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Der Israelit · 1882-11-01 · Heft 44 (1.11.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 44 (1.11.1882)
Date
1882-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1093 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a M., 18. Okt. Mit welchen Unwahrheiten die Antisemiten Anhänger zu werben suchen, davon haben die Sachsenhäusen Wähler gestern Abend sich zu überzeugen Gelegenheit. Der Antisemit Herr Steinhäuser gab in der in Sachsenhausen abgehaltenen Wählerversammlung.als Grund, warum Juden keine Lehrer an christlichen Schulen sein dürsten, an, „die Juden duldeten auch keine christlichen Lehrer an jüdischen Schulen". Nun genügt doch ein einfacher Blick ins Adreßbuch, um die Unwahrheit dieser Behauptung zu erkennen. Die Realschule der israelitischen Gemeinde zählt unter 30 Lehrern 7 christliche, und unter 6 Lehrerinnen 4 christliche; die Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft unter 20 Lehrern 8 christliche (von denen einer sogar Vorstand der Frankfurter-Vereinsdruckerei ist, woselbst die klerikale „Volkszeitung" gedruckt wird) und unter 7 Lehrerinnen 5 christliche. Diese beiden konfessionellen Schulen werden aus den Beiträgen der Glaubensgenossen unterhalten. Dem gegenüber sind an den aus allgemeinen Mitteln unterhaltenen städtischen Schulen im Ganzen 3 jüdische Lehrer und 1 Lehrerin (bei 368 Lehrern und 60 Lehrerinnen) angestellt; an den christlichkonfessionellen keine. Breslau. Zu der am Freitag, den 6. Oct., im Prüfungssaale der katholischen höheren Bürgerschule stattgefundenen Schul- und Entlassungs-Feier hatte der Dirigent der hebräischen Unterrichts-Anstalt die Eltern der Schüler und die Mitglieder des Schulvereins durch Karten eingeladen. Den Mittelpunkt der Feier bildete die Entlassung dreier Abiturienten, welche die Anstalt seit zehn Jahren und länger besucht hatten. Nachdem der Schüler-Chor Ps. 113 gesungen hatte, erfolgten von Schülern von verschiedenen Klassen Declamationen von Piecen, welche dem Shnagogenritual des Tages entnommen waren. Darauf hielten zwei der Abiturienten Vorträge aus Maimonides und dem Talmud Succa, während der dritte sich an den Dirigenten und die Lehrer der Anstalt mit Abschiedsworten wendete, in welchen er namens seiner Mitschüler dem tiefempfundenen Danke Ausdruck verlieh. Die Erwiderungsrede des Dirigenten enthielt herzliche Mahnungen auf den Lebensweg beim Scheiden aus der Anstalt. Der Gesang des Liedes: „Herr der Welt" beschloß die würdige Feier. Der Saal war von einem zahlreichen Publikum gefüllt, welches den einzelnen Theilen des Programms mit größter Aufmerksamkeit folgte. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der eben ausgegebene Bericht des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien für das Jahr 1881/82 constatirt, das der Verein der Ziele wegen, die er verfolgt, sich vielfacher Sympathien erstellt, daß er aber den zahlreichen Ansprüchen bei den zu Gebote stehenden Mitteln nicht zu genügen in der Lage sei. Er unterstützte im verflossenen Studienjahre 251 Studirende, und zwar 115 Studirende der Medicin, 67 Hörer der Rechte, 12 Studirende der Philosophie, 49 Techniker, 3 Agronomen, 3 Veteriniäre und 2 Schüler der Akademie der bildenden Künste. Dem Vaterlande nach waren 11 aus Wien, 2 aus Niederösterreich, 87 aus Ungarn, 47 aus Mähren, 40 aus Galizien, 34 aus Böhmen, 11 aus Oesterreichisch- Schlesien, 8 aus der Bukowina, 4 aus Croatien, 3 aus Rumänien, 2 aus Nordamerika und je 1 aus Siebenbürgen und aus Rußland. Die Auslagen betrugen 3039 fl. Pefth. Die in LesLny bei dem Schuhmacher Max Goldberger bedienstete 14jährige Magd Marie Nädasdi wurde in Folge ihrer Unachtsamkeit, durch welche das ihrer Sorge anvertraute Kind Goldberger's erkrankte, vor etwa fünf Wochen aus dem Dienste entlassen. Statt zu seinen, in Csernye wohnhaften Eltern zurückzukehren, zog. es das Mädchen, um.Vorwürfen seitens ihrer Mutter zu entgehen, vor, in den umliegenden Ortschaften sich herumzutreiben. Marie's Mutter erfuhr unterdessen, daß ihre Tochter aus Lepstzny fortging und war sehr besorgt um das Schicksal ihres vermißten Kindes. In der Umgebung verbreitete sich plötzlich mit Blitzesschnelle das Gerücht, die Juden hätten das Mädchen gemordet und die Leiche in einem Düngerhaufen vergraben. Goldbergerwurde von den Bauern bestürmt, das Mädchen wiederzugeben und seine Lage ward täglich eine schwierigere und bedrohtere, bis vor einigen Tagen ein Verwandter Goldberger's das Mädchen in Stuhlweißenburg im Hause einer Höckerin ausfindig machte und es zu seinen Eltern nach Csernye zurückbrachte. Seither hat sich die Aufregung der Bevölkerung wieder gelegt. England. London, 27. Oct. Das Mansion-House-Comitö des Fonds zur Unterstützung der verfolgten Juden in Rußland hielt vorgestern unter dem Vorsitz des Lordmayors seine Schlußsitzung. Einem dem

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