Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1882)
- Date
- 1882-10-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 43 Es ist namentlich Fröbel, der sich um diese Einrichmng hohe Verdienste erworben und dessen System die allgemeinste Anerkennung und Verbreitung gesunden. Der Kindergarten bildet die systematische Vorbereitung zur Schule und er steht zwischen dieser und der sogenannten Kinderbewahrungs-Anstalt. Seine Aufgabe ist eine negative und positive; in ersterer Beziehung erfüllt er den Zweck der Kleinkinderbewahr- Anstalt, da die Kleinen hier sorgsam bewacht, vor Unfällen sowohl als vor verderblichen Einflüssen beschützt und bewahrt werden. In positiver Beziehung — und das ist seine ideale Seite — sind die VortiKtlc unberechenbar; die Organe werden gekräftigt, die Sinne geübt, der Geist geweckt und dies Alles auf eine dem Kindesalter entsprechende Weise. Das Lviel, das dem Kinde natureigen, wird hier in den Tienst der Erziehung gezogen und nutzbar gemacht; cö wird nach System betrieben, und indem es den Kindern den Erfolg ihrer Arbeit zeigt, bringt es Freude, Eifer und wohlthuenden Wechsel. Die Kinder werden spielend an eine regelmäßige, zweckmäßige Beschäftigung gewöhnt und ihr Arbeitstrieb auf diese Weise geweckt; in den meisten Fullen zeigt eine kurze Zeit schon diesen Erfolg, welchen Werth haben ferner die kleinen Sprüchlein für Gedächtniß, Sprachorgan und Vortrag, die Liedchen für Gehör und Gesang, die Besprechung der Gegenstände aus der Anschauung für richtige Aufj sassnug derselben und Bestimmtheit des Ausdruckes; >d:e turnerischen Uebungen stärken die Glieder und > Muskeln, bringen Gewandtheit und Fertigkeit. Auch für die religiöse Erziehung und Einwirkung, womit ju nicht früh genug begonnen werden kann, ist hier ein fruchtbares Feld gegeben. Der Kindergärtnerin iit vielfach Gelegenheit geboten, das religiöse Gefühl der Kleinen zu wecken und zu pflegen; durch Einübung kleiner Gebetstücke, durch Anhalten zum Ausstichen der vorgeschriebenen Segenssprüche hd-o bei Genüssen, werden sie praktisch angeleitet, beim Grzählen biblischer Geschichten, wie sie für dieses Aller passen, kann auf Gottes Dasein und Eigenschaften aufmerksam gemacht werden. Es muß demnach einleuchten, daß der Kindergarten ein wichtiger Faktor in der Jugendbildung ist. In der That ist stine Wichtigkeit von der pädagogischen Welt anerkannt und dessen allgemeine Einführung empfohlen; auch ärztlicherseits wird man für den Kindergarten chcr das Wort reden als für zu frühe Beschickung in die Elementarschule, da ja hier der freien Entnickelung der geistigen und körperlichen Kräfte volllländig Rechnung getragen wird. Dennoch verschließt l üch noch ein so großer Theil der Eltern dieser Wohlthat, N es aus Unkenntniß der Sache, sei es, da hier cm Schulzwang nicht besteht, aus vermeintlicher I^barsamkeit, welche sich jedoch als falsch erweist. da die frühere bessere Entwickelung der Kinder sicher ein besseres Fortschreiten in den späteren Klassen bewirkt. Am wenigsten ist dieses Institut in jüdischen Gemeinden heimisch; mit Ausnahme von einigen größeren Plätzen, werden wir nur wenige jüdische Kindergärten antreffen. Und doch ist hier der confessionelle Charaker von wesentlicher Bedeutung. Die ersten Eindrücke, die ein Kind von der Religion empfängt, sind die wichtigsten, und wie schon oben bemerkt, ist schon in diesem zarten Alter nach Art des Kindergartens auf das kindliche Gemüth zu wirken. Dies kann aber natürlich nur nach den Grundsätzen der eigenen Religion geschehen. Es wäre daher Zeit, daß man sich auch jüdischerseits ein von der Wissenschaft anerkanntes Institut mehr zu Nutzen mache und überall, wo ausführbar, solche einrichte, bestehende aber fördere und hebe. Hier in Würzburg besteht bereits seit einigen Jahren ein solch jüdischer Kindergarten, errichtet und geleitet von Fräulein Eva Maier, einer pädagogisch, musikalisch gebildeten Dame. Derselbe erfreut sich schon in der kurzen Zeit seines Bestehens vielfacher Anerkennung. Die Verwaltung der isr. Gemeinde bat eine solche durch einen baaren Beitrag zu erkennen gegeben; von competenter Seite wurden die Leistungen des Instituts bereits öffentlich gerühmt und dasselbe einer größeren Frequenz empfohlen; das Gleiche geschah von einem Fachmanne in einem Artikel der „A. Z. d. I.' Nr. 27, worauf wir im Interesse des Instituts besonders verweisen. Auch ist Frl. Maier bereit und befähigt jüdische Kindergärtnerinnen heranzubilden und denselben die nöthige praktische wie theoretische Anleitung zu ertheilen, damit diese wieder an anderen größeren und kleineren Plätzen ähnliche Anstalten errichten. Möchte man nur Seitens des jüdischen Publicums solche Unternehmungen mit mehr Interesse und weniger Vorurtheilen zu unterstützen und zu fördern suchen. Es ist vielleicht auch Sache der Rabbiner, der Lehrer, der Gemeinde-Vertretungen, überhaupt aller derer, welche sich einer besseren und zugleich jüdischreligiösen Jugendbildung angelegen sein lassen, diesem Punkte ihr Augenmerk zuzuwenden und für eine ebenso praktische als religiös wichtige Institution helfend und fördernd einzutretcn. Mögen diese Zeilen etwas dazu beitragen und die Aufmerksamkeit von Eltern und einflußreicher Persönlichkeiten für die Sache gewinnen! Köln. Am Kol-Nidre-Abend hielt Herr Rabbiner Dr. Frank eine geharnischte Rede gegen das hiesige Lehrer-Seminar und forderte die zahlreich versammelten Anwesenden auf, nicht länger mehr ein Unternehmen zu unterstützey, durch welches man selbst die eigenen Feinde großziehe. In Folge desftn meldeten sich, wie man uns