Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1882)
- Date
- 1882-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M «2. XX1P. Jahrgang. Israelit „ Ei» Central - Organ für das orthodoxe Judenthum. Hnausgegeben von I»r. Lehmano in Main,. Mittwoch, d«» 18. October »«»» (188S). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnier ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oellerreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Die Rose zwischen Dornen. — Erklärung eines christl. Theologen über die Tisza-Eszlarer Blutbeschuldigung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Würzburg. Lmal Köln. Wreschen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: 3mal Wien. 3mal Lemberg. Prag. — Rußland: Petersburg. Feuilleton: Der Sohn der Wittwe. Inhalt der erste« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Posen. — Oest.--Ang. Monarchie: Wien. Prag. Budapest. — Feuilleton: Löb Munitz. Inhalt der zweite« Beilage: Leitender Artikel: Die theologische Fakultät der- Amsterdamer Universität über die Blutbrschuldigung. Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzen: Oest -Ung. Monarchie: 2mal Pesth. Lemberg. Artikel. Die Kose zwischen Dornen. Mainz, 11. October. „Wie die Rose Mischen Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern." ' Also wird im hohen Liede (Cap. 2, V. 2) die Erwählte Gottes^die israel. Nation, gefeiert. Einst hatte ein König einen wunderbar schönen Garten angelegt und Gärtner zur Pflege des Gartens angestellt. Als der König nach einiger Zeit kam, um nach seinem Garten zu sehen, fand er, daß derselbe im höchsten Grade vernachlässigt war, überwuchert von Unkraut, Gestrüpp und Dornen. Da zürnte der König, und schon wollte er den Garten vernichten, als er eine Rose bemerkte, die herrlich und schön zwischen den Dornen blühte, durch ihre Farbenpracht das Auge entzückte und die Luft mit Wohlgeruch erfüllte. Um der Rose willen verschonte der König den Garten. — Der König ist der Schöpfer des Weltalls, der allmächtige Gott, der die Welt zu einem wunderbar schönen Garten gestaltet und die Menschen als Gärtner zur Pflege oes Gartens eingesetzt hat. Aber die Gärtner versäumten ihre Pflichten und der Garten verwilderte; er wäre der Vernichtung anheimgefallen, wenn nicht Noach Gunst j gefunden in den Augen des Ewigen und um seinet-! willen die Welt erhalten worden wäre. Damals! war Noach gleich der Rose unter den Dornen. Und wiederum war die sündige Welt von Gott abgefallen; die Menschen dienten Götzen von Holz und Stein; sie wollten einen Thurm bauen und dadurch einen Mittelpunkt gewinnen, um gegen Gott zu kämpfen. Damals war Abraham die Rose zwischen den Dornen, und Gott liebte ihn und führte ihn hinweg aus der Mitte der Götzendiener in das Land der Verheißung. Die Nachkommen Abrahams wurden in Aegypten geknechtet und unterdrückt. Wie wenn der Wind über den Garten weht und die spitzen Dornen sich einbohren in die Blätter der Rose, und diese blutet aus tausend Wunden — so erging es unfern Voreltern in Aegypten, bis der allmächtige Gott in seiner Macht und Größe erschien, die Rose von den Dornen befreite, das von ihm erwählte Volk an den Berg Sinai führte, wo Alle einmüthig sprachen yowji, „was Gott geboten, wollen wir thun und dann erst verstehen lernen".