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Der Israelit · 1882-10-25 · Heft 43 (25.10.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 43 (25.10.1882)
Date
1882-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1067 wird, zumal schon jetzt die Abnahme offensichtlich ist. Nach den letzten aus Brody uns zugegangenen Mittheilungen sind dort noch 1300 Flüchtlinge und es wird mit deren Repatriirung fortgefahren. Ueber einige hundert derselben wird jedoch eine andere Verfügung nothwendig sein, welche nach den Wiener Beschlüssen dem Wiener Comittz obliegt. Fassen wir zusammen, so ergibt sich, daß das Hilfswerk für die russischen Flüchtlinge sich seinem Ende naht und daß in mäßiger Frist mit der Beendigung der gestellten Aufgabe die Auflösung des Unterzeichneten Comittzs wird erfolgen können. Die Einnahmen betrugen 624,274 Mark. Die Ausgaben 480,983 Mark. Berlin, 1. October 1882. Aeilung-nachrichlen und Correspondenzen. Deutschland. Höchberg (bei Würzburg), im Marcheschwou. Am Rüfttage des jüngsten Hüttenfestes gelangte in Frankfurt a. M. ein Mann, den man, weil seinesgleichen heutzutage zu den seltenen Erscheinungen gehören, wohl als Unicum unsrer Zeit betrachten darf, an das Ende seiner irdischen Laufbahn; ein Mann, der sein ganzes Leben ausschließlich dem Studium der heiligen Thora gewidmet hat, wurde in das bessere Jenseits abgerufen und dadurch die Festesfreude nicht nur seiner Angehörigen, sondern auch Aller, die ihn kannten und von seinem Hingange hörten, getrübt. Das Gefühl der Dankbarkeit, die ich als Schüler desselben dem theuern Entschlafenen schulde, das Bewußtsein der Pflicht, den Hintritt eines solch' ausgezeichneten Mannes zu betrauern und zu beklagen, ermuthigen mich, den Lesern dieses geschätzten Blattes in engem Rahmen ein Bild des hehren Lebenswandels dieses meines unvergeßlichen Lehrers durch nachfolgende Zeilen zu liefern, um denselben Gelegenheit m bieten, an dem Schmerze der Leidtragenden theilzunehmen, der Pflicht, den Tod eines Gerechten zu beklagen, auch ihrerseits zu genügen und endlich sie zur Nachahmung zu erwecken, was ja immerhin, trotz der entgegengesetzten Zeitströmung, nicht ausgeschlossen fein und überhaupt den Zweck eines jeden Nachrufes bilden dürfte. Rabbi Israel Schüler dessen Auge sich in der altehrwürdigen Kehilla Frankfurt schloß, erblickte vor ungefähr 70 Jahren das Licht der Welt m Autenhausen, einem kleinen oberfränkischen Dorfe, wo sich noch große Liebe zur Thora vorsand. Seine frommen, einfachen Eltern widmeten dieses ihr einziges Kind ausschließlich km Thoraftudium und brachten ihn zu diesem Behufe zu dem scharfsinnigen Thoragelehrten Rabbi Samuel Weisbart v"i in dem 4 Stunden entfernten Schweinshaupten in Unterricht. Hier und später bei Rabbi Abraham Heßlein y'r in Haßsurt wurde der Entschlafene zum Besuche der Hochschule in Fürth vorbereitet, wohin er auch in früher Jugend pilgerte. Leider war es ihm nicht gegönnt, solange als er wünschte, daselbst zu den Füßen des großen Gaon Rabbi Wolf Hamburger >"t zu sitzen; oenn damals nahm der Culturkampf in der Judenheit seinen Anfang. Diejenigen Thorajünger, welche „zwecklos lernten!!", wurden verfolgt und die Jeschiba zu Fürth, ein Opfer dieses Kampfes, wurde auf Betreiben der Neologen polizeilich geschlossen. Schüler war unter dem kleinen Reste der treulich ausharrenden Talmidim, die beim Anpochen des visitirenden Polizisten unter den Bänken des Lehrhauses gegen — ungerechte Strafe Schutz suchen mußten. Betrübten Herzens mußte er sich, wie seine Genossen, von dem liebevollen und geliebten Lehrer verabschieden, ohne zu wissen, wo und wie er jetzt Gelegenheit finden werde, dem vorgesteckten Ziele weiter nachzustreben. Die Begeisterung für das Thorastudium, welche in Schüler glühte und von seinem begeisternden Lehrer noch mehr angefacht worden war, ließ jedoch ihn und seine Genossen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, die durch den Fanatismus der Reform herbeigeführte Fluth der polizeilichen Verfolgung vermochte die Liebe zur Thora nicht zu verlöschen. Unser Held — denn Heldenmuth bewährte er zu jener Zeit — lenkte zuerst seine Schritte nach W. Mittellos, wie er war, mußte er hier 6 Wochen bei ununterbrochener Entbehrung warmer Kost zubringen, was natürlich auch bei der stärksten Körperconstitution nicht allzulange erträglich ist. Endlich ging ihm ein Glückstern auf in Frankfurt a. M. Hier wurde sein Streben und seine Hingabe für das Thorastudium von angesehenen Persönlichkeiten gewürdigt und ihm die Möglichkeit verschafft, ohne Nahrungssorgen die Vorträge des großen Privatgelehrten R- Jacob Posen y'i zu besuchen und dadurch die ausgezeichnetsten und gründlichsten Kenntnisse auf talmudischem Gebiete sich anzueignen. Nebenbei suchte er aber mib kaufmännischem Wissen sich auszurüsten, um bei der Rückkehr in die Heimath seinen Nahrungsstank Thora mit Derech erez verbindend, zu begründen. Die unbegränzte Liebe zum Thorastudium und zum Unterrichte in derselben überwog aber seinen Geschäftseifer bald derart, daß es ihm desto lieber war, je weniger Kunden ihn im Lehren und Lernen störten, und da der Allgütige den Willen seiner Frommen geschehen läßt, so kamen auch wenige

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