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Der Israelit · 1882-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 39 & 40 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Dresden, 11. September. Die Zahl der Delegirten ist inzwischen auf etwa 300 angewachsen, unter denen man den Hosprediger Stöcker, den Redacteur der Kreuzzeitung, Dr. Heffter, den Missions-Prediger de la Roi, den Major außer Dienst v. Bredow, Liebcrmann v. Sonnenberg, Dr. Bernhard Förster (Berlin) und Andere bemerkte. Auch einige Delegirte ans Rußland sind eingetroffen. Dagegen sind die Meinberufer des Congresses, Freiherr v. Fechenbach und v. Thüngen-Roßbach, nicht anwesend, weil wie mitgetheilt wurde, diese befürchteten, der Congreß könne vom christlich - socialen Standpunkte abweichen. Ter Congreßsaal des Helbig'schen Elb-Etablissements, in dem die Verhandlungen heute Vormittags von den: Weißwaareuhändler Pinkert (Dresden) eröffnet wurden, war mit den Büsten des Kaisers von Deutschland, des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Sachsen und mit vielen Fahnen, Laubgewinden u. s. w. decorirt. Der Verhandlung, welche nicht polizeilich überwacht wurde, ging eine geheim geführte Vorbesprechung von den Häuptern der Bewegung voran. Nachdem Major a. D. v. Bredow (Berlin) zum ersten und Abgeordneter v. Simonyi (Pesth) zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden waren, wurde der Antrag eingebracht, „die anwesenden Vertreter der Presse auszuschließen". Es sind nämlich mehrere Berichterstatter von conservativen, beziehungsweise antisemitischen Zeitungen, zumeist aus Berlin, einer aber auch aus Pesth anwesend. Gegen den Antrag auf Ausschluß der Presse wendete sich Hofprediger Stöcker. Dieser uieinte: Wenn die hier anwesenden Berichterstatter, die alle blos für der Bewegung freundliche Blätter schreiben, sich auf Ehrenwort verpflichten, ihre Berichte vor deren Absendung dein Vorstande zur Durchsicht vorzulegen, so stehe deren Zulassung nichts im Wege. Die Berichterstatter erklärten, diese Verpflichtung eingchen zu wollen; es wurde in Folge dessen ihre Zulassung beschlossen. Die eigentlichen Verhandlungen begannen, indem Hofprediger Stöcker eine Anzahl Thesen einbrachte, die dahin gingen: „Die Juden bilden für alle christlichen Völker eine hohe Gefahr ln politischer, wirthschaftlicher und socialer Beziehung, es sei deßhalb dringend geboten, Gesetze zu erlassen, wonach den Juden ihr Uebergewicht über die christlichen Völker unmöglich gemacht und sie in die gebührenden Schranken zurückgewiesen werden können." Abg. Victor v. Jstoczy und Liebermann v Sonnenberg erklärten sich im Allgemeinen mit den Thesen einverstanden; da jedoch im Einzelnen so Manches einzuwenden sei, so empfehle es sich, dieselben einer Commission zu überweisen, jedoch vorher eine Discussion zu eröffnen. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und nun wurde von neuem der Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit eingebracht. Der betreffende Antragsteller nieinte, ehe die Discussion eröffnet werde, müßte die Presse „hinansgebiffen" werden; allein der Antrag wurde wiederum abgelehnt. Es nahm zunächst das Wort Dr. Bernhard Förster (Berlin.) Er sei mit den Stöcker'schen Thesen im Großen und Ganzen einverstanden; allein es sei auch nothwendig, sich über das letzte Ziel der Antisemiten - Bewegung klar zu sein. Die Juden können unter den arisch-christlichen Völkern nicht einmal geduldet, sondern höchstens ignorirt werden. Ehe man in der Judenfrage nicht mit radicalen Mitteln vorgehe, werde es keine Ruhe, höchstens einmal einen Waffenstillstand geben. v. Liebermann (Berlin): Ich bin ebenfalls im Allgemeinen mit den Stöcker'schen Thesen einverstanden; ich halte es jedoch für nöthig, die Thesen nicht als bloße Resolutionen aufzufaffen, die absolut keinen Werth haben, sondern dieselben den Regierungen und Parlamenten zuzustellen. Ich begrüße es mit Freuden, daß die zwischen den verschiedenen antisemitischen Strömungen vorhandenen Differenzpunkte hier nicht zum Ausdrucke kommen. Auch ich und meine Freunde stehen aus dem Boden des christlichen Glaubens und sind der Ueberzeugung, daß der christliche Glaube Wunder thut. Den Ausführungen des Dr. Förster stimme ich bei; allein es gilt zunächst, praktische und in der Gegenwart ausführbare Maßregeln ins Auge zu fassen. Dr. Henrici (Berlin): Auch ich wünsche sehulichst die vorhandenen Differenzpunkte beigelegt, allein ich muß aussprechen, daß ich die Judenfrage nicht als eine religiöse, sondern als eine Racenfrage auffasse. Ich halte es für unbedingt erforderlich, die Juden aus Deutschland herauszubringen. Eine andere Lösung gibt es nicht. Alle noch so strengen Ausnahmsgesetze gegen die Juden werden sich als wirkungslos erweisen; denn den Juden wird es vermöge

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