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Der Israelit · 1882-10-11 · Heft 41 (11.10.1882) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 41 (11.10.1882)
Date
1882-10-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1031 Verhafteten gab es unerklärlicher Weife sehr viele Frauen und Mädchen. Um 7 Uhr Abends rückte hier aus Hainburg ein Bataillon Jäger ein und übernahm sofort den Sicherheitsdienst. Kavallerie besetzte in - den Abendstunden das Mühlthal. An sämmtlichen Linien war die ganze Nacht hindurch Kavallerie und Infanterie consignirt, welches die Aus- und Eingehenden controlirte. Nachmittag hatte sich eine Siebener-Deputation von hiesigen Juden zum Ministerialrathe Jekelfalusy begeben und legte 11 Punkte vor, welche ihrer Meinung nach zur Pacificirung der Stadt nothwendig sind. Diese Punkte enthielten im Wesentlichen folgende Wünsche: Heranziehung von Militärverstärrungen, scharfe Bewachung sämmtlicher Linien, Verhängung des kleinen Ausnahmszustandes, Ausweisung aller paßlosen Individuen, Besetzung aller besonders gefährdeten Punkte durch Militär und Jnhaftirung Simonyi's. Ausgenommen den letzten Punkt, hat Jekelfalusy allen Wünschen gerecht zu werden versprochen, und wie die gestrige Nacht zeigte, hielt er auch sein Versprechen. Ein reges Leben herrschte gestern Nachts im Rathhause. Alle Fenster waren beleuchtet, sämmtliche städtischen Beamten hielten Wacht. Auf und zu flog das Thor des Rathhauses, um die Equipagen hereinzulassen, welche in kurzen Zwischenräumen in den Hof des Rathhauses fuhren. Ministerialrath Jekelfalusy präsidirte, umgeben von den Oberbeamten unsrer Stadt im Amtslocale des Bürgermeisters. Aber auch der kommandirende FML. Catty war rührig. In seiner Equipage fahrend, inspicirte er die ausgestellten Wachtposten, Beobachtungs-Cadres und Patrouillen. Ein Loblied den braven Zuckermandlern! Während der verflossenen schweren Tage haben sie den Frieden unsrer Stadt nicht ein einziges Mal gefährdet und verhielten sich musterhaft ruhig. Wenn man bedenkt, daß dort ein nicht unbedeutendes Contingent unsrer armen Bevölkerung wohnt, so wird man ihr taktvolles Verhalten zu würdigen wissen. Auch in der jüdischen Bevölkerung kehrt das Vettrauen zum künftigen Frieden wieder zurück. Man theilt uns mit, daß viele Juden an ihre nach Wien geflüchteten Anverwandten telegraphirt haben, sie möchten zurückkehren, denn es sei keine Gefahr mehr vorhanden. Ministerialrath Jekelfalusy hat auch eine Deputation von Juden aus St. Georgen empfangen und sie versichert, daß die Regierung mit aller Energie - die Juden vor inscenirten Hetzen schützen wird. — Mehreren hiesigen Bürgern gegenüber hat aber der Herr Ministerialrath gesagt, sie seien theilweise Schuld, daß die Excesse solche Dimensionen angenommen | haben, denn ihre Pflicht wäre es gewesen, den Krawallen durch ihren persönlichen Einfluß gleich vom Anfänge her mit größter Energie zu begegnen. Welchen Schaden der Stadt Preßburg die Excesse verursacht haben? wird man fragen. Dies heute ziffermäßig nachzuweisen, ist unmöglich. Wenn man aber bedenkt, daß während den letzten Tagen kein einziges Geschäft florirte, daß die Märkte nicht abgebalten werden konnten, daß Handel und Wandel stille stand, daß durch die Plünderungen bedeutende Werthe zu Grunde gingen, daß auch die Heranziehung des Militärs nach Preßburg ein hübsches Stück Geld kostet, daß die meisten Arbeiten in Fabriken und Werkstätten feierten — so wird man sich beiläufig eine „blasse" Idee bilden können, was so „kleine Krawalle" Geld kosten. Im Kaffeehause Stockh haben sich um halb 12 Uhr Nachts betrunkene Arbeiter versammelt, welche wiederholt „Eljen Jstoczy!" schrieen. Da die Leute sich sonst keine Ueberschreitungen zu Schulden kommen ließen, so wurde gegen sie nicht eingeschritten, sondern Wachleute angewiesen, das Thun und Treiben der Lärmenden mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, und sie, falls sie aus der Promenade excessiren sollten, einzufangen. Gegen Mitternacht ist ein Feuer am Graffalkovich-Platze signalisirt worden. Bei dem herrschenden scharfen Winde war man in der Centrale, wo die Commandanten unsrer Feuerwehr Feuerbereitschast hielten, im höchsten Maße erschrocken. Ein sofort abgegangener Löschtrain fand aber an Ort und Stelle keinen Brand vor und dürfte die irrige Meldung durch den Schein einer Laterne hervorgerufen worden sein, welcher sich aus einem Bodenfenster wiederspiegelte. Ein Bataillon des Infanterie-Regiments „Roßbach" hätte gestern Nachts aus Trencsin per Wagthalbahn hier anlangen sollen. Der Bahnzug hatte aber eine dreistündige Verspätung erfahren und dürfte das Bataillon erst heute früh hier anlangen. Herr Jekelfalusy hatte sich um 11, Herr Bürgermeister Gottl um V2l2Uhr schlafen gelegt, Stadthauptmann Kozsehuba ging um Mitternacht in seinem Amtslokale zur Ruhe. Damit ist die Situatton gekennzeichnet. Ueber allen Wipseln herrscht Ruhe. Möge sie unsrer Stadt auch fernerhin bewahrt bleiben. -i- * -i- Preßburg, 2. October. In Preßburg wurde auch gestern die Ruhe nicht gestört, dagegen treffen vom Lande betrübende Nachrichten über dort am Samstag verübte Excesse ein. Nach St. Georgen^ wo schon seit acht Tagen die Juden mißhandelt wurden, war rechtzeitig eine Dragonerabtheilung geschickt. Als dieselbe am Samstag Nachmittag dort einrückte

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