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Der Israelit · 1882-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1882) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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986 Adolph hatte sich am Tische niedergesttzt und die Münze hervorgezogen. „Das scheint überhaupt der Zweck dieser Münzen gewesen zu sein," sagte er, „auch an dieser befindet sich ein Löchelchen, in das man eine Schnur ziehen kann." Er zog die Lampe herbei und betrachtete das Silberstück aufmerksam. „Man sollte meinen," sagte er, „auch auf dieser Münze befänden sich Schriftzeichen in hebräischer Cursivschrift!" Er holte ein Läppchen herbei und reinigte die Münze sorgfältig. Dann sprang er auf und rief in großer Erregung: „Mutter! ich sehe es ganz deutlich, hier sind die Worte „Schmuöl bar Ahron" eingravirt!" Auch Frau Marbach war aufgesprungen. „Wenn Du Dich nicht täuschest, mein Sohn," sprach sie mit zitternder Stimme, „so hat dieses Silberstück einst Deinem Vater gehört, und nach achtundzwanzig Jahren wäre heute die erste Spur aufgefunden, die zur Entdeckung seines Mörders führen kann." „„Ich täusche mich nicht, geliebte Mutter; aber ich fürchte, Du gehst in Deinen Vermuthungen zu weit. Wenn auch diese Münze einst meinem seligen Vater gehört hat, so kann er sie doch verkauft oder verschenkt haben."" „Diese Möglichkeit ist ganz und gar ausgeschlossen. Nicht um tausend Thaler wäre ihm die Münze feil gewesen. Er nannte sie seine Glücksmünze und bewahrte sie stets in seiner Geldkiste auf. Kaum war Deine Beschneidung vorüber, so nahm er sie wieder an sich, um sie auf das Sorgfältigste zu hüten. Wenn es dasselbe Silberstück ist, so wurde es damals mit dem andern Golde und Silber gestohlen." „ „Daß es dasselbe, ist wohl kaum zu bezweifeln. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß es noch eine derartige Münze in der Welt gibt, auf welcher die hebräischen Worte Schmuel bar Ahron in Cursivschrift eingegraben sind."" „Wie ist die Frau in den Besitz dieser Münze gekommen?" „„Ihre Tochter dient in der Mühle und hat sie dort in einem Kehrichthaufen gesunden."" „Mein Sohn, es geht mir ein seltsames Licht auf: Niemand anders als der Müller Vollmar ist der Mörder Deines Vaters. Es stimmt alles zusammen. Vor achtundzwanzig Jahren hat er, bis dahin ein armer Müllerbursche, die Mühle käuflich an sich gebracht, während Niemand wußte, woher er das Geld genommen. Den Kaufpreis erlegte er von dem geraubten Gute Deines Vaters. Diese Münze, die er nicht ausgeben konnte, hat er lange Zeit aufbewahrt, bis sie durch das Walten der o lichen Vorsehung von ihm verloren wurde. G Du den Finger Gottes? Gerade die Tochter Frau, deren "ganzes Herz Du durch Deine selten Redlichkeit gewonnen, mußte dieses Silberstück findÄ damit es in Deine Hände gelange! Mein gelieW Sohn, Gottes Gnade ist groß! Gelingt es den Müller Vollmar des Mordes zu überführen, sj wird auch Silberstein's Unschuld an den Tag komim Du wirst in den Besitz des Vermögens Dei^ Vaters gelangen und das Mädchen Deiner heimführen." „ „Geliebte Mutter, ich fürchte, Du gibst hreä jir r fr 1 Ittun len ( M zu großen Hoffnungen hin. Zwar kann ich leugnen, daß Deine Vermuthungen richtig fein törl nen, aber von Vermuthungen bis zu Beweisen iij es sehr weit. „Auch ich verschließe mich dieser Wahrheit nichii Aber wir müssen das Unsrige thun, den Thatbchaih an den Tag zu bringen. Geh morgen zum 2; Funk und überlege mit ihm, was jetzt zu thun Noch lange besprachen Mutter und Sohn die Anze! legenhcit. Adolph ließ sich jeden Umstand bericht den zu jener Zeit die resultatlose Untersuchung Tage gefördert hatte. Es war nahezu Mitternacht ehe sich Frau Marbach erinnerte, daß ihr Sohn kein Abendessen zu sich genommen, und Adolph daian! dachte, daß er das Maariw-Gebet noch nicht verricht hatte. Als er damit fertig und auch das Essen gerichtet war, konnte er doch nur wenig geniWi Noch lange blieben die Beiden beisammen, und $1 sie sich endlich trennten, um ihre Lagerstätten auhus suchen, floh der Schlaf ihre Augen. Erft Morgen machte bei Adolph die Natur ihre Rchrl geltend. Aber nach kurzem Schlummer erwachte eil wieder, verließ rasch sein Bett, wusch sich, kleidcü! sich an, und eilte in die Synagoge, wo er mit heim Inbrunst zu Gott betete. — Frau Marbach haiü während der ganzen Nacht kein Auge geschlossen. Auch sie hatte früh ihr Lager verlassen, nnd am Adolph aus der Synagoge nach Hause kam, stam das Frühstück bereit. Er trank nur eine TW Kaffee; essen konnte er nichts. Dann eilte er, trotz der frühen Morgenstunde zum Dr. Funk. Dieser hörte mit großer Aufmerksamkeit der Erzählung dejungen Mannes zu und forderte ihn auf, mit ihaij zum Polizeipräsidenten zu gehen. „Herr Präsident," redete der Anwalt den Be-> amten an, „wir kommen in einer Angelegenheit $ Ihnen, in der es sich um einen vor achtundzwaiWl Jahren begangenen Raubmord handelt. Der Vater dieses jungen Mannes ist um jene Zeit ermorde! und beraubt worden, und nun glaubt der Sohn et« Spur gefunden zu haben, die zur Entdeckung de-I Mörders führen könnte." Inei': ler1 orb »am leb: prb rfo Iso m

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