Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1882)
- Date
- 1882-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1068 Kunden, so daß der Verblichene, während seine fromme Gattin das kleine Geschäft besorgte, hauptsächlich der Thora leben konnte und lebte. Von dem Wunsche, der Thora recht viele eifrige Jünger zu erwerben, beseelt, ertheilte er schon in Autenhausen mehreren Jünglingen dieses Ortes — darunter auch der Schreiber dieser Zeilen — und aus andern Orten herbeigekommenen Knaben gründlichen Talmudunterricht. ' Unter diesen auswärtigen Schülern befand sich auch der nunmehrige Distriktsrabbiner R. Abraham Hirsch in Burgpreppach und der Verblichene erwähnte es bis in sein hohes Alter oft und mit größter Freude, wie sehr es ihm zur Befriedigung gereiche, daß die beiden zur Förderung des Thorastudiums in Bayern gegründeten Anstalten von seinen Schülern geleitet werden. Daß der Entschlafene bei solchem Eifer für die Thora auch seine eigenen Kinder darin unterrichtete, versteht sich von selbst, und wird durch den Umstand erwiesen, daß sein ältester Sohn, nachdem derselbe mehrere Jahre an der Talmud-Thoraschule zu Hamburg gewirkt, nunmehr ein Rabbinat in Elsaß würdig bekleidet. Bestrebt, immer mehr und mehr mm pmo zu sein, siedelte er von dem kleinen Dorfe Autenhausen nach dem Städtchen Haßfurt über, wo eine größere Anzahl von Schülern Unterhalt fand und trat später mit Rabb. Lazarus Ottensoser zur Errichtung der hiesigen Talmudschule in Verbindung, bis er einem Rufe als p-iL mio nach Gerolzhofen folgte. Wie aber der Wassertropfen nicht eher ruht, als bis er das größte Wasserbecken, seinen eigentlichen Bestimmungsort, erreicht hat, so fand der Dahingeschiedene erst dann die volle Befriedigung seiner Wünsche, als er da weilen konnte, wo er die meisten Förderer seiner Zwecke, das meiste Verständniß, das größte Wohlwollen und Entgegenkommen für sein ideales Streben fand. Ohne irgend etwas Anderes im Auge zu haben, als ungestört d»c» olco zu „lernen," begab er sich, nachdem er in Gerolzhofen von harten Familienereignissen betroffen worden war, nach Frankfurt am Main und siehe, die Wirklichkeit blieb gegen seine Erwartungen nicht zurück, sie übertraf dieselben noch. Wie er in Frankfurt, als er in seinen Jugendjahren dort weilte, ob seiner Gewissenhaftigkeit, seines aufrichtigen Charakters, seines Wandels nach Thorageist und Thorawort von Jedermann geliebt und geehrt wurde, so genoß er daselbst in seinem Alter die größte Hochachtung und Werthschätzung aller Derer, die ihn von früher kannten, oder später mit ihm bekannt wurden. Diese Hochachtung und Verehrung kam auch in vollstem Maße durch das imposante Grabgeleite zum Ausdruck, das seinem Sarge folgte. Da an seinem Grabe keine Reden gehalten werden durften, so möge dieser kurze Nachruf als Tribut der Verehrung gelten, die wir einem solchen Manne schulden, und möchte ich, bevor ich dieses Lebensbild abschließe, nur noch anfügen, daß sein Eifer, die Gebote der Thora zu erfüllen, seiner Unermüdlichst im Lernen nicht nachstand. Dies veranlaßte ihn, sich als auszubilden. Er erreichte darin große Fertigkeit, hat Hunderte in den Abrahamsbund ausgenommen, und war seine Begeisterung, die er bei der jedesmaligen Vollziehung dieses heiligen Actes an den Tag legte, nicht genug zu bewundern. Als am Abende seines Lebens seine Gesundheit durch mehrjähriges Leiden gestört wurde, war sein einziger Wunsch nur der, daß er durch dasselbe am Lernen nicht gehindert werde. So schrieb er noch am jüngsten «wn mp eine treffliche Abhandlung über den Gegenstand Mackos Fol. 4; worüber in :"p iw ron eine mwn sich vorfindet. Der Verklärte hinterläßt eine trauernde Wittwe und sowohl versorgte als unmündige Kinder »"',1. Möge der Allgütige ihnen den so nöthigen Trost über den herben Verlust ihres edlen Gatten und Vaters senden; möge dessen Geist unter uns fortwirken, seine Begeisterung uns entflammen, sein Eifer uns ermuntern, sein ms: uns beistehen und seine Nachahmer viele erwachen in Israel. Möge aber auch der Allbarmherzige des Risses achten, der durch den Hintritt dieses Frommen in Israel entstanden und des kleinen Nestes wahrhaft für Thora begeisterter Männer in unserer Mitte schonen, Jacob Ehrenreich, Rabbiner. Berlin, 18. Oct. Den großen Wahlversammlungen in den vier Wahlbezirken Berlins folgten in den letzten Tagen zahlreiche Versammlungen der Liberalen in den einzelnen Urwahlbezirken zur Feststellung der Wahlmänner. Es ging überall recht ruhig zu und die meist vorher von Vertrauens- und Obmännern designirten Wahlmanns-Kandidaten wurden mit dem Aufträge, sür die bisherigen Abgeordneten zu stimmen, bestätigt. In den einzelnen Staadttbeilen — u. A. in Friedrichs-Werder - haben die designirten Wahlmänner jüdischer Konfession auf diesen Ehrenposten nach vorheriger Uebereinkunft verzichtet; man wollte der liberalen Sache auch nicht eine einzige Stimme abwendig machen. — Die Redaktion des hier erscheinenden antisemitischen „Witzblattes" veröffentlicht folgenden Aufruf: „Für ein der Opfer unserer nationalen Bewegung werden dringend 2000 Mk. gebraucht. Da ohne die Beschaffung dieser Summe die Existenz eines unserer bravsten Kämpfer und seiner Familie auf dem Spiele steht, so richten wir hiermit an alle Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, daß Jeder sofort nach