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Der Israelit · 1882-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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982 ihrer Schlauheit immer möglich sein, sich den Geldsack zu füllen und ein sociales Uebergewicht unter den christlichen Völkern zu erlangen. Ich will gerade nicht eine gewaltsame Austreibung, aber auf gesetz- - lichem Wege müssen wir, und zwar so schnell als möglich, die Juden aus allen christlichen Staaten vertreiben. Wohin sich die Juden wenden, was sie nach geschehener Austreibung anfangen sollen, ist ihre Sache. Dies geht uns auch gar nichts an; denn wir haben ja die Juden nicht zu uns gerufen. Ein anderesMittel, sich von diesem Nomadenvolke dauernd zu befreien, gibt es nicht. Ich beantrage zu beschließen: „Die Judenfragc kann nur im staatsrechtlichen Sinne gelöst werden." Hofprediger Stöcker: Der Congreß ist berufen worden, um über praktische Fragen, nicht aber über nicht ausführbare Theorien zu berathen. Ich wünsche die Judenfrage vom humanen christlichen Standpunkte aus gelöst und kann in den Ruf: „Juden raus!" nicht mit einstimmen. Um etwas effectiv Praktisches zu schaffen, einpfiehlt sich die Bildung eines antisemitischen Central-Comittzs und eines ebensolchen Eentral-Orgaus. Es ist erforderlich, gegen die „Alliance israelite universelle" eine ebensolche Anti Allianz zu bilden. Verfallen wir nicht in den Fehler der Social-Demokraten, die sich anstatt mit den Nächstliegenden, mit ihren letzten Zielen beschäftigten, es könnte uns sonst ein ähnliches Schicksal wie den Social-Demokraten begegnen. Der Standpunkt des Herrn Dr. Henrici ist ein gar zu idealer, ich möchte fast sagen, ein phantastischer. (Beifall und Widerspruch.) Es gilt, christliche Geduld auch mit unseren Feinden zu üben und eine gemeinsame Basis für die hier vertretenen beiden Strömungen zu finden. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die antisemitische Partei noch eine schwache ist, und wenn es in Deutschland jetzt zur Volksabstimmung käme, ob die Semiten oder die Antisemiten ausgetrieben werden sollen, dann würde die Abstimmung zweifellos zu Gunsten der Letzteren ausfallen. (Zustimmung und Widerspruch.) Ich warne Sie, Beschlüsse zu fassen oder Forderungen zu stellen, die der christlichen Humanität widersprechen, ich will wenigstens diesen Gedanken nicht mit ausdenken helfen. (Beifall und Widerspruch.) Im Uebrigen vindicirt man, meiner Meinung nach, den Juden allzu große Bedeutung und den christlichen Regierungen und Völkern allzu große Schwäche, wenn man der Meinung ist, wir könnten das Uebergewicht der Juden nicht anders als durch gänzliche Austreibung brechen. (Allseitiger Beifall.) Jstoczy (Pesth) verlas hierauf ein sehr langatmiges, an alle christlichen Regierungen, Parlamente und Völker zu erlassendes Manifest, in welchem unter eingehender Darlegung der Verhältnisse zum Kampfe gegen die Juden aufgefordert wird. Der Redner bemerkt: Ebenso wie zur Zeit die christlichen Völker mit den Arabern, Türken und Persern verfahren seien, müssen auch jetzt in allen christlichen Staaten mit den Juden verfahren werden. Eine Verständigung oder gar Verschmelzung mit den Juden habe vollständig Masco gemacht. Juden-Missions-Prediger de la Roi (Berlin): Auch ich wünsche die Judenfrage vom christlichen Standpunkte gelöst, ich meine aber, angesichts der gegenwärtigen egyptischen Wirren empfiehlt es sich, die Juden nach Egypten zu leiten, und wenn das nicht möglich, die Juden - Emancipation auf ein Menschenalter zurück wieder aufzuheben. Um aber gerecht zu verfahren, mache ich den Vorschlag, ehe etwas gegen die Juden unternommen wird, dieselben aufzufordern, zwölf ihrer beredtesten Männer in den Antisemiten-Congreß zu entsenden, welche die gegen sie erhobenen Vorwürfe entkräften mögen. (Stürmische Heiterkeit.) Dr. Förster (Berlin): Er halte es für das Beste, wenn die Juden einen eigenen Staat gründeten. Im Uebrigen pflichte der Redner den Ausführungen Henrici's bei. — In ähnlicher Weise äußerten sich noch Kaufmann Pichenbach und Schuhmachermeister Schröder l Berlin) und ein Herr v. Bismarck, über dessen Persönlichkeit ich jedoch Weiteres nicht erfahren konnte. Alle anderen Redner sprachen der Versöhnung das Wort. — Gegen 2 Uhr Nachmittags trat eine längere Pause ein. * -i- * Die acht Thesen, welche nach einem Referate Stöcker's einer Commission zur Berathung übergeben wurden, besagen kurz Folgendes: Es soll eine internationale Vereinigung zur Abwehr derUebermacht der Juden geschaffen werden. 2. Die Judenfrage ist keine religiöse oder Racenfrage, sondern eine universell cnltnrhistorische Frage. 3. Der Einfluß der Juden beruht auf der gewissenlosen Erwerbung und Verwendung der Geldmacht und auf der Feindschaft gegen das christliche Staats- und Gesellschaftsleben. 4. Die Juden sind unfähig, organische Bestandtheile eines christlichen Volkes zu bilden. Die Reformjuden bilden keine Ausnahmen, sondern stellen eine größere Gefahr vor. 5. Die Emancipation der Juden, in dem Sinne nicht blos gleicher Rechtsfähigkeit, sondern völliger staatsbürgerlicher Stellung aufgefaßt, ist ein Widerspruch mit dem Wesen der christlichen Staatsidee und ein principeller Fehler. Obrigkeitliche Stellung ist den Juden nicht einzuräumen, ebensowenig Lehrämter an christlichen Schulen. Die Thesen 6 und 7 befassen sich mit der revolutionären Tendenz der Juden und mit dem Wunsche, die Kapitalsmacht durch die Gesetzgebung zu be-

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