Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1090 harter Arbeit und unmenschlicher Erniedrigung verurtheilten Männer zu verschönen und zu versüßen. Als am Fuße des Berges Sinai das von Gott erwählte Volk seine hohe Aufgabe vergaß und das goldne Kalb umtanzte, da nahmen die Frauen keinen Antheil daran. Als es aber galt, die Stiftshütte zu.bauen und auszuschmücken, da waren die Frauen die ersten, welche sich beeilten, ihren Beitrag zu bringen. Miriam, Deborah, Esther sind Heldinnen, deren Namen unauflöslich mit der Geschichte Israels verknüpft sind. In dem Wochenabschnitte, der am nächsten Sabbat in der Synagoge verlesen wird, findet sich die ausführliche Erzählung der Werbung des Knechtes Elieser um Riwkah für den Sohn seines Herrn, für Jizchak. Nachdem er sich ein Zeichen erbeten hatte und dieses in wunderbarer Weise in Erfüllung gegangen, da heißt es: „Und der Mann nahm einen goldnen Ring, ein Beka sein Gewicht und zwei Armbänder auf ihre Hände, zehn Goldstücke ihr Gewicht." Es muß jedem denkenden Leser auffallen, warum die heilige Schrift uns das Gewicht der Geschenke mittheilt, welche Elieser der Riwkah gegeben. Raschi in seinem Commentare erklärt uns das. Ein Beka war ein halber Schekel (vergleiche 2. B. M. C. 38, V. 26). Der Ring, welcher einen halben Schekel wog, sollte eine Andeutung sein an die Schekalim, welche die Nachkommen Jizchaks und Riwkah's einst geben sollten, und die zwei Armbänder, die zehn Goldstücke wogen, sollten hindeuten auf die zwei Bundestafeln, auf denen die zehn Gebote standen. — Wenn auch die letztere Hindeutung leicht erklärlich ist, da sie das Wesen des israelitischen Volkes berührt, so ist die erstere ganz unverständlich. Warum sollte Riwkah auf die künftig zu gebenden Schekalim hingewiesen werden? Der große Erklärer der heiligen Schrift, Rabbi Moscheh al Scheich wirft die Frage auf, warum wohl jeder Israelit einen halben und nicht einen ganzen Schekel spenden mußte. Er beantwortet diese Frage folgendermaßen: Die Schekalim sollten eine Sühne sein für die Anfertigung des goldenen Kalbes. Bei diesem Götzendienste hatten sich, wie wir schon oben bemerkten, die Frauen nicht betheiligt, bedurften also auch der Sühne nicht. Mann und Frau sollen sich aber gegenseitig ergänzen, zusammen ein Ganzes bilden. Daher repräsentirt der Mann nur eine Hälfte, und daher hat Gott einen halben Schekel zur Sühne bestimmt. Durch diese Erklärung wird es uns deutlich, warum Riwkah auf die Schekalim hingewiesen werden sollte. Die Geschenke, welche Elieser ihr gab, hatten die folgende Bedeutung: Du bist bestimmt, einen Mann zu ergänzen, dessen Nachkommen einst die zwei Bundestafeln, auf denen die zehn Gebote stehen, empfangen sollen. Der Ring im Gewichte eines Beka, eines halben Schekel, bezeichnet die Hälfte, welche der Sühne nicht bedarf, da sie am Götzendienste sich nicht betheiligte. — Und in der That hat Riwkah die Halste der Aufgabe, die ihr und ihrem Gatten gemeinsam geworden, glänzend bewährt. Sie war es, die mit weisem Mutterauge den hohen Werth Jakobs erkannte, dn ranis npa-n. Welch' gewichtige Mahnung liegt in dem bisher Erzählten für Euch, Ihr frommen und edlen Frauen und Töchter in Israel! An Euch ist es, den altbewährten Ruk Eures Geschlechtes zu erhalten. Jede Gattin soll ihrem Manne hilfreich zur Seite stehen, solange er bemüht ist, die hohe Aufgabe Israels in Gottesfurcht und Liebe zu Gott zu erfüllen. Wenn er aber den Götzen der Zeit huldigt, vor dem gol-! denen Kalbe anbetend niederkniet und deßwegen Gotj tes heilige Gebote verletzt, den Sabbat entweihet und die Speisegesetze mißachtet, so soll die Gattin keim Theil daran haben. — Wenn der Vater die Kinde: im Sinne und Geiste des Judenthums zu gesetzestreuen Juden zu erziehen sich bemüht, so soll "ihn die Mutter darin hilfreich ergänzen; wenn aber nicht, so solle sie die schwere Aufgabe der Erziehung allein! übernehmen und sie in die rechten Bahnen zu lenken! suchen. Wir wollen das an einem Beispiele klm! machen. In einem kleinen Orte in Bayern, wo viel:! Juden wohnen, hat man die Gepflogenheit, die Km- > den, sobald sie das zwölfte Lebensjahr erreicht haben. > nach Augsburg oder Ulm in die Realschule oder dm 1 Gymnasium zu schicken. In diesen Städten werden! die Kinder sofort dem gesetzestreuen Judenthume eilt-! fremdet. Man könnte die Kinder auch nach Flick! schicken, wo sie voraussichtlich dem wahrhaften Juden-! thume erhalten blieben. Allein der Aufenthalt in! Fürth ist mit geringen Mehrkosten und andern un-I bedeutenden Schwierigkeiten verbunden. Hier wim! es nun die Aufgabe der Mutter, mit Entschiedet I aufzutreten und zu sprechen: „Ich dulde es nicht, datz l mein Sohn, den ich mit Schmerzen geboren und ml unsäglicher Mühe und Sorgfalt erzogen, der Religion» der Väter entfremdet werde." » Dies nur ein Beispiel. So aber gibt es tausend» Vorkommnisse im Leben, in denen die jüdischen Frauen I und Jungfrauen sich bewähren können als die wör-I digen Nachkommen unsrer frommen Mütter. Tann» wird die alte Gottinnigkeit und Herzensreinheit wie-» der einkehren in die jüdischen Häuser, und Gott Wirt ■ wiederum eingedenk sein Seiner Liebe und Treue m» das Haus Israels. » □’irn ivx 'foip' n’31? n’21? wjidw non Für das Haus Israels — das sind Israels» fromme Frauen und Töchter. I