Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1882)
- Date
- 1882-10-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1045 I Treffend wurde Schoenerer, nachdem er mit Mn-vendung von Gewalt gedroht, durch den wackeren Mbmann des deutschen Schulvereins Dr. Weitlof Mgefertigt. Derselbe fagte unter Anderem: » „Es muß den Unwrllen erregen, wenn in einer »Zeit, wo an den Grenzen Niederösterreichs der Hin- Meis auf die Verschiedenheit der Konfessionen oder Mm mich der Ausdrucksweise der Petenten zu be- Menen, die Verschiedenheit der Race zu empörenden »Gewalthaten führte, wenn in einem solchen Zeitpunfte dem Landtage zugemuthet wird, einer Petition Mzustimmen, welche rn ihrer allgemeinen Fassung, »ganz abgesehen von der Illustration, die sie durch »die Ausführungen des Vorredners erhalten hat, diese Igewaltthätige Bewegung in die einheimische Bevölkerung tragen soll. Und dieser Unwille soll sofort Mm Ausdruck gelangen. Es soll im Landtage ausgesprochen werden, daß bei uns kein Boden für Aufhetzungen zwischen den Bevölkerungsschichten vorhanden list und daß der Landtag gegen solche Versuche energisch auftreten wird. Diese Bestrebungen bedürfen gur Abwehr keiner langen Ueberlegung, und es ist Imneswegs eine Rücksichtslosigkeit, wie hier gesagt iwurde, wenn Männer, die in diesen Dingen einer «Meinung sind, sofort darangehen, über eine solche «Petition ihr Verdikt auszusprechen. Diese Bestreblungen verdienen bezeichnet zu werden als Störung!des Hausfriedens und für diese hatten die germani- I scheu Völker sich eine rasche Ahndung zu finden gewußt. — Je drängender die Bewegung an uns herantritt, desto energischer muß die Ablehnung sein. Die Gleichberechtigung der Staatsbürger, die Freiheit der Presse, die Unantastbarkeit des Vereins¬ und Versammlungsrechtes, die Heiligkeit der Richtersprüche sind die Säulen unseres modernen Staatslebens, an denen nicht gerüttelt werden darf; hier! nun wird ein Angriff auf die Gleichberechtigung der Staatsbürger gerichtet und über diesen Versuch muß das parlamentarische Standrecht des Ueberganges zur Tagesordnung zur Anwendung gelangen." Das Haus leistete dieser Aufforderung ohne weitere Debatte Folge. Selbst die Klerikalen erklärten sich ausnahmslos für die sofortige Abfertigung durch Uebergang zur Tagesordnung. Wien, 10. Oct. In der gestrigen Sitzung des Preßburger städtischen Verwaltungsausschusses berichtete Bürgermeister Gottl über die Judencrawalle. Er beschwerte sich über das Militär, das keine genügende Hülfe geleistet habe, wodurch die Plünderungen möglich geworden seien. An den Excessen hätte die Bürgerschaft nicht theilgenommen. Die Unruhen hätten zumeist betrunkenes Volk, nicht nach Preßburg zuständige Landstreicher, Kinder und junge Leute, wahrscheinlich in Folge geheimer Agitationen, verursacht. Der Bericht wurde nach langer erregter Debatte, in welcher der Oberaespan Eilen die Einleitung einer Disciplinar-Untersuchung gegen die städtischen Beamten zur Sprache brachte, vorläufig zur Kenntniß genommen. Lemberg, 4. Oct. Der Antrag Merunowicz wegen Revision der die galizische Judenschaft betreffenden Gesetze soll nun dennoch in der Plenarsitzung, und zwar schon kommenden Samstag zur Verhandlung gelangen. Der diesbezügliche Bericht des Abg. Wohlfahrt wird heute, nachdem er von der Verwaltungs-Commission bereits genehmigt wurde, in Druck gelegt. Der Referent hat den ursprünglichen Antrag Merunowicz allen tendenziösen Beiwerks entkleidet und die angeregte Judenfrage theilweise auf rein sachliches Feld zurückgeleitet. Der Bericht hebt hervor, daß der Landlag schon im Jahre 1868 auf die Nothwendigkeit der Regelung der die jüdische Bevölkerung Galiziens betreffenden Rechtsverhältnisse hingewiesen und den Landesausschuß zur Einleitung der entsprechenden Action beauftragt habe. Allein die Bemühungen des Landesausschusses seien an der Weigerung des Bürger-Ministeriums, auf ein derartiges Ansinnen einzugehen, gescheitert. Im Jahre 1876 erneuerte der Landtag seine früheren Resolutionen, was endlich die Einführung gewisser Neuerungen im jüdischen Matrikelwesen zur Folge hatte. Es werde von gewisser Seite zwar noch immer über angebliche Mißbräuche, die bei Führung der jüdischen Matrikenbücher Vorkommen sollen, geklagt; allein die Statthalterei hat auf Grund der durchgeführten Revision die Grundlosigkeit dieser Beschwerden dargethan. Im Berichte wird sodann an den einzelnen Desiderien des Antragstellers Merunowicz eine ziemliche objektive Kritik geübt und insbesondere die Forderung wegen wissenschaftlicher Ergründung des Talmuds als vollständig überflüssig bezeichnet. Die Commission schlägt schließlich die Resolution vor: Es sei die Regierung zu einer derartigen Reorganisation der jüdischen Cultusgemeinden in Galizien aufzufordern, daß aus dem Wirkungskreise dieser Gemeinden alle Agenden civilrechtlicher Natur, zu deren Erledigung Administrativ-Behörden viel geeigneter wären, ausgeschieden werden sollen. Lemberg. Am gleichen Tage, an welchem der ungarische Ministerpräsident Tisza im Reichstage die Stellung der Regierung zur Judenhetze darlegte, hatte auch der galizische Landtag es mit dem Antisemitismus zu thun. Der antisemitisch angehauchte Abg. Merunowicz batte einen die Neuregelung der confessionellen Verhältnisse der galizischen Israeliten fordernden Antrag cingebracht, der die „Gleichberechtigung" der Nichtjuden mit den Juden verlangte