Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447934--19087-2475153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

942 werden. Durch den Zudrang von Emigranten waren wir genöthigt, unser Terrain fast 272 mal so theuer zu bezahlen, als von uns vor 2 Monaten verlangt wurde; man verlangte nämlich für 1 Dounam 67a Frs. und wir mußten mit Kosten der Papiere und Staatssteuern 15 Frs. bezahlen; eben darum sind wir genöthigt, Hilfe znnächst für die 6 armen Familien von unfern Glaubensbrüdern zu erbitten, damit sie sich eiurichten können, um das Land zu bearbeiten und zu bewohnen. Die Colonie „Rischon le Zion" ist die erste im heil. Laude. Wir haben das Recht, zu hoffen, daß wir im Stande sein werden, die Colonie zu voller Entfaltung und Blüthe zu bringen, weil das Terrain fruchtbar und in. klimatischer Hinsicht in einer der gesundesten Lagen des heil. Landes liegt. Unsre Häuser bauen wir auf einem Hügel, im Centrum des Grundstückes, von wo aus wir die Aussicht auf das Meer und zu gleicher Zeit die Meeresluft genießen. Von der andern Seite, vom Ramlathal aus, erblicken wir dasJehudagcbirge, von wo uns eine erfrischende Luft entgegenströmt. Arbeitskräfte sind genügend da und sind dies lauter Leute, die den Ackerbau verstehen und diese Arbeit gewohnt sind. Die ganze Gemeinde ist von der großen Idee der Wiederbelebung unsrer Nation beseelt, sich auf die Worte des heil. Propheten stützend, und sind wir Alle bereit, Alles zu ertragen, uni unsre Idee zu verwirklichen. Und weil unsre Gemeinde die erste ist, die nach dem heil. Lande gekommen und sich Land eingekauft und sich Häuser baut, so hängt auch selbstverständlich von dem Erfolg, oder, was Gott verhüten möge, von dem Mißlingen der Colonie, der Erfolg der ganzen Bewegung nach dem heil. Lande ab, oder wird die Sache auf Jahre hinausgeschoben. Somit sind die Interessen der Colonie „Rischon le Zion" die Interessen des ganzen Judenthums, und je besser die Colonie in materieller und moralischer Hinsicht eingerichtet wird, je mehr Unterstützungen zukommen werden, destomehr werden wir im Stande sein, den Gegnevn zu zeigen, daß wir wirklich fähig sind, ein neues Leben zu beginnen, und zum Muster für unsre Glaubensbrüder, di nach dem heil. Lande kommen, um sich zu colonisiren, dienen können. Ein Wort der Wahrheit und Liebe, des Zurufes und der Hilfe sagen wir Euch, geliebte Glaubensbrüder: „Heilig ist die Arbeit des heiligen Projectes der Colonisation der Hebräer im heil. Lande". Die Sache an und für sich braucht keine Verteidigung und keine Rechtfertigung. Es ist eine Pflicht eines jeden Hebräers, dessen Herz für das Wohl des Judenthums schlägt, ein Echo dieser Worte zu sein, unserem Volke zuzurufen.- „Im Lande deiner Väter, im auserwähltcn Lande, welches Gott allein Seinem Volke bestimmt, ist eine junge Pflanze des Judenthums, „Rischon le Zion," gesäet, die gepflegt und unterstützt werden muß, weil sie unserem Volke zum Muster und zur Freude dienen soll. Die gute Harfe läßt ihre süßen Töne bei der leisesten Berührung erklingen, dem guten Menschenherzen braucht man nicht viel Worte zu sagen, um es für die gerechte Sache zu gewinnen. Und Ihr, Brüder und Glaubensbrüder, seid doch Bene Rachmonim, und der Lobgesang des Volkes und der Lobgesang des Engelchores tönt laut: „Heil, heil Euch, die dem edlen Werke, den ersten Stein zur Sicherheit und zum Frieden Israels zu legen, geholfen." Gottes Segen sei mit Euch! Die Gemeinde Rischon le Zion verpflichtet sich, diejenigen Gaben, die speziell für die Gemeinde bestimmt, nach dem Ablaufe von 5 Jahren zurückzuerstatten und zwar in folgender Weise: Aus den Geldern soll ein Fond gebildet werden, der zur Einrichtung neuer hebräischen Colonien dienen soll. Im Namen der Gemeinde spreche ich hierdurch meinen aufrichtigen Dank Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Di'. Lehmann, der auch in dieser heiligen Sache den Anfang machte und von den bei ihm eingegangenen Sammelgeldern die erste Spende in Summe von 600 M-*) uns übersandte. Gebe Gott, daß die edle That vieleNachahmer finde. Zu gleicher Zeit erklärt sich Herr Dr. Lehmann bereit, einmalige Gaben sowie Spendungen in Terminen zun: Zwecke für die Armen oder zu gemeinnützigen Zwecken der Gemeinde, wie zur Erbauung einer Synagoge, eines Schulhauses, zur Herbeischaffnng eines amerikanischen Windmotors zur Bewässerung der Plantagen und Gärtnereien u. s. w. entgegenzunehmen. Der Gesandte der Gemeinde „Richon le Zion" für Europa. Joseph Feinberg. Mainz, 7. September. (Herr Feinberg hat uns die Statuten der Gemeinde „Rischon le Zion" vorgelegt. Paragraph 1 stellt als Ziel, die Förderung der Colonisation des heiligen Landes durch Israeliten auf; in Paragraph 2 wird als unauflösliche Bedingung den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, im Geiste der Thora zu leben und deren Gesetze zu beobachten; in Paragraph 3b verpflichten sich die Mitglieder p*o nvi^nn rmso bi „alle diejenigen Gebote, welche sich an das heilige Land knüpfen," zu beobachten; nach Paragraph 37 soll bei Streitigkeiten die Entscheidung der Rabbinen von Jerusalem angerufen werden. Cs ist daher zu hoffen und zu erwarten, daß die in Rede stehende Colonie die Ehre des Judenthums wahren und die Fahne unserer heiligen Religion Hochhalten wird. Wir empfehlen daher die Zwecke derselben und *) Von diesen 600 M. sind uns 250 M. von Herrn Rabbiner Hirsch in Franksurt a. M. übergeben worden. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.