Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1882)
- Date
- 1882-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXHI. Jahrgang. M 38. (X Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von ®r. LeHmann in Mainz. Mittwoch, den 20. September S043 (1882). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs» in mmdestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs l!' ^leichI-Diar!. Man abonnirr ganMhrig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Brrckchcrndlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Peritzeile oder deren Raum. — Oeuerreichische Banknoren laut Cours. — Direcle francojiifcnbung unter Streifband pro Jahrgang 12 NcichZ-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco eiuzusenden. Aa mit dem 1. Gct. 1882 ein neues Huarlak beginnt, so erlauben wir nus, die geehrten Abonnenten daran/ aufmerksam zu wachen, daß namentlich öei der H-ost das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Muterörechnng erleide. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Gedenktag. — Gutachten des Herrn Prof. Ih'. Nöloeke zu Strahbnrg in Bezug auf die neuest.'» Beschuldigungen gegen die Juden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Treuchtlingen Berlin. Frankfurt a. M. Ltranburg. — Ocst.- llitrjar. Monarchie: Wien. 3mal Bitdapest. Aus Pesth. — Feuilleton: Der Sohn der Wittwe. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Aus Mit' teldcutsckland. Feuilleton: Löb Munitz. Inhalt der zweiten Beilage: Telegraphische Depesche: Budapest. Zeitungsnachrichten und Korrespondenten: Deutschland: Schifferstadt. Posen. Schildberg. — Dest.-Ung. Monarchie: Lemberg. Prerau. 7mal Pesth. Brody. — Leitende Artikel. -Lin Gedenktag. Mainz, 11. September. Heute tagt derAntisemiten-Eongreß in Dresden; heute, am 27. Elul, wird in Frankfurt a. M. ein Fasttag gefeiert, n’jyn. Es war im Jahre 1614, wenige Jahre vor Ausbruch des dreißigjährigen Krieges, als die Frankfurter Bürgerschaft sich gegen ihre Obrigkeit empörte. An der Spitze der aufständischen Handwerker stand ein verwegener Mann, der Lebküchler Vinzenz Fettmilch. Er riß dem Magistrat die Negierung aus Händen und begann seine Herrschaft mit der Verfolgung der Frankfurter Juden. Die Inden schlossen die Thore derJudenstadt und versammelten sich in der Synagoge zun: Gebet. Fettmilch und seine Rotte schlugen die Thore ein, plünderten, raubten und mordeten. Die am Leben Gebliebenen, 1380 Personen, mußten mit Zurücklassung ihrer Habe entfliehen. Mitleidige Christen reichten den von allem Entblößten Brod und Kleider, und die kleinen Städte und Dörfer in der Nähe Frankfurts gewährten den Vertriebenen Obdach und Schutze Unterdetz nahm sich sowohl der deutsche. Kaiser Matthias als auch der Erzbischof Johann Schwikard von Mainz und der Landgraf Ludwig von Hessen- Darmstadt der Verfolgten an. Das wilde Regiment der Aufwiegler wurde gestürzt, Vinzenz Fettmilch und seine Genossen wurden zum Tode verurthcilt und hingerichtct; die Juden aber wurden von den Eommissaricn des Kurfürsten von Mainz und des Landgrafen von Hessen im Triumphe nach Frankfurt znrückgeführt, und die Stadt mußte ans Befehl des KaEers den Juden ihren schaden an Hab und Gut ersetzen. Mehr als anderthalb Jahre hatte die Verbannung gedauert, und der Lmg der Rückkehr, der 20. Adar (10. März 1616), wurde als ein Festtag, pjysj'e o'ts, eingesetzt. Wenn auch Me Israeliten in Frankfurt am Main durch jene Verfolgung und Ausweisung schwer gelitten hatten, so kam doch ihre Wiedereinsetzung der gesammten deutschen Judenhcit zu Gute. Ter Kaiser brccher waren zur Verantwortung gezogen und hart bestraft worden. Die Geschichte meldet nichts von Judenverfolgungen während der Stürme des schrecklichen dreißigjährigen Krieges. Wohl hatten die