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Der Israelit · 1882-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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780 -'S. Silberstein aufzusuchen. Als er bei den Damen erschien, fingen diese an laut zu weinen. „Herr Marbach," rief Helene, „Sie haben mir das Leben gerettet, retten Sie jetzt unsere Ehret" „Ich bin gekommen," sagte Adolph, „um mich Ihnen ganz zur Verfügung zu stellen und alles zu versuchen, was dazu beitragen kann, die Unschuld des Herrn Silberstein zu erweisen; denn, daß er unschuldig ist, daran zweifele ich nicht." „Segne Sie Gott für dieses Wort," rief Frau Silberstein lebhaft. „Alle Welt verurtheilt meinen armen Mann. Es ist wohlthuend zu vernehmen, daß ihm Jemand Gerechtigkeit widerfahren läßt. Um Sie hat er es am Wenigsten verdient." „Lassen wir das," sagte Adolph, „und suchen, wir vielmehr, dem Unglücklichen zu helfen." Ausführlich ließ er sich dann Alles erzählen. Als er vernahm, was Dr. Funk über das Vorleben des Müllers in Erfahrung gebracht, erinnerte er sich der Erzählung jener Bäuerin, von der er den alten Krug gekauft hatte. Bei den Eltern derselben hatte Vollmar als Müllerknecht gedient und hatte nachher die Mühle, in der sie geboren war und die sie mit schwerem Herzen perlassen mußte, um in Noth und Elend zu ziehen, gekauft. Sie hatte die Werbung des Müllers verschmäht und haßte und verachtete ihn. Vielleicht war von dieser Frau noch etwas Näheres zu erfahren. Am andern Tage ging Adolph nach Mispelsheim direct in das armselige Häuschen am Ende des Dorfes. Mit großer Freude empfing ihn die Frau. „Willkommen, Herr Marbach," rief sie ihm entgegen. „Ich habe etwas für Sie, ein Alterthum! Vielleicht machen wir wieder ein großes Geschäft." Bei diesen Worten ging sie an ihre Commode, schloß sie auf und holte eine sorgfältig eingewickelte Silbermünze hervor, die sie ihrem Besucher überreichte. Es war ein sogenannter halber Schekel, auf welchen in hebräischer Schrift die Worte: „Schekel Hakodesch, Jeruscholajim" ausgeprägt waren. Seitdem Adolph den alten Krug so vortheilhaft verkauft hatte, suchte er auf seinen Wanderungen stets nach Alterthümern und war in Folge desien in Bezug auf diesen Handelszweig besser unterrichtet als damals. Er wußte demnach, daß diese Münze keine aus dem Alterthume stammende fei und keinen antiquarischen Werth habe. Solche Münzen wurden im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung vielfach geprägt. Unkundige ließen sich dadurch täuschen und meinten, daß sie aus der Zeit stammten, in welcher Jerusalem die Hauptstadt des jüdischen Reiches war. Daher wurden sie namentlich von Juden gern gekauft, welche die Gewohnheit hatten, sie an eine Schnur zu befestigen und ihren Söhnen am Beschneidungstage um den Hals zu hängen. Gewöhnlich machte damit der Gevatter dem Kinde ein Geschenk. „Sie irren, liebe Frau," sagte Adolph, „die Münze ist nicht mehr werth als das Silber, aus dem sie besteht." „Nun," antwortete die Bäuerin, „nehmen Sie sie einmal mit, vielleicht hat sie doch einen größeren Werth. Uebrigens bin ich zufrieden, mit dem, was Sie dafür geben. Meine Tochter hat das Schaustück in der Mühle gefunden und es mir heimgebracht." Adolph steckte die Münze zu sich und ließ sich dann von der Frau alles erzählen, was sie von Vollmar wußte. Es war nicht mehr als das, was Dr. Funk schon erfahren hatte. Die Frau hielt den Müller fähig, alles mögliche Schlechte zu thun, aber beweisen —'ja, beweisen konnte man nichts. Niedergeschlagen trat Adolph den Heimweg an; er hatte sich so viel von der Auskunft der Bäuerin versprochen, und nun bestand die ganze Ausbeute, die er gemacht hatte, in einer alten, werthlosen Münze! „Für diese wird mir kein Engländer hundert Mark geben," sagte er mit traurigem Lächeln. Wie kurzsichtig ist doch der Mensch! Adolph hatte keine Ahnung davon, wie unschätzbar werthvoll diese unscheinbare Münze für ihn werden sollte! (Siehe die Fortsetzung in der I. Beilage.) Die zum l. Hctoöer neueintretenden Abonnenten erhalten die vorhergehenden Kapitel der Erzählung „Der Sohn der Wittwe" gratis und franco nachgeliefert. Die Expedition des „Israelit". Verantwortliche Rckaetion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition deS »JSraelit* große Bleiche 45. Z. Gottkleben'S Buchdrucker« (Mainzer Anzeiger). Hierzu sechs Beilagen.

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