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Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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935 Juden aufgehoben werden müßten, ebenso wie die bekannte vom militärmedizinischen Ressort erlassene Verordnung. „Solange das nicht geschieht, so lange überhaupt die Regierung den Weg der Beschränkungen nicht verläßt und an Stelle dessen, den der immer größeren Erweiterung des Rechtenkreises der Juden betritt, und auf diese Weise durch positive Gesetzesakte der öffentlichen Meinung im Volke nicht zur Erkenntniß verhilft, daß sie die Juden nicht anders ansehm und behandeln will, als wie alle übrigen Unterthanen — so lange hält es schwer, sich der Hoffnung hinzugeben, daß die traurigen Akte der Vergewaltigung und Raserei, deren Zeugen wir im Laufe von 17 Monaten wiederholt gewesen sind und die dieser Tage aufs Neue stattgefunden haben, nicht mehr Vorkommen sollten, bald hier, bald dort, bald von größerem, bald von geringerem Umfange." Türkei. Konfianlinopel. Die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland werden jetzt allmählich wieder von hier nach Odessa befördert. So lange Said Pascha Großvessier ist, wird die Frage der jüdischen Einwanderung nach der Türkei wohl kaum geordnet werden. Feuilleton. Jöfi Wllllih. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Herr!" fuhr Feisch im hellen Zorne empor. „Bechaji roschi wenasschi! ich dulde es nicht länger, daß Ihr Euch und Andere, und Euren eigenen Sohn um thörichter Gedanken willen, betrügt, — und um des Lebens Glück betrügt, ich duld's chai haschem Zwoos') nie und nimmermehr! Ich Hab' es mir mit meinem höchsten Eide gelobt, wenn uns Gott das Neß erweist und Euch genesen läßt, ich dieses thörichte Gaukelspiel nimmer dulde! ..... Schlagt mich! Flucht mir! jagt mich, der ich Euch und Eurem Hause, schon Eurem Großvater, siebzig Jahre gedient, als achtzigjähriger Greis mit weißen Haaren aus Eurem Hause — mir gilt das gleich! jetzt spreche ich die Wahrheit, und wollte Gott die ganze Welt möchte sie hören! Wollt Jhr's, könnt Jhr's leugnen, daß unser herrlicher Benjamin, der edle Sprosse eines edlen Stammes, Euer leiblicher Sohn ist? Sagt nein, wenn Jhr's vermögt! .... Herr Benjamin, ich — Feisch Jchenhausen. der niemals noch gelogen, wenn auch leider oft genug mit schwerem Herzen freventlich die lautere Wahrheit verschwiegen; ich sag' es Euch — Reb Löb Munitz, in Frankfurt nannte man ihn Reb Löb Prager, ist Euer Vater, Ihr, sein und der edlen Channa, Simon Kannstadt's Tochter, Sohn." Einen Augenblick schienen Feisch's Worte unverstanden an Benjamins Ohr zu schlagen; — aber schon im nächsten Momente überkam ihm das glückliche Gefühl der Unbegreiflichkeit, daß er seinen Vater als solchen nicht in dem ersten Augenblicke ihres Begegnens, in jener Schreckensnacht erkannt hatte. „Mein Vater," schrie er, warf sich auf die Knie vor ihm und bedeckte seine Hände mit glühenden Küssen, „o! das hätte ich ahnen sollen, wer anders als ''m Vater stürzt sich in die Flammen, um sein Kind zu retten! Das ist die schönste Stunde meines Lebens, jetzt habe ich gedoppelte Pflicht, gedoppeltes Recht Dich zu lieben, Dich zu ehren!" Munitz versuchte es vergeblich, sich Benjamins stürmischen und rührenden Liebkosungen zu entziehen, und sich im Tone schweren Vorwurfs an Jchenhausen wendend, sprach er verwirrt: „Feisch! .... alter Mann! so treib'doch keine Narrenspossen, und setz' dem jungen Menschen da nicht verrücktes Zeug in den Kopf! .... Wenig Ehr' und Nutzen wird es ihm bringen — für meinen Sohn zu gelten — vergiß es nicht Feisch! — ich . . . . bin Löb Hund! — ich b i n's a u ch, der Name ist wohlverdient — ich muß und will bis an mein Lebensende Löb Hund bleiben!" „Mekaß Reb Löb!" schrie Feisch und Thränen der Rührung und des Zornes standen ihm in den treuen Augen, „ich will den Schem Kinne nie, nie mehr in diesem Leben von Euch hören; — sonst, — es fiele mir nicht leicht mich von Euch zu trennen; — aber bei dem lebendigen einig-einzigen Gott — trennte ich mich von Euch und lief von Euch so weit mich meine armen, alten Füße tragen, — und wollt Euch nimmer wieder sehen!" „Aber Feisch! Du gutes, altes Narreleben!2) was nützt es, wenn i ch's nicht sag' .... Gott Lob und Dank, ganz Prag nennt mich so, und Du weißt es am Besten, — wie herzlich es mich freut, daß die Leute mir gerade diesen Namen geben!" „Ah! Ah!" sprudelte Feisch vor Zorn und vor Eifer kaum des Wortes mächtig, und im nächsten Momente wieder freudvoll auflachend, während Benjamin mit offenem Munde verwundert in die Züge 1) So wahr Gott der Heerschaarcn lebt. 2) Lieber Narr, liebes Närrchen.

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