Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1882)
- Date
- 1882-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1050 Baron Moritz Hirsch in Paris, in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Evacuirung der Stadt von den russischen Flüchtlingen, das Ehrenbürgerrecht verliehen. Prag. In Elbe-Kosieletz, wo schon im Mai dieses Jahres Ausschreitungen gegen die dortigen Juden stattfanden, kam es vorgestern, als am Vorabende des Versöhnungstages, abermals zu Judcnhetzen. Eine Rotte verwahrloster Individuen sammelte sich vor der Synagoge an und bewarf die Fenster derselben mit Steinen. Dank der rechtzeitigen Intervention des dortigen Bürgermeisters erschien ein Dragoner-Piguet auf dem Schauplatz und zerstreute die Tumultanten. Mehrere Excedentcn wurden verhaftet. Budapest, 6. Oct. Die antisemitische Stimmung hat eher zugenommen als nachgelassen. In Preßburg fand thatsächlich eine Art Conflict zwischen Comitatsbchörde und dem Minister statt, der suspendirte Erlaß zur Verhängung des Standrechts war eigentlich schon publicirt und ist wegen des Widerstandes der genannten Behörde wieder lahmgclegt worden. Der Negierungscommissär Jekclfalnssi entfernte sich weniger, weil die Ruhe hergestellt, als damit die Angelegenheit vom Comitat ausgetragen werde. Obcrgespan Graf Eszterhazy ist jetzt Commifsär für Comitat und Stadt Preßburg. Er erklärte, es sei directer und speeieller Befehl des Königs, daß die Ruhe und Sicherheit aller Bürger ohne Unterschied der Religion gewährleistet und gewahrt werde. Der Viecgespan Schott sucht die Aengstlichen zu beruhigen, indem er mittheilt, daß in 3 Städten und 14 Gerneinden des Comitates Ausschreitungen vorgekounuen, die Militärgewalt in 3 Städten und 3 Gemeinden cinschritt, in den übrigen durch die Behörde und die Einwohner die Ruhe hergestellt worden sei. Schott gilt als Antisemit. Feuilleton. Löö Wunitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Ich habe alles das gehört," sprach Rabbi Jakow, „und ich und Alle haben Euch Bewunderung gezollt. Was die Schrift an Daniels in dieser Hinsicht rühmt, das habt Ihr noch bei Weitem übertroffen!" „Mir war's ein Trost, es richtete mich ans in meinem schweren Leide," fuhr Mnnitz fort. „So lange ich durch des allmächtigen Gottes Hilfe feine Gebote halten konnte, fühlte ich mich stark, kräftig, spottete ich aller meiner Leiden! — aber da . . .?' Er brach plötzlich ab. „Da," wiederholten unwillkürlich Oppenheim, Eohen und Tanßig wie aus einem Munde. „Da kam ein neuer, strenger, menschenhassender Gefängnißdirector. Er hatte eine eigenthümliche Vergangenheit gehabt. Er war der Günstling eines kleinen Fürsten in der Nachbarschaft gewesen, war durch Neider und Feinde gestürzt, zu langer, schwerer Kerkerhaft verurtheilt worden. Später war seine Unschuld au den Tag gekommen; fein Gönner nahm ihn wieder in Gnaden auf und hätte ihn wieder in seine alte Stelle eingesetzt, wenn dies möglich gewesen wäre; aber der ehrgeizige Mann wollte nicht in demLündchen bleiben, in welchem er so entsetzliche Erniedrigung erfahren, seine Amtskollegen konnten mehr mit einem Manne dienen, der in Znchthauskleidung auf offener Straße die niedrigsten Arbeiten verrichtet hatte, und sein Souvcrain wußte, wenn er eine Pension ersparen wollte, in keiner andern Art für ihn zu sorgen, als daß er ihn seinem Nachbar, dem Markgrafen Wilhelm Friedrich, empfahl. Kochlöw, so hieß der Mann, behauptete, auch im Gesängnißwesen gründliche.Kenntnisse zu besitzen, der Gefängnißdirector zu Ansbach war gerade nach kurzer Krankheit gestorben und der Markgraf verlieh Kochlöw seine Stelle. Der neue Gesängnißdirector war von Natur aus ein böser, grausamer Mensch und war in seiner Kerkerhaft unter entehrender, schmählicher Behandlung nocks verbitterter, ein Menschenfeind, ein Mcnschenhasser, geworden. In seiner neuen Stellung war es seine höchste Lust, die Unglücklichen, die unter ihm standen, alle die Qualen durchkosten zu lassen, die seine grausamen Feinde ihn selbst hatten empfinden lassen. Er war unbarmherzig und war — wahrscheinlich nicht ans Pflichttreue, sondern ans Furcht, sich in fremden Diensten eine Blöße zu geben — jeder Bestechung unzugänglich. An einem Mittwoch hatte er sein trauriges Amt angctreten, alle Sträflinge gemustert, durch sein finsteres Aussehen und mehr noch durch sein furchtbar strenges Auftreten Angst und Entsetzen verbreite:, und Donnerstag war mein treuer Feisch Jchcnhansen bei ihm gewesen. Er hatte ihm ein großes Gescheut 1) Daniel Cap. I, Verse 8—17.