Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1882)
- Date
- 1882-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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welche jene traimgen Zustande tu Ungarn hervorge- Itttfen haben, nnd wenn es bei «ns noch nicht dazu gcksmmen ist, ss liegt dies daran, daß unsere Deutschen und unsere Arbeiter Ochser find als jene Ungarn, nicht daß er besser ist. Bei unserem Volke ist ein sittliches Gefühl vorhanden, welches nichts von Abstammung oder Keligionssrnterschied wissen will, und diesem sittlichen Gefühl des Volkes verdanken wir >es, daß die Tätigkeit des Herrn Stöcker bei uns nicht die Folgen gehabt hat, wie es in Ungarn l der Fall ist. .(Lang andauernder Beifall.) Aber auch etwas anderes unterscheidet uns von den Ungarn. Daselbst würde kein Minister Sr. Majestät es für richtig gehalten haben, einer solchen Judenhemde beizuwohnen, wie es hier der Minister des j Innern v. PuttkaMmer für sngemeffm erachtet hat. (Stürmische Zustimmung, minutenlanger Jubel.) iWenn Herr Stöcker die DreisLigkeit gehabt hat, sich aut das Hohenzollerugeschlecht in seiner Rede zu berufen, so muß ich ihm entgegenhalten, daß es ein vohenzoller, die Hoffnung und der Stolz dieses Landes, gerade gesagt hat, daß die Bestrebungen, bte sie Herr Stöcker schürt, eine Schmach für die [deutsche Nation seien. (Nach diesen Worten erhob [sich ein endloser, kaum zu beschreibender Beifall, der [uur durch Rufe: „Pfui! Stöcker!" unterbrochen [wurde. Immer von Neuem brach der Sturm los, [bis endlich die ganze Versammlung sich plötzlich er- [hob und dem „Hohenzollern" ein dreifaches jubelndes Lebehoch ausbrachte.) Frankfurt a. M., 25. Sept. Am 2"' my [bewegte sich ein überaus langer Zug nach dem jüd. [Begräbnißplatze; es galt dem allgemein beliebten [und höchst würdigen Herrn Abraham I. Weiller [die letzte Ehre zu erweisen. Der Verstorbene war [unermüdlich im Wohlthuu; den Armen reichte er [Ats hilfreich die Hand, reichlich und oft stoffen die [Gaben; so oft sich irgend eine Gelegenheit bot, eine [gute und edle That auszuführen, war er mit ganzem [Herzen hierzu bereit, wie überhaupt es sein ernstes [Bestreben gewesen, als Jehudi zu leben und zu Iwirken. n"a"s"j"p. E. Oesterr -Ungar. Monarchie. .. Pesth, 26. Sept. Der „Pesther Lloyd" schreibt: nt einigen Jahren schon sind gerichtliche Klagen, Untersuchungen gegen die Träger der Szaboleser tomitatsgewalt an der Tagesordnung. Derjenige, der den Glauben hegte, daß die Functionen der Sza- Mcser Polizei-Organe sich auf das Eruiren, Eskorten und Ueberwachen der angeschuldigten Personen Wranken. würde sich arger Täuschung hingeben, tatsächlich spielen dort die Peitsche der Sicherheits- Commiffäre und der Stock der Panduren in allere „ Vorerhebungen" eine durchaus nicht blos symbolische Rolle. Diesen gekennzeichneten Machtmitteln der Polizei-Organe reihen sich in besonderen Fällen specielle Experimente an, von denen im Folgenden ausführlicher die Rede sein wird. Wir enthalten uns jedes weiteren Commentars über diese Zustände, da wir uns vorerst der peinlichen Aufgabe unterziehen müssen, durch Mittheilung einer Anzahl von Fällen, die aus dem Szaboleser Comitat von unbedingt verläßlicher Seite berichtet werden, die Procedur und Methode der Szaboleser Comitats-Polizei zu kennzeichnen. Archiv und Registratur des Nyiregyhazaer Gerichtshofs können es am besten bezeugen, daß die vielfachen Bemühungen der Staatsbehörde, diesen Zuständen durch exemplarische Bestrafung der Schuloigen ein Ende zu machen, leider so gut wie erfolglos waren. Wir wollen nur einige gravirende Fälle hervorhehen. Der Szaboleser Sicherheits-Commissär Andreas Recski ist in den Annalen der Sza-- bolcser Criminalbehörden nicht erst durch die ihm am 19. Mai d. I. übertragene Function, den 14jähr. Zeugen Moritz Scharf „von der Außenwelt abzuschließen und bis zum folgenden Verhör in seiner Privatwohnung zu bewachen", denkwürdig geworden. Recski im Verein mit dem Panduren Samuel Horvath hatte schon im Februar 1877 ein Meisterstück von Energie und schneidigem Vorgehen geliefert. Die Gerichte (I. und II. Instanz) qualificiren dasselbe als „Verbrechen des Mißbrauches der Amtsgewalt und körperlicher Verletzung" und versetzten ihn in Anklagestand. Dieser Proceß nahm indessen ein sonderbares Ende. Eines Tages liefen beim königl. Nyiregyhazaer Gerichtshof, welcher die Schlußverhandlung anöeraumt hatte, Meldungen unterschiedlicher Szaboleser Comitatsstuhlrichter ein, welche besagten, dieKläger Josef Gulyas und Genossen, ebenso die Zeugen, hätten sich von ihren ständigen Wohnorten entfernt und seien seither nicht zu finden. Man bemühte sich nicht, weitere Recherchen anzustellen, was auf einmal aus den „Unauffindbaren" geworden und der Nyiregyhazaer Gerichtshof „stellte im Juli 1878 das weitere Strafverfahren ein und legte die Klage ad acta". Staatsanwalt Both nahm diese Lösung „zur Kenntniß". Gegen den ehemaligen Stuhlrichter und derzeitigen Reichstags-Abgeordneten Geza Onody beantragte im Mai 1876 die Staatsanwaltschaft die Anklagestandversetzung wegen Amtsverbrechens, begangen durch Einsperrung des Schneidermeisters Adolph Hartmann, ferner der körperlichen Züchtigung des Johann Sallay. Hinsichtlich der, wegen inkompetenter behördlicher Verfügungen von Seite Franz Betlers, Johann Fogorasi's und mehrerer anderer Parteien gegen den Stuhlrichter Onody erhobenen Klagen beantragte die Staatsanwaltschaft die Ein-