Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 39-40 (27.9.1882)
- Date
- 1882-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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777 Gaben haben wir unfern wärmsten und tiefgefühlten Dank auszusprechen. Wir gestatten uns zugleich den Ausdruck unseres lebhaften Wunsches und unserer innigsten Bitte, daß auch in anderen Gebieten unseres Vaterlandes solche Vereinigungen gleichgesinnter Freunde gleich den in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitze des Herrn Moses Frenkel und in Fulda unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn bereits in erfolgreicher Wirksamkeit bestehenden Comitös sich zusammenfinden und sich uns zum gemeinsamen Werke anschließen möchten. Zum Schluffe unserer diesjährigen Berichterstattung können wir, indem wir eine Pflicht der Pietät und Dankbarkeit erfüllen, unseren Freunden eine schmerzliche Erinnerung nicht ersparen. Am 23. Julie v. I. verloren wir durch den Tod des sei. Herrn Jsaac Frank den hochverehrten Vorsitzenden unserer Collegiums, einen begeisterten, opferwilligen und unermüdlich thätigen Mitarbeiter und einen umsichtigen gewandten Leiter unserer Verhandlungen. Dieser Verlust berührt uns um so schmerzlicher als der Verewigte, von Geschäften zurückgezogen, sich gänzlich dem Dienste der Anstalt hinzugeben entschlossen und durch seine Geistesgaben und seinen hochachtbaren Charakter zur Förderung ihrer heiligen Zwecke vorzüglich befähigt war. Seine edle Gattin, von gleich idealem Charakter und Streben beseelt, hat dem Vereine eine Schenkung jbon 3000 Mk. zugewandt. Ferner hat unser Verein durch den am 13. Januar erfolgten Tod des sel. Herrn Salomon Benjamin in M.-Gladbach einen von inniger altjüdischer Frömmigkeit erfüllten stets opferwilligen Freund und Förderer, und das Curatorium einen treuen Collegen und einsichtsvollen Berather verloren. I Was die Heimgegangenen, im Dienste der höchsten Lebensaufgaben stehend, hienieden erstrebt und geleistet, sichert ihnen unvergänglichen Lohn im ewigen jenseits und ein unauslöschliches Andenken in unserm Dankerfüllten Herzen. I. Die Gesammteinnahmen betrugen 37984 Mk., Die Ausgaben 22,130 Mk. I . Wie in den Vorjahren, so wurde wiederum von >unf Mitgliedern unseres Curatoriums für die Belegung je eines, von der Frau Ww. Mayer hier Dur zwei Seminaristen in dankenswertster Weise Sorge Miragen. I Aus der Pfalz, 25. Sept. Zur bessern Mharakteristik der in emem Artikel „Aus Mitteldeutschland" in der jüngsten Nummer des „Israelit" nach Verdienst gewürdigten Broschüre: „Die historische Weltstellung" der Juden und die moderne Judenfrage von Dr. E. F. Hemann" erlaube ich mir Ihnen mithzutheilen, daß besagter Hemann ein Sohn des vor ungefähr 40 Jahren sammt seiner Gattin Frummet, einer qeb. Goldschmidt, unter dem Einfluffe des damaligen pietisttschen Subrektors D. zum Protestantismus übergetretenen jüdischen Lehrers Hirsch David zu Grünstadt ist. Erstere kehrte nach mehreren Jahren reumüthig zu ihrem jüdischen Glauben zurück, in Frömmigkeit und Gottergebenheit ihr Lebensschicksal bis zu ihrem Tode beklagend. Ihr Grabstein auf dem jüdischen Friedhof zu Grünstadt erzählt in wenigen Worten ihre Lebens- und Leidensgeschichte. David alias Hemann siedelte alsbald nach Basel über und übernahm dort das Amt eines Missionars, sowie auch 2 oder 3 seiner Söhne hente dem geistlichen Stande angehören. — Die verlockenden Gesänge unserer heutigen Hemann stechen gewaltig ab von jenen der Hemau aus der Zeit des heiligen Tempels (Psalm 88.) Mühlhausen (Elsaß). Bei der Beerdigung der bei der FreiburgerKatastrophe Verunglückten in Münster bemerkt der Pastor daselbst, Herr Müller, in seiner Leichenrede, daß man dieses großeUnglück nicht einem Zufall, einer göttlichen Rache, sondern den unwandelbaren Gesetzen der Natur zuschreiben dürfe; das Gegentheil behaupten, wäre eine grausame Ironie, es wäre jüdisch oder heidnisch, aber nicht christlich. Unser Rabbiner Herr Moock ist in einer längern Zuschrift an den „Muhlhauser Mpreß" dieser gehässigen ungerechtfertigten und falschen Erklärung des Herrn Pastors, die geeignet ist, den Frieden unter den verschiedenen Confessionen in Elsaß zu stören, entgegengetreten. In ebenso gewandten wie ruhigen Worten wieß Herr Moock durch viele Beweise den Jrrthum des Herrn Müller nach, in einer Weise, die nicht verfehlen wird, den besten Eindruck auf die Bewohner aller Confessionen in den Reichslanden zu machen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 6. Elul. Die erste. und vornehmste Aufgabe einer Cultus gemeinde ist — so ist man wenigstens geneigt zu glauben^—entsprechend für die cultuellen und religiösen Bedürfnisse der Religionsangehörigen zu sorgen. So verhält es sich auch thatsächlich nahezu in allen jüdischen Gemeinden. Nur Wien, die größte und vielleicht wohlhabendste Gemeinde im österreich-ungarischen Staate bildet bedauerlicher Weise eine seltene Ausnahme. Es ist betrübend es sagen zu müssen, aber es ist eine That-