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Der Israelit · 1882-10-18 · Heft 42 (18.10.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 42 (18.10.1882)
Date
1882-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1042 Die Weisen schildern uns die Rose, von der im hohen Liede die Rede ist. Auf fünf starken Blättern ruhen dreizehn andere rings um den Stengel, an dessen Spitze die Fruchtknoten sich befinden. Der Stengel, der eine, er ist uns ein Symbol der geistigen Grundlage, auf welcher das Wesen Israels beruht, ein Symbol der Einheit Gottes. Dieser Grundgedanke ist fruchtbringend und erhaltend, wie es heißt 12 ijnr ir« ns ntc^v ns py, „Fruchtbaum, der Frucht trägt, worin der Samen ist jnr, bleibender Samen für alle Folgezeiten. — Die fünf starken Blätter ps'pn »an, auf denen die übrigen Blätter ruhen, sind ein Symbol der Gotteslehre, die in den fünf Büchern Moses enthalten ist. Die Gotteslehre ist es, welche der israelitischen Nation den festen Halt verleiht. Und die andern dreizehn Blätter der Rose repräsentiren die nno m»y vw, die dreizehn Formen des Erbarmens ’orm -iD^n, das Gott uns entgegenträgt. Wenn wir die Einheit Gottes bekennen und an ihren Consequenzen, der Liebe und dem Gehorsam zu Gott, festhalten, wenn wir uns tragen lassen vom Geiste der Gotteslehre und auf sie uns stützen, dann bringt uns Gott Liebe und Erbarmen in der mannigfachsten Form entgegen, dann haben wir die uns umgebenden Dornen nicht zu fürchten; sie können uns nicht stechen und nicht verwunden; aus aller Noth und aller Gefahr retten uns die Liebe und das Erbarmen unsres Gottes. Erklärung eines christlichen Theologen über die Tisza-Lszlarer Illutbcschuldigung. Der renommirte christliche Theologe HerrUniv.- Prof. vr. Carl Siegfried in Jena schrieb unter dem 6. October an Herrn Bezirks-Rabbiner Abraham Singer in Bür-Palota: „Sehr geehrter Herr Doctor! „Sie wünschen eine Erklärung von meiner Seite in Beziehung auf die neuerlichen entsetzlichen Vorgänge, durch welche das magyarische Volk gerade keinen sonderlichen Beweis von der Civittsation gibt, deren es sich neuerdings in allen Tonarten zu rühmen pflegt.*) *) D'ese Expectoration des hochverehrten Herrn Professor schmerzt uns in tiefster Seele. Uebrigens hat das energische Eingreifen der h. Regierung in Preßburg die von den bethörten Raufbolden so arg verletzte Ehre Ungarns rehabilitirt. Der gesunde Sinn der Magyaren kann mit den hirnverbrannten Preßburger „Krakselhubern" nicht identificirt werden. Allerdings haben die tollkühnen Antisemiten das edle Ungarn arg compromittirt. — Ter Einsender. Diese Erklärung kann kurz sein. — Daß es verwerflich ist, wehrlose, ruhig lebende Menschen zu überfallen, zu mißhandeln und an ihrem Eigenthum zu schädigen, wird wohl auch der magyarische Sitten- Codex einräumen müssen.*) Daß die Ausrede, die Juden hätten ein blutiges Verbrechen begangen, selbst! wenn sie wahr wäre, ein solches Thun nicht entschuld digen kann, ist ebenso klar, denn zur Beurteilung und Bestrafung von Verbrechen gibt es Gerichte im! Lande. An diese wende man sich und überlasst ihnen die Entscheidung. Daß aber die Beschuldigung: „Die Juden gebrauchten Christenb lut," nichts anderes als eine Erfindung der Bosheit ist, welche von der Dummheit geglaubt wird: das kann ein Jeder, der nur Luit hat, die Bibel aufzuschlagen, erkennen, denn nichts ist den Juden in den 5 Büchern Mose schärfer untersagt als der Genuß von Blut (1. Mose 9, 4; 3. Mose 7, 26. 27; 5. Mose 12, 16 u. a.) und nichts verunreinigt nach demselben Gesetze schwerer als die Berührung von Leichnamen (4. Mose 19, U; 31, 29 u. a.). — So oft daher auch von dem Religions- und Racenhaß diese Anklage vorgebracht worden ist, in keinem einzigen Falle hat ste erwiesen werden können; ja die grimmigsten Polemiker gegen das Judenthum haben, sobald sie eben einigermaßen Kenner jüdischer Gebräuche waren, diese Anklage fallen lasten» oder wie Wagenseil ausdrücklich ihre Unhaltbarkeit anerkannt. „Wo also dergleichen aufgebracht wird, ist es ein Zeichen von Unverfrorenheit und Dummheit zugleich und eine Schmach für christliche Völker, wenn sie ein solches Treiben bei sich auskommen lassen, und für christliche Zeitungen, wenn sie dem wohlgefällig zuschauen oder hinter frömmelnden Phrasen ihren Kainsgeist verbergen. —" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. (Der jüdische Kindergarten.) Eine der wichtigsten Schöpfungen und Einrichtungen unsers Jahrhunderts auf dem Gebiete der Pädagogik ist der sogenannte Kindergarten. *) Allerdings und mit vielem Nachdrucke. Der wahre Ungar verdammt voll sittlicher Entrüstung die Anstifter der Hetze mit minder wie die Excedenten. — Der Einsender.

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