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Der Israelit · 1882-09-20 · Heft 38 (20.9.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 38 (20.9.1882)
Date
1882-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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952 ben Thoraschrein kommt eine durchbrochene Kuppel, welche erst in diesen Tagen ausgestellt werden kann. Zur Feier hatten sich Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vorstand und Ausschuß, sowie die Rabbiner und andere Angestellten der Gemeinde und zahlreiche Ehrengäste neben den Inhabern der Sitze cingesunden. Nachdem der neugegründete Ehorverein einen einleitenden Gesang vorgetragen, recitirtc der Vorbeter Münz einen Psalm; unter den üblichen Gesängen wurden die zehn Thorarollen zur Estrade getragen, der Rabbiner sprach ein hebräisches Weihegebet und ein deutsches Gebet für den Landesherrn/die Rollen wurden wieder in den Schrein gebracht und die Predigt begann. Auch jetzt betonte Herr Rabbiner Dr. Horovitz wieder die Nothwendiakeit friedlichen Zusammengehens und mahnte zu gottgefälligem Wandel. Er gedachte des gleichfalls gottgefälligen Werkes der Krankenpflege, dem der Platz, ans dem jetzt die Synagoge sicherhebt, geweiht war? Schließlich segnete er Alle, die zu dem Gelingen des Werkes beigetragen haben und sprach ein inniges Gebet für die Gemeinde und ihre Leiter, die Stadt und ihre Behörden, den Staat und seine Lenker. Die r^-eier schloß mit einem Psalm, von Chor und Vorbeter vorgetragen. Trotzdem kein Plätzchen leer war, war die Temperatur in der Synagoge gemäßigt; viel trägt hierzu die Beleuchtung bei. Hierzu sind nicht Lüster verwandt, sondern fünf leuchtende Gasringe, welche über dem die Synagoge bei Tag erhellende Oberfenster angebracht sind. Die Treppen sind äußerst bequem, sämmtliche Räume haben überall Ausgänge, so daß eine Entleerung des Gebäudes in wenigen Minuten stattfinden kann. Straßburg i. E. In der jüngsten Nummer des „Israelit" wird in einer Notiz aus Mainz das diesige Consistorium als Förderer der Ez-Ebajim- Schnle gepriesen. Die Fama scheint auch hierin ihr zweifelhaftes Spiel getrieben zu haben. Wenn man auch das Consistorium als' Hinderer dieser hochwichtigen Angelegenheit hinzustellen nicht geneigt ist, so muß man dagegen zur Steuerung der Wahrheit dem Consistorium jedes Verdienst in erwähnter Angelegenheit absprechen. Schon vor Jahren hat sich das Bedürfnis fühlbar gemacht, eine guteReligiousschule ins Leben zu rufen. Denn leider ist das religiöse Wissen der Jugend auf ein Minimum beschränkt. Aber erst durch viele Opfer seitens des Ez-Chajim's-Comit^s, so wie durch den rastlosen Eifer des Schulleiters, des Herrn Rabbiner Dr. Staripolsky, welcher bewirkt hat, daß diese Schule unter staatliche Aufsicht gestellt wurde, ist diese Gründung gelungen. Eben die Leistungen des Letzteren und die überraschenden Resultate, welche die Schule in der kurzen Zeit ihres Bestehens erzielt hat, versprechen dieser eine erfreuliche Zukunft; obgleich von gegnerischer Seite ein falsches Gerücht in Umlauf gesetzt wurde, die Schule verfolge lediglich einen Germanisirungszweck. Was nun die Einrichtung eines eigenen Gottesdienstes seitens des Ez-Chajim- Comitös betrifft, so konnte der Correspondent noch nicht erfahren haben, daß das Consistorium seine Genehmigung in diesem Augenblicke zurückzog, wo das vpv unpü cingeweiht werden sollte. Das Zurückziehen dieser Genehmigung wird vom Consistorium motivirt, daß die Erlanbniß zu einem Minjan keinesfalls zu einem Betsal ertheilt worden sei, als wenn für einen Gottesdienst ohne Orgel kei-n Raum zu schlecht wäre und ein schö nes, h.elles, gesundes Local mit entsprechender Einrichtung ein größerer hdn sei als die Orgel. Das Ez-Chajim-Comit6 hat sich in Folge dessen veranlaßt gesehen, die Regierung zu bitten, darüber zu entscheiden, ob sie für die Zukunft gegen ihre Gewissensfreiheit zum Besuche eines Gottesdienstes vom Consistorium gezwungen werden können, der ihrer Ueberzeugung entgegen ist. Hoffen wir,-daß die Regierung zu Gunsten dieser guten Sache entscheiden wird. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 13. Sept. lieber den Dresdener Antisemiteucougreß veröffentlicht die „N. Fr. Pr." den nachstehenden Artikel: Soll man lachen oder weinen, wenn man die Berichte über die seltsame Versammlung liest, welche während der letzten zwei Tage in Dresden unter dem Namen eines „Antisemiten - Congresses" tagte? Der erste Eindruck, den die Verhandlungen hervorbringen, ist der einer ungebundenen Heiterkeit. So lange der Herr Henrici mitHerrn de laRoi darüber streitet, ob man die Juden einfach aus Deutschland austreiben oder sie in Egypten ansiedeln soll, und dies selbst dem Hofprediger Stöcker wider die christliche Humanität erscheint, so lange haben wohl fürs erste die Nachkommen Abraham''s noch wenig Grund, vor dem Manifeste Jstoczy's „an die christlichen Regierungen, Parlamente und Völker" zu zittern. Das Schwanken der bunten Gesellschaft zwischen der Furcht vor der Oeffentlichkeit, die sich in dem Ausschlüsse der Berichterstattung und dem Durste nach Publicität, welcher sich in dem Beschlüsse äußerte, das Jstoczy'sche Manifest unter den Anonncen der Times zu veröffentlichen, ist von unwiderstehlicher Komik. Der Preis gebührt aber unbedingt dem Geständnisse Stöcker's, daß, wenn es in Deutschland jetzt zur Volksabstimmung käme, ob die Semiten oder die Antisemiten ausgetrieben werden sollen, die Abstimmung zweifellos für die Austreibung der An-

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