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Der Israelit · 1882-10-25 · Heft 43 (25.10.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 43 (25.10.1882)
Date
1882-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1069 Kräften beisteuere, um einen Gesinnungsgenossen zu retten, dessen Sturz überdies unserer heilige Tache wesentlich schaden würde. Gesinnungsgenossen! Hier zu helfen ist eine Ehrenflicht! Viele können Einem helfen! Bis äat, qui cito dat! Herr Juwelier Gustav Kölzfch, Berlin C., Schloßplatz 4, ist gerne bereit, Beiträge in Empfang zu nehmen, über welche nach dem Wunsche der geehrten Geber öffentlich quittirt werden wird." Das „Opfer", von welchen in vorstehendem Aufruf die Rede, ist Herr Julius Ruppel, .Herausgeber und Redakteur der „Ostend-Ztg.", der sehr bedeutende Geldstrafen und Gerichtskosten aus seinen zahlreichen Verurteilungen wegen Beleidigung und Verleumdung zu zahlen hat. Die Petition um Amnestirung Ruppel's hat eine Zeitlang cirkulirt, aber bei denjenigen Personen, auf deren Unterschrift gerechnet wurde, keinen Anklang gefunden; auch die Geldquellen, die noch im vorigen Jahre so reichlich flössen, scheinen größtenteils verstecht zu sein. Frankfurt, 18. Okt. Die Centrumspartei hielt heute Abend eine Versammlung behufs Besprechung wegen der Landtagswahl ab. In derselben erbat sich Herr Dr. Steinle das Wort. Ganz ohne Veranlassung sei eine Frage in Frankfurt hineingeworfen worden, die Judenfrage. Herr Stern habe in seiner ersten Wahlrede erklärt, Alles was gegen ihn und die Partei agitire, sei Antisemitismus. Das habe er in seiner zweiten Rede wiederum gethan. Auf seine eigene Familie und Person habe Herr Stern als Exempel der Verfolgung hingewiesen. Hier in Frankfurt habe man von einer Judenverfolgung noch nichts bemerkt, und Frankfurt sei auch nach Redners Ansicht der allerungünstigste Boden für eine solche Verfolgung. Er würde die Sache auch nicht zur Sprache gebracht haben; denn wenn Jemand tolerant sei, so seien es die Katholiken. Aber das Frankfurter Journal habe heute Abend einen Artikel gebracht, in dem es das Aufblühen des Antisemitismus den Ultramontanen in die Schuhe schiebe. Gegen eine solche unerhörte Insinuation müßten sie sich wahren. Er erinnere an den schönen Ausgang der Katholikenversammlung, wo Domdechant Heinrich im Palmengarten sagte: Hier m Frankfurt kennt man Barmherzigkeit ohne Unterschied der Konfession. Das wisse Redner aus eigenster Erfahrung. Er gehöre zum Comitä, das die Schwestern der Liebe hierhergerusen und darin seien die Hauptthätigsten die jüdischen Frauen, nicht aus Interesse, weil die Schwestern auch Juden bslegen, nein, er wisse die Erkenntniß zu schätzen, die unsere jüdischen Mitbürger für die wahre Charitas haben. Andererseits existire eine Judenfrage, und mit Phrasen brächte man sie nicht aus der Welt, sondern nur mit Handeln und die Christen nur mit christlichem Handeln. Dazu gehöre absolut keine Henrici - Ruppelsche Hetzerei. Das sei Intoleranz, und gegen diese Intoleranz erklärten sich die Katholiken an allererster Stelle. Der Artikel impntirte sogar Herrn Sonnemann, daß unter seiner Protektion die „Volkszeitung" entstanden sei. Das scheine doch, gelinde gesagt, Wahlmanöver zu sein. Redner möchte die Anwesenden nur auffordern, feierlichst zu erklären, daß auf dem Boden der katholischen Bevölkerung Frankfurts, und wenn sie selbst die „Fft. Volkszeitung" und das „Fft. Volksblatt" von hinten nach vorn und von vorn nach hinten läsen, ein Boden für antisemitische Demonstrationen und Bewegungen nicht zu finden ist. (Lebhafter Applaus.) Frankfurt a. M., 18. Oct. Auchhierin Frankfurt ist jene Bewegung, die von bekannter Stelle aus als eine „Schmach für Deutschland" bezeichnet wurde, aus dein Dunkel der Konventikel und der Niederträchtigkeit der Anonymität heraus an das Licht der Oeffentlichkeit getreten. Unsere Stadt hat jetzt einen Antisemiten-Verein, und einer der Importeure dieses „Berliner Artikels" machte gestern Abend in der fortschrittlich-demokratischen Wählerversammlung zu Sachsenhausen den Versuch, seine Waare, die bekannten Dresdener Forderungen, die nach Herrn v. Rauchhaupt's Wahlrede nunmehr ja einen Theil des konservativen Programms bilden, an den Mann zu bringen. Wenn der Herr den Bescheid, den ihm die zahlreiche, fast nur aus Bürgern christlicher Konfession bestehende Versammlung recht deutlich ertheilt hat, zu verstehen im Stande war, so wird er wohl zu der Erkenntniß gekommen sein, daß für ihn und seine Anhänger bei uns keine Lorberen gedeihen werden. Ans Mitteldeutschland. Vor einigen Jahren wurde in diesen Blättern auf den argen Mißstand aufmerksam gemacht, daß jüdische Geschäfts- und Vergnügunsreisende, denen gesetzestreues Leben noch als heilige Pflicht gilt, sich an vielen, oft von zahlreichen Israeliten bewohnten Orten, schweren Entbehrungen aussetzen müssen, weil es an diesen Orten an jüdischen Restaurationen entweder gänzlich mangelt, oder doch an solchen, welche den Ansprüchen an Kaschrus und guter Küche entsprechen. In Folge der in diesen weitverbreiteten Blättern gegebenen Anregung haben sich auch wirklich in den verschiedensten Orten anständige und religiöse Familien zur Verabreichung von Koscherkost gegen entsprechende Vergütung erboten. * Außerdem sind an vielen Orten theils neue Koscherrestaurationen entstanden, die. selbst verfeinerten kulinarischen Ansprüchen zu genügen sich bestreben, theils haben ältere, längst bestehende sich modern umgestaltet und

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