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Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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der erregten, streitenden Männer blickte, „auch das ist, ich weiß wahrhaftig selber nicht warum, seit wenigen Stunden nicht mehr wahr, der liebe Gott muß uns breachmow horabimb) eines Neß gewürdigt haben; — seit heute Morgen, da kommen Leut' in Hellen Haufen in's Vorzimmer gestürmt und erkundigen sich athemlos fast, liebevoll nach Euerem Befinden, und haben auch erzählt, man habe in allen Synagogen für Eure Genesung gebetet, die Leute sagten: T'fillas de rabbim^) wird Euch Refuo Schlemo bringen; das kann wohl auch sein, dacht ich mir; aber Eure Sochius^) haben Euch gerettet! . . . „Meine Sochius!" unterbrach ihn Munitz ironisch und seufzte tief auf, „aber," fuhr er mit besorgter Miene fort, als wenn ihm Feisch etwas höchst Unangenehmes mitgetheilt hätte, „wie so ist denn das gekommen „Das weiß ich nicht, das ist mir beemmeZb) selbst unerklärlich, aber es ist so und auch jetzt höre ich wieder Schritte im Vorzimmer, gewiß wird wieder Jemand da sein, sich um Euer Befinden zu erkundigen;" aber bevor noch Feisch seine Absicht in's Vorzimmer zu gehen, auszuführen vermochte, ward zuerst bescheiden an die Thüre geklopft und der Bes- Din-Schammes 7) Reb Dan, ein großer, ganz schwarz gekleideter Mann mit einem langen schwarzen Barte, einem stattlichen Dreimaster auf dem Kopfe, ein dickes Bambusrohr in der Hand, trat ein, und sich höflich an Feisch wendend, sprach er: „Der Row hat mir befohlen, hier vor dem Hause auf den Arzt zu warten, über Mekaß Reb Löb Munitz Befinden Erkundigungen eknzuziehcn und darüber sofort Bericht zu erstatten. Boruch haschem, ich habe zu meinem großen Raches das Beste erfahren und die Rofim^) haben gesagt, wenn Mekaß Reb Löb eine kräftige Mahlzeit zu sich genommen und dann darauf ein Stündchen geschlafen haben wird, er im Stande sein wird, Besuch empfangen zu können, und da lassen denn unser Row, der Frankfurter Row und unser Primator fragen, ob sie nach Tisch, so etwa um zwei Uhr, sich die Kowod Z nehmen können, bei Mekaß Reb Löb ihre Visite abzuftatten?" Munitz erhob sein Haupt und blickte zuerst den Boten verwundert an; allein er war ein kluger Mann und erkannte bald den Zusammenhang. Der Frankfurter Row mußte, gewiß nur durch irgend einen Zufall seinen Aufenthaltsort erfahren und dem Row Mittheilungcn über ihn gemacht haben. „Ah!" ''einer groszen ^.u'mhertzgkeil. ■4) Tao ‘rc6et der M.-nge. 5) Verdienste. <ii v\u 7i :Kat)()!iK'i5bieni'r. Ni;Hci'Uo.!> > iw rief er, „was können solche große Männer von Löb . . . er begegnete einem drohenden, fast feindlichen Blicke seines treuen Dieners und verschluckte heftig und widerwillig das dem alten Feisch so widrig klingende Wort . . . wollend ich . ♦ ♦ Aber Feisch ließ seinen Herrn den Satz nicht vollenden und schrie: „Reb Dan, sagt nur, der Herr wird sich freuen, diese Gedole hador bei sich zu sehen," worauf sich der Bes-Din-Schammes entfernte. Benjamin befand sich in einem eigenthümlichen traumähnlichen Zustande, und es gehörte in der That ein ungewöhnlich starker Geist dazu, sich in die Verwunderlichkeit der Verhältnisse, die sich sonderbarer gestalteten, als es sich der phantasiereichsle Menschengeist auszudenken vermochte, hineinzuleben. Er hatte seinen Vater gefunden. Vater! ein Wort, ein Begriff, so schön, so heilig wiewenig andere; — und sein Vater, war sein Wohlthäter, sein Lebensretter gewesen; — und noch was mehr als Alles das; — der Mann, den er geliebt, war verbittert, menschenfeindlich, ja selbst gegen ihn kalt und abweisend gewesen, war deßhalb von allen Andern gehaßt, verachtet worden unb der Gedanke, warum sein Wohlthäter, eben so war, hatte ihn schmerzlich gequält, und nun schien die finstere Wolke, die sein ganzes Wesen in unheimliches Dunkel hüllte, sich zu verdünnen, durchsichtig zu werden, hoffentlich bald in Nichts zu zerfließen; — wie Feisch gesagt, hatte seit kaum 24 Stunden eine große Zahl bon Personen, sich mit lebhafter Theilnahme über feine; Vaters Befinden erkundigt, während sich früher, in vollen drei Wochen, außer Reb Kalmen Opotschm und dessen Sohn, kein Mensch um ihn gekümmert hatte, es hatte sich offenbar in der öffentlichen Meinung eine Wandelung zu Gunsten seines Vaters vollzogeti. — Es gab in dem Momente für Benjamin nichts Wünschenswertheres als seinen Vater oder Feisch mit Fragen über seine Mutter, seiner Eltern Vergangenheit zu bestürmen, aber sein Vater mit! dessen älter Diener befanden sich in einer Aufregung die kaum kleiner als seine eigene war; sein Vater sah einem Besuche von großer Bedeutung entgegen, zu dem er sich sammeln mußte, und er war, mehr noch durch Intuition als durch Erwägung zu der Uebcrzeugung gelangt, er würde durch dre gefeierten Besucher'Aufklärung erhalten; sollte er sich hierin | doch getäuscht haben, konnte er sich dann noch stettau seinen Vater wenden; und so bekämpfte er gewaltsam seine Ungeduld, saß äußerlich ruhig, wortlos neben seinem Vater, nur zuweilen im Ueberströmen kindlichen Gefühles, dessen Hand ergreifet und stürmisch mit Küssen bedeckend. (Fortsetzung folgt.)

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