Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1882)
- Date
- 1882-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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951 Gesellschaft in ihrem festlich decorirten Locale, woselbst der Vorstand der Gesellschaft, Herr B. Oestreicher Zur regen Theilnahme am kommenden Tage aufforderte. Es herrschte eine sehr gehobene Stimmung, man sang die Nationalhymne und brachte Sr. Majestät begeisterte „Hoch." Zuni Feste selbst erschien die ganze isr. Gemeinde und sonstige Festtheilnehmer in festlichem Gewände in der völlig beleuchteten Synagoge. Herr Lehrer Heß hielt die Festrede. Mit begeisterten, von echter Vaterlandsliebe durchglühten Worten, entzündete er Aller Herzen. Der Redner gedachte in gewählten Ausdrücken der Verdienste des Hauses Wrttelsbach um Bayerns Wohl; das Glück, daß dieses Herrscherhaus sieben Jahrhunderte Bayerns Volk und Land regiere, wolle durch edle Herrschertugendcn verdient sein. Das hohe Verdienst unseres allgeliebten Königs um Bayerns Glanz und das geeinigte Deutschland sei allgemein bekannt; wir Israeliten seien namentlich zu großem Danke verpflichtet für den Königlichen Schutz, den das mächtige Königswort uns gewähre, daß in Bayern gleiches Recht für alle Bürger bestehen müsse, so das dadurch die den Juden feindliche Bewegung auf bayr. Boden keine Wurzel fassen konnte. Nach beendetem Gotesdienste versammelte sich die Casinogesellschaft zu einem Festessen und nach Absingung der bayr. Königshymne wurde vom Vorstande der Gesellschaft, Herrn Bernh. Oestreicher ein Toast auf Sr. Majestät ausgebracht; hierauf wurde beschlossen an unfern vielgeliebten Herrscher folgendes Hnldigungstelegramm abzusenden: „An Seine Majestät den König von Bayern!" Die heute aus Anlaß Ew. Kgl. Majestät Allerliöchstenl Geburts- und Namensfeste festlich versammelte isr. Casinogesellschast Treuchtlingen sendet Ew. König!. Majestät tiefgefühlte Glückwünsche mit der Versicherung treuester Anhänglichkeit. Gott erhalte Ew. Kgl. Majestät zum Glücke Bayerns, zum Wohle Deutschlands. In tixfster Ehrfurcht unterthänigste Vorstandschaft: gez. Bernh. Oestreicher gez. Max Meyer. Andern Tages, Sabbat Nachmittags sollte die hiesige isr. Gemeinde und besonders die Casinogesellschaft hocherfreut werden, durch die gütigste Beantwortung ihres Huldigungstelegramms und Glückwunsches. Von Sr. Majestät,' unserm allgeliebten Regenten traf folgendes Telegramm ein: Schloß Berg. Herrn Bernhard Oestreicher, Treuchtlingen. Seine Majestät der König senden für die in so warmen Worten ausgesprochenen Glückwünsche Huldvollsten Dank. Im Allerhöchsten Aufträge gez. v. Ziegler. Es läßt sich wohl denken, daß die huldvollen Worte, durch die wir uns so hoch geehrt fühlen, einen freudig erregten Dank im Herzen der ganzen isr. Gemeinde hervorriefen und wir nie aufhören werden, für das theure Leben unseres vielgeliebten Landesvaters zu beten. Gott erhalte und beschütze Bayerns erhabenen und hochherzigen Königlichen Herrscher immerdar. Berlin, 15. Sept. Gestern Abend fand auf Tivoli eine Antisemiten - Versammlung unter Einladung der ungarischen Abgeordneten v. Onody, v. Simoniy und des Herrn v. Zerboni aus Wien bei 50 Pfennig Entröe statt, wo das Bild der Esther Solymossy gezeigt wurde. Nachdem Herr v. Onody gesprochen, theilte Dr. Henrici mit, daß Herr v. Simonyi leider nicht anwesend sei, aber von Wien aus den socialen Reichsverein begrüßt habe. Herr v. Zerboni sei freilich anwesend, aber aus gewissen Gründen würde derselbe keine Ansprache halten. Diese Ankündigung befriedigte die Versammlung nicht, und so theilte dann Dr. Henrici zum allgemeinen Erstaunen mit, daß, wie ihm gemeldet sei, die österreichische Regierung an die preußische den Antrag gestellt habe, die heutige Versammlung zu verbieten; die preußische Regierung solle aber geantwortet haben, daß sie hierzu keine Veranlassung habe und dann erst einschreiten würde, wenn etwas Ungesetzliches stattfinden sollte. (Fr. Ztg.) Frankfurt a. M., 11. Sept. Die Räume der provisorischen Synagoge im Compostellhofe, welche seit der Vollendung der Hauptsynagoge ini Jahr 1860 von den Gemeindeangehörigen traditioneller Richtung besucht worden, füllten sich gestern um 12V2 Uhr mit einer großen Menge Andächtiger. In tief empfundenen Worten gab Rabbiner Dr. Horovitz den Gefühlen Ausdruck, welche das Herz bewegen, wenn man eine liebgewordene Stätte mit einer anderen vertauscht. Insbesondere betonte er, daß nur durch die friedliche, einträchtige Gesinnung innerhalb der Gemeinde die Herstellung des neuen Gotteshauses ermöglicht worden, und mahnte zu fernerer Erhaltung der gottgefälligen Eintracht Um 5V* Uhr fand sodann die feierliche Einweihung der neuen Synagoge am Judenmarkt statt. Das Gebäude ist in italienischer Renaissance gehalten; es enthält 520 Sessel für Männer und auf der amphitheatralisch angelegten Empore 360 Sitze für Frauen. Die in der Mitte angebrachte Estrade (Almemor), welche ganz aus Mamor gearbeitet ist, wurde von den Herren Arthur und Julius May gestiftet; die heilige Lade (Thoraschreil;), die davor angebrachte feste Kanzel, die ewige Lampe und verschiedenes Andere sind aus freiwilligen Gaben hergestellt worden. Uebcr