Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1882)
- Date
- 1882-10-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1032 wurde sie mit einem Steinhagel empfangen. Doch gelang es durch Verhaftung von 20 Excedenten die Ruhe zu sichern. Der Führer derselben war ein Steuerexecutor. Sehr wüst ging es dagegen in Wartberg, Rethe, Lanschütz und Jvanka zu. Die durch Pöbelhaufen aus der Umgebung jener Orte verstärkten Bauern überfielen um Mitternacht die jüdischen Behausungen, plünderten und raubten, steckten einzelne Objecte in Brand und mißhandelten die Juden in arger Weise. Am ärgsten wurde in Lanschütz gehaust. Dort erschienen Samstag Abends im Gemeindewirthshause als Bauern verkleidete Agitatoren und haranguirten die dort anwesende, fortwährend anwachsende Bauernmenge, während im selben Wirthshause Panduren schliefen. Um Mitternacht war es den Agitatoren gelungen, etwa 400 Bauern um sich zu versammeln, mit denen sie sämmtliche im Orte befindlichen Läden und Wohnungen der Juden stürmten und plünderten. Die Rotte legte in einem Hause Feuer, weil sie nicht gleich in dasselbe eindringen konnte. Eine Frau Namens Fleischmann, die sich den Plünderern zu widersetzen wagte, wurde niedergestoßen und von den Bauern so schwer verletzt, daß sie Nachmittags starb.*) Während des wildesten Treibens erschien plötzlich der Ortspfarrer in der Mitte der Plünderer und bat mit aufgehobenen Händen, abzulassen von dem entsetzlichen Schandwerk. Diese Mahnung fand Beachtung; ihr allein ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde. Als gestern die Nachricht von dieser Revolte in Preßburg eintraf, wurde sofort eine Jägercompagnie dorthin abgeschickt; sie traf den Ort von Juden, die nach Pesth und Wien geflüchtet waren, fast ganz verlassen. Fünf große jüdische Exportfirmen in Preßburg, die zusammen über 2000 Arbeiter beschäftigten, haben beschlossen, nach Wien überzusiedeln. Ein Theil der Arbeiter ward bereits gestern entlohnt und entlassen. * * * Preßburg, 3. October. Der Erlaß Tisza's an sämmtliche Municipien spricht die Ueberzeugung aus, daß die Municipien entrüstet sein werden über die schmachvollen Excesse, welche in Preßburg unter dem Aushängeschild des Antisemitismus verübt wurden und in einigen Gemeinden des Preßburger Komitats Nachahmung fanden. Sie möchten ähnlichen Vorfällen pflichtgemäß Vorbeugen, eventuell die vorkommenden Unruhen mit voller Energie Niederschlagen und den Schuldigen gegenüber die ganze Strenge des Gesetzes anwenden. Eine Versäumniß oder laues Vorgehen wird nicht geduldet werden. Die Sicherheit der Person und Habe der Bürger ohüe Rücksicht auf Rang, Race oder Confession zu wahren, *) Nach neuern Nachrichten ist Frau Fleischmann nicht gestorben. ist die vornehmste Pflicht der Staatsgewalt. Die öffentliche Sicherheit und der gute Ruf des ungarischen Staates dürfen nicht unter den sträflichen Bemühungen einzelner Agitatoren leiden, noch auch die Ordnung nur um den Preis des Blutes der Jrregeführten hergestellt werden. Der Minister erwartet, die Municipien werden etwa versuchte Agitationen im Keime ersticken und die Agitatoren der Strenge des Gesetzes überliefern. Der Minister wird die Municipien dabei mit der ganzen Kraft der Staatsgewalt unterstützen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 27. Sept. Das deutsche Central- Comits für die russisch - jüdischen Flüchtlinge erläßt folgende Bekanntmachung: Wie wir seiner Zeit eine dringende Mahnung nach Rußland gerichtet haben, nicht ohne zwingenden Grund das Vaterland zu verlassen, in der Hoffnung, in unbekannten Ländern sein Glück zu versuchen, so müssen wir jetzt noch viel dringender Diejenigen, welche nach Amerika ansgewandert sind, auffordern, dort auszuharren und die Rückkehr in das Land, aus welchem sie ausgewandert sind, nicht zu versuchen. Trotz aller möglichen Vorsicht sind nach den uns zugegangenen Nachrichten wiederholt Züge von solchen Personen, die aus Amerika zurückkehrten, an der österr. Grenze oder in Brodh verhaftet und durch die Polizei unmittelbar über die russische Grenze geschafft, dort aber, weil sie keine Pässe hatten, wieder verhaftet und von ihrem Gepäck getrennt worden. Welche Behandlung ihnen weiter in Rußland zu Theil geworden ist. wissen wir nicht. Wir bemerken ausdrücklich, daß die Zurückkehrenden in Preußen und soviel wir wissen, auch in Oesterreich, einschließlich Ungarn und Galizien, nicht bleiben und in Berlin auf der Durchfahrt nur 24 Stunden sich aufhalten dürfen. Unter den j Zurückkehrenden befinden, sich nicht selten Personen, welche aus irgend einem Grunde auch nach Rußland nicht zurückkehren können oder wollen. Diesen Personen ist in Deutschland gar nicht zu helfen und wir müssen sie ihrem Schicksal überlassen. Aus diesen Gründen wiederholen wir unsre ernstliche Aufforderung, in Amerika auszuharren, zumal die Zurückkehreuden keine Aussicht haben, von den Comitd's in Europa ebenso sehr wie bei der Auswanderung unterstützt zu werden.! 8. Frankfurt a. M. Vor zwei Jahren tra-1 ten hier einige Männer zusammen, um einen Verein I zu gründen, welcher eine wahrhaft segensreiche Tha-1