Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1882)
- Date
- 1882-10-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1030 Gleichzeitig werden die P. T. Bewohner verständigt, daß zu;eder einzelnen Truppenabtheilung ein mit roth-weißen Bändern kenntlich gemachter politischer Beamter zugetheilt wird, dessen Aufforderung Folge zu leisten ist, damit nicht die Militärmacht einzuschreiten bemüssigt ist. Preßburg, 30. September 1882. Der Magistrat. * * * Einer meiner Freunde hatte mit dem hier anwesenden Ministerialrath Jekelsalusy eine Unterredung. Der Herr Ministerialrath erklärte, er habe die Oberleitung der Maßregeln, welche er zur Unterdrückung der Preßburger Judenkrawalle sür nothwendig findet, übernommen und werde künftighin über sämmtliche Actionen zur Wiederherstellung der Ruhe ganz allein verfügen. Soweit es möglich ist, werde er suchen, das Blut ungarischer Staatsbürger zu schonen, „sei aber andererseits fest entschlossen, beim „ersten Anlasse, wo sich die Volksmengen seinen An- „ordnungen widersetzen werden, das Militär feuern „zu lassen." Die Absperrung der Gassen werde in rücksichtsloser Weise erfolgen und die Passirung nur Amtspersonen gestattet werden. Stadthauptmann Kozsehuba hat Vormittags die Verfügung getroffen, daß die Branntweinschenken um 6, die Kaffeeschänken um 7 und die kleineren Wirthshäuser und Buschenschanken um 8 Uhr Abends gesperrt werden. Um 5 Uhr Nachmittags haben sich außerhalb der Linien bedenkliche Anzeichen von Volksbewegungen gezeigt. Infolge dessen wurden sämmtliche Linien verständigt, aus die Vorgänge außerhalb der Linien ein wachsames Auge zu haben. Ueber diesen Auftrag hat der Posten am Kaiserweg um halb 6UhrLbends an das Centrum die Meldung erstattet, daß sechs mit Stöcken bewaffnete Individuen in's Gebirge abgegangen sind. Sofort wurden an die bedrohten Punkte Patrouillen ausgesandt, welche die Ruhestörer, die es wahrscheinlich auf die im Gebirge befindlichen Villen, deren Besitzer Juden sind, abgesehen haben, vertreiben sollen. Wie die Kundschafter aussagen, scheinen sich die Revoltirenden in's Gebirge zurückgezogen zu haben, und beabsichtigen in der Nacht auf Schleichwegen in die Stadt zu kommen. Gestern ist das Stadthauptmannamt in den Besitz von Zetteln gekommen, welche Anweisungen auf Wein enthielten und unter dem Volke ausgetheilt wurden. — Auch Zettel, auf welchen das Wort „Dynamit" verzeichnet steht, sind zur Verkeilung gelangt; doch weiß man nicht, welchen Zwecken diese Zettel dienten. Um 6 Uhr Abends sind aus Neusiedel am See zwei Eskadrons des Dragonerregimentes Baron Piguet in vollkommen feldmäßiger Ausrüstung hier angelangt und quartierten sich theils in dem derzeit leer stehenden Circus, theils in den Gasthäusern ein. Gestern Vormittag setzte das Militär das Patrouilliren fort. Alle zehn Minuten konnte man in den Straßen Trupps begegnen, die gemessenen Schrittes einhermarschirten. Es scheint Beruhigung in die aufgeregten Gemüther eingekehrt zu sein. Gestern, den ganzen Vormittag hindurch, ist auch nicht ein einziger Fall eines Excesses vorgekommen und selbst in den Wirthshäusern und Schnapsläden zeigte sich keine Spur von den revolutionären Elementen, die vorgestern eine Wiederholung der Skandale provocirten. Die Arbeiter sind zu ihrer gewohnten Beschäftigung zurückgekehrt, der Gewerbsmann in seine Werkstätte und es scheint der hehre Geist der Versöhnung in allen Schichten unsrer Bevölkerung sich zu stärken und zu festigen. Nach drei langen Nächten der Aufregung und der Hetze wahrhaftig ein Balsam sür das Herz des für seine Vaterstadt besorgten Bürgers. Unter solchen Umständen war der kleine Belagerungszustand, den der Magistrat im Aufträge des Regierungscommiffärs Jekelsalusy verhängte, eigentlich nicht von so böser und nachhaltiger Wirkung auf die Massen, wie er es gewesen wäre, wenn die Maßregel etwa vor drei Tagen erlassen worden wäre. Die Böswilligen und Stänkerer sind ermüdet und die friedlich Denkenden hielten die etwaigen unruhigen Elemente durch ihre klare Besonnenheit und durch ihr eindringliches Zureden im Zaume. Wir fühlen uns, als ob wir aus bösen Träumen erwacht wären und Vergeben und Vergessen, diese großen und schönen Tugenden sollen wir nun übeu selbst gegen den Feind, selbst gegen den erbitterten Nährer des Hasses und der Zwietracht. -i- -i- * Zm Komitatshause ist kein einziger Pandur zu sehen, Alle sind sie in den Ortschaften der Umgegend Preßburgs vertheilt. Der Vicegespan Josef v. S ch o t t hat sich auf eine Rundreise im Komitate begeben und hat die strengsten Vorsichtsmaßregeln, namentlich in St. Georgen und Jvünka getroffen, damit jede eventuelle Judenhetze im Keime erstickt werden könne. Um 9 Uhr promenirten noch recht viele Leute auf der Gasse, namentlich das Frauengeschlecht ließ sich's angelegen sein, mit dabei zu sein, wenn's „losgeht". Aber es ging nicht los, denn schon gegen 10 Uhr war kaum ein Mensch auf der Gasse. Es ist deßhalb alle Aussicht vorhanden, daß im Laufe der Nacht die Ruhe und Ordnung nicht gestört wird. Unter den wegen Ausweisleistung von 8 bis 10 Uhr