Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1882)
- Date
- 1882-10-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1044 mittheilt, sofort nach Ausgang des Versöhnungstages eine Anzahl Mitglieder der Synagogengemeinde mit dem Bemerken', daß sie dem Seminar bis jetzt fern gestanden hätten, daß sie aber nach den maßlosen Ausfällen des Herrn Dr. Frank sich verpflichtet fühlen, der Anstalt einen jährlichen Beitrag zuzuwenden. Für diejenigen, welche wissen, daß das Kölner Lehrer-Seminar auf dem Boden des überlieferten Judenthums steht und in diesem Sinne feine Zöginge ausbildet, daß Herr Dr. Frank dagegen aus dem Breslauer Rabbiner-Seminar d. h. einer Anstalt hervorgegangen ist, deren erster Lehrer die Göttlichkeit der Thora leugnet, bedürfen diese Vorkommnisse keiner weiteren Erklärung. Das Seminar-Verein-Curatorium sollte Herrn Dr. Frank für feine freundliche Unterstützung eine Dankadresse votiren. Köln. An Stelle des hiesigen gemietheten isr. Lehrer-Seminars, welches sich eines fortdauernden Aufschwungs erfreut und von den. isr. Glaubensgenossen aufs Wärmste unterstützt wird, soll nunmehr bald, vermöge der ihm gemachten Zuwendungen ein eigenes Seminargebäude mit Wohnung für Director und Lehrer treten. Zu dem Ende ist, wie die „Köln. Zeitung" berichtet, ein großes Terrain an der St. Apernstraße in der Mitte der Stadt erworben: schon vor einigen Tagen hat man mit der Fundamentirung des Neubaues begonnen. Die Erwerbung des Grundstückes hat fast die ganzen Fonds des Seminar-Vereins absorbirt und fehlen zur Vollendung des Baues oder innern Einrichtung noch ca. 50-60,000 Mark. An alle Gönner und Freunde dieser hochheiligen, guten Sache ergeht daher die dringende Bitte um größere Extra-Zuwendungen für diesen Zweck. Wreschen, 11. Oct. Am 3. d. M. erregte das plötzliche Ableben des im besten Mannesaller noch stehenden Kaufmannes Moritz Brummer Hierselbst die lebhafteste Theilnahme. Ein Schlaganfall machte seinem Lebeu ein jähes Ende. Der Jammer der so plötzlich ihres Ernährers beraubten Familie ist herzzereißend. Bei der Beerdigung bekundete die allgemeine Theilnahme in der schönsten Weise, in welcher Achtung der Verblichene stand. Die Gemeindemitglieder, denen es nur irgend inöglich war, eilten herbei, um für den zum Grabe Getragenen durch das letzte Ehrengeleit ihre Pietät zu beweisen, denen sich viele christliche Mitglieder jeden Standes anschlossen. — Wie alljährlich wurde auch heute der Todestag des vor 10 Jahren hier verstorbenen Rentiers David Tuch, welcher ein Legat von 3900 Mark vermacht, dessen Zinsen, 195 Mark jährlich, dem Willen des Testators gemäß zu von demselben bestimmten Zwecken verwendet werden sollen, in würdiger Weise begangen. Herr Julius Joseph, Curator des Legats, vertheilte im Gemeinde-Sessionslokale an 3 arme Knaben und 3 Mädchen Kleider und Röcke, Stiefeln, Schuhe und andere nöthige Wintersachen, wobei Herr Gemeindevorsteher Abraham Jaffe eine kleine Ansprache an die Beschenkten hielt. Einen freudigen Eindruck machte es, anzusehen, wie die hochbeglückten Kleinen vor Freude jauchzend Worte des Dankes dem Wohlthäter widmeten und sich dann mit den Sachen auf den Weg nach Hause begaben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 3. Oct. Bei den Gemeindewahlen in Pohrlitz (Mähren) errangen die Czechen und Klerikalen einen principiell wichtigen Sieg. Die deutsche Partei drang nur im ersten Wahlkörper durch. Ausschlaggebend war, daß von den 40 jüdischen Wählern nur 4 sich an der Wahl betheiligten. Die Juden enthielten sich der Wahl, weil der Hauptagitator der Czechen erklärt hatte, daß für den Fall, daß die Juden wählen sollten, es ein Blutvergießen geben würde, wie in Preßburg. Wien, 8. Okt. Ueber das schmähliche Fiasko der Antisemiten im niederösterreichischen Landtag hat bereits der Telegraph kurz berichtet. Ritter v. Schönerer hätte sich übrigens sein Fiasko ersparen können; er kannte die Stimmung im Landtage hinlänglich. Hatte er doch zur Unterstützung seines Antrags, die Regierung sei aufzufordern, die Regelung der Judenfrage in die Hand zu nehmen, nur eine Stimme, die des „Bauerndemokraten" Fürnkranz, erhalten können, der denn auch gestern der Einzige war, welcher für die Ueberweisung der schleunigst vom Antisemiten-Verein hergestellten Petition an einen Ausschuß stimmte. Das sonderbare Elaborat lautete: „Jene tiefgehende soziale wirthschastliche Bewegung, welche unter dem Namen der Judenfrage schon feit geraumer Zeit in zwei Nachbarstaaten und in der östlichen Reichshälfte die vitalsten Jnterressen der christlichen Bevölkerung berührt und die öffentliche Aufmerksamkeit beschäftigt, gewinnt auch in dem Gebiete der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder von Tag zu Tag Bedeutung. Die Unterzeichneten Bewohner Wiens und der Vororte sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Regelung der Judenfrage ein unabweisliches Gebot der Nothwendigkeit sei. Sie stellen daher an den hohen Landtag die Bitte, derselbe wolle die Staatsregierung auffordern, zur Regelung der Judenfrage in Oesterreich unverzüglich die geeigneten Maßnahmen zu treffen."