Wutterherz. Ein Bild aus dem jüdischen Familienleben Von Alfred Sommer. Nicht mit Unrecht vergleicht der Jude poetisch den Bcginnn des Sabbats mit dem Einzug einer Braut. Denn da ruhen die sonst so geschäftigen Hände. Der fromme Geist wendet sich vom Weltlichen ab, erhebt sich in lobpreisenden Gebeten zn Gott und rühmet die liebliche Sabbatbraut. Ruhe und Friede herrschen in Haus und Gemüth. Mit innigem Behagen wird das Mahl verzehrt, man ruht so recht von den Lasten und Mühen der