Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1882)
- Date
- 1882-10-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXm. Jahrgang. Zweite Keilage zu Nr. 41 des Israelit. Leitender Artikel. Die Lrcesse in Urchburg und Umgebung. Preßburg, 1. October. Das waren schreckliche Tage, die ersten Tage des Hüttenfestes, ncniov svi war uns von Angst und Sorge getrübt. ny*.w^ 'nm ’jrpjy o tun Danken wir dem allgütigen Gott, der uns geholfen, der uns errettet hat. Schon Mittwoch Abends, bei Beginn des Hüttenfestes, versammelte sich auf dem Komitatshauptplatze eine Menge arbeitsscheuen Pöbels und bewarf die Fensterscheiben der vis-L-vw gelegenen Geschäftslocale und Wohnungen der Juden mit Steinen, wurde aber alsbald von einem städt. Commissär, der zufälliger Weise in einem dortselbst in der Nähe befindlichen Gasthofe anwesend und durch den Lärm herbeigeeilt war, mit Hilfe anderer städt. Commissäre auseinandergetrieben. , Somit glaubte man die ganze Sache unterdrückt zu haben. Es sollte aber anders kommen. Denn schon am darauffolgenden Abende, durch die gelungene Probe ermuthigt, rottete sich der Pöbel in I bedeutend größerer Anzahl wieder am selben Orte zusammen, von wo die Schurken dann, mit Stöcken und Steinen bewaffnet, ihren Weg durch die Kapuzinerstraße in die Judengasse fortsetzten und warfen einige Fensterscheiben der dort wohnenden Juden mit dem Ausrufe „Eljen Jstoczy und Eljen Onody" ein. Währenddem wurde dem Herrn Stadthauptmanne Kozsehuba die Anzeige von dem Geschehenen erstattet, welcher sich sofort in eigener Person mit nnigen Wachtleuten in die benannten Gassen begab und dortselbst längere Zeit verblieb. Das hinderte stdoch den Pöbel nicht, seine Excesse fortzusetzen. Derselbe drang nochmals in die Judengasse ein und demolirte sämmtliche Scheiben der ganzen Gasse bis uus einige im 2. Stocke, und sogar einige Fensterkreuze. Die Juden verlangten zwar Militär zur Herstellung der Ruhe, welches ihnen auch bereit- Migst zur Verfügung gestellt wurde. Da aber der Herr Stadthauptmann, wie er versicherte, die Ruhe?uch ohne Militär herzustellen glaubte und erst sehr Gat auf mehrseitiges Verlangen Militär requirirte, Gmen die Soldaten erst aus der Schloßkaserne, als der Pöbel im Begriffe war, die orthod. israel. Synagoge zu demoliren; es wurden zum Glücke blos einige Scheiben daselbst eingeworfen. Die Tumultuanten wurden von herbeieilenden Militärpatrouillen verscheucht und die Gasse wurde von dein Pöbel gesäubert. Die Aufregung bei den Juden war eine sehr große. Um 11 Uhr setzten die Räuber Plünderung und Steinwerfen fort. Nun wendeten sie sich zum Gaisthore und schlugen alle Scheiben des Todesco'- schen Stiftungshauses, wo sich das Betlocal der Reformer befindet, ein. Von hier aus gingen sie in die Vorstadt „Vlumenthal", wo sie sämmtliche jüd. Geschäfte plünderten und Alles zerbrachen. In einer Spirituosenfabrik zertrümmerten sie alle vorhandenen Fässer und lllßen die Spirituosen auf die Gasse ausrinnen. Anderwärts wurden Spezereien, wie Zucker, Kaffee re. re. auf die Gasse geschleudert. Am ersten Tage o"' wurde der Ministerpräsident, Herr Kolman v. Tisz a, von dem Vorgefallenen verständigt, der die strengsten Maßregeln zu ergreifen, beauftragen ließ. Auch sendete er hierher den Staatspolizei- Secretär und Ministerialrath Ludwig v. Jekelfalusy, der die Ruhe herzustellen versprach. Samstag sind auf Verlangen 2 Eskadron Cavallerie und 1 Bataillon Jäger, heute früh drei Eskadron Infanterie, und Mittags aus der Festung Komorn ein Festungsregiment hier angelangt. Gestern wurde während der Nacht patrouillirt. Auf Verlangen des israel. Gemeindevorstandes wurden alle Linien besetzt und Eordon gezogen, paßtose Individuen wurden nicht durchgelassen. Auch wurde ein kleiner Belagerungszustand über die Stadt verhängt. Sollte nur noch eine einzige Unruhe stattfinden, so wird das Standrecht verkündet werden. An allen Straßenecken sind Kundmachungen afsichirt. * * -i- Der städtische Magistrat erließ gestern folgende Bekanntmachung. Vom Magistrate der königl. Freistadt Preßburg wird hiemit zufolge erhaltenen Auftrages des durch das'h. k. ung. Ministerium des Innern entsendeten Regierungskommissärs zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß von heute angefangen bis auf weitere Verfügung im Gebiete der Stadt nach 7 Uhr Abends jede Ansammlung mit Waffengewalt verhindert wird und die Ansammlung von mehr als o Personen verboten ist.