Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1882)
- Date
- 1882-09-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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950 Juden durch Plünderung und Brandschatzung ebenso wie ihre Mitbürger zu leiden, aber doch nicht in höherem Grade als diese; ja, es kam vor, daß Protestanten vor katholischen Plünderern und Katholiken vor protestantischen Verheerern ihre Habe im Judenviertel bargen und retteten. Noch vor wenigen Jahren hatte die Erinnerung an die Leiden unserer Voreltern nur historische Bedeutung. Unsrer Zeit war es Vorbehalten, die verblaßten Bilder wieder aufzufrischen. Wer hätte gedacht, daß es möglich sei, daß die Schreckensscenen ferner Jahrhunderte sich in unseren Tagen wiederholen? Das blutige Gespenst der rohesten Verfolgung und Mißhandlung unschuldiger Menschen durchschreitet Länder, deren Bewohner so stolz sich der Höhe ihrer Cultur und Eivilisation rühmen. Professoren, Geistliche, Jugendlehrer, Reichstagsabgeordnete schleudern die schrecklichsten Lügen und Verleumdungen gegen die Bekenner des einzigen Gottes und hetzen das Volk zum Mord und zur Plünderung auf. Aber das ist unser Trost, unsere Beruhigung, unsere Sicherheit, daß der einzige Gott uns schützt und daß unsere Feinde, wenn sie auch eine Zeit lang zu triumphiren scheinen, doch am Ende zu Schanden werden, zu Schanden werden müssen. Vom Haman zu Susa bis zum Haman in Frankfurt am Main (so nannte Vinzenz Fettmich sich selbst) hat sie das verdiente Schicksal stets erreicht, und auch die Hamans unserer Tage werden beschämt werden. Aber unsere Pflicht ist es, Hilfe und Zuflucht zu suchen beim einzigen Gott. Er allein ist unser Beschützer und Erretter, und wenn wir zu Ihm zurückkehren mit unserem ganzen Herzen und unserer ganzen Seele, so wird Er uns beim herannahenden Versöhnungstage besiegeln in dem Buche des Lebens und des Glücks, der Rettung und der Hilfe, des Schutzes und der Gnade. Gutachten des Krn. Professor Ar.Aöldeke zu Straßburg, in Bezug auf die neuesten Beschuldigungen gegen die Juden. Es ist traurig, daß immer noch Veranlassung isr, die von der Unwissenheit und Bosheit gegen die Juden erhobene Anklage, daß dieselben zu irgend einer religiösen Feierlichkeit Menschen, resp. Christenblut gebrauchten, ernsthaft zurückzuweisen. Diese Anklage ist eben grundlos, ja solche Gräuel sind allen Grundsätzen des Judenthums durchaus zuwider. Juden, die so etwas begangen hätten, müßten unbedingt aus der religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Die, welche solche Märchen glauben oder nachsprechen, sollen wissen, daß solche Vorwürfe von heimlichen Menschenopfern, ritueller Verwendung von Menschenblut und anderen Scheußlichkeiten im Orient von Alters her wiederholt ganz verschiedenen Religionspartheien gemacht sind, religiöser Haß und falsche Ausdeutung haben das bewirkt. Auch über mehrere christliche Seelen ist dergleichen von anderen Christen behauptet und aus den heiligen Schriften der Mandäer (s. g. Johanneschristen) ließe sich eine schaudervolle Darstellung der Dinge geben, welche die Christen überhaupt zur Feier des h. Abendmahls gebrauchten. Wer behauptet, die Juden verwendeten zu einer religiösen Feierlichkeit Menschenblut, der stellt sich auf den Standpunkt des rohesten orientalischen Religionshasses und Aberglaubens. Dr. Th. Röldeke, ordentlicher Professor an der Kaiser-Wilhelm - Universität in Straßburg. Herren-Alb im Schwarzwald, 20. Aug. 1882.*) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. , Mainz, 18. Sept. Die hier veranstaltete Kleider- 2c. Sammlung für die russisch-jüdischen Emigranten in Berlin hat bis jetzt einen glänzenden Erfolg aufzuweisen. Roch vor sandten wir drei Kisten im Gewichte von ungefähr 20 Centnern nach dort. Die Sammlung hier nimmt ihren Fortgang, da die Roth noch immer eine große. Andere Städte haben inzwischen wohl ihr Bestmögliches gethan. An die Expedition dieses Blattes kamen in Folge der jüngsten Aufrufe Sendungen aus Darmstadt, Gailingen, Heilbronn, Lembach, Miehlen, Wittighausen. Wir hoffen, daß die Betheiligung auch weiterhin eine recht rege sein wird. Treuchtlingerr. Gestatten Sie mir, Ihnen und der verehrlichen Leserwelt des „Israelit" von einer Feier zu berichten, deren erhebender Abschluß gewiß im Herzen aller Leser einen freudigen Widerhall finden wird. Von Seiten des Vorstandes der isr. Gemeinde dahier war beschlossen, das Geburts- und Namensfest Sr. Majestät, unseres allgeliebten Königs durch einen Festgottesdienst zu begehen. Am Vorabende des Festes versammelte sich die isr. Casino- *) Es wäre wünschenswerth, wenn recht viele hervorragende christliche Gelehrte zur Abgabe ähnlicher Gutachten veranlaßt wurden. — Red.