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Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Leilagr z« Kr. 37 des Israelit. Leitender Artikel.! Dritter Monatsbericht des Deutschen Mntral-Tonnt« s für die russisch-jüd. Ilüchttinge. (Juli 1882). Ende vorigen Monats hat das Londoner Eomitö seine Expeditionen von Brody nach dem Innern Nordamerikas eingestellt, obschon nach eingegaugcucu Berichten etwa an 13,000 Seelen noch in Brody aus die Beförderung warteten. Dies erzeugte vollständige Muthlosigkeit. Um dieser entgegenznwirken, be-! schlossen wir, noch eine weitere gut zusammengesetzte i Gruppe arbeitsfähiger russischer Inden nach Amerika > zu befördern und dies ist in diesen Tagen ausgeführt worden. Die Hebrew Emigrant Aid Society zu New- Z)ark, welcher wir eine Beihilfe von 100,000 Mark gewährt hatten, schrieb uns, daß diese zu rechter Zeit augekommen sei, denn während des Bestandes der Gesellschaft habe sie 8670 Flüchtlinge einpfangen, für 6470 Beschäftigung gesunden, 140,523 Dollars gesauunelt und 112,250 Dollars ausgegebeu, vom 1?. Juni bis 17. Juli im Ganzen 105 Köpfe nach Europa zurückgesandt (und zwar lediglich chronische Kranke, sowie Erwachsene nur auf ihr dringendes Bitten), endlich, daß sie bereit sei, 100 wöchentlich neu zu empfangen, wenn sie entsprechende Geldhilfe erhielte. Die letzte Zusicherung ist von Bedeutung für alle auf dem Continent noch befindlichen Flüchtlinge, welche aus irgend einem zwingenden Grunde nicht nach Rußland zurückkehren können. Während durch die Einstellung weiterer Beförderungen im größeren Maaßstabe dem New - Aorker Comittz Zeit gelassen wurde, die dort von allen Seiten Nord - Amerika's zusammenströmenden, durch das Mansion-House- Eomite in das Innere Amerika's dirigirten Flüchtlinge allmählich unterzubringen, trat um so schärfer die Aufgabe in den Vordergrund, für die Unterbringung der noch in Brody weilenden circa 13,000 Flüchtlinge zu sorgen. Hierbei kam der Umstand zu statten, daß einige ernste Rescripte der russischen Regierung dem traurigen früheren Zustande ein Ende machten, und daß in Rußland selbst sich eine den Juden günstigere Stimmung verbreitete. Mit dem Aufhören jenes Zustandes siel der unmittelbare dringende Anlaß zur Auswanderung aus Rußland fort und es konnte die Liste der Emigrirten in Brody geschlossen werden. Die österreichische Regierung traf Maßregeln, um neuen Zuzug zu verhindern. Ein Privatmann, Herr Veneziani, welcher längere Zeit in Brody geweilt hatte, um sich Werken der Wohlthätigkeit zu widmen und reichliche Mittel hierzu von Paris aus zur Verfügung erhalten hatte, entwarf einen Plan, wie man am zweckmäßigsten Brody von den Flüchtlingen räumen und diesen zur Begründung einer neuer? Heimath verhelfen könne. Die „Alliance Jsr." zu Wien entwarf etwa gleichzeitig einen andern Plan. Alle größeren Eomits's, von denselben in Kenntnis; gesetzt, trafen in Wien zu einer Eouferenz zusammen, deren Resultat aus der Anlage ersichtlich ist. Zu der daselbst unter Ziffer 3 erwähnten Eommission haben wir keinen Delegirten gesandt. Die Schwierigkeiten in Brody haben sich in Etwas gemindert, da mit der Zurücksendung der Flüchtlinge nach Rußland in großem Maßstabe fortgesahren wird und man für den Augenblick wohl annehmen kann, daß es sich nur noch um etwa 5000 Köpfe handelt. Ein Theil derselben, des langen Wartens nrüde, getäuscht in der Hoffnung, in ein freies Land zu glangen, und durch die aus Amerika und London Zurückkehrenden belehrt, daß nach Ankunft in dem fremden Lande die Schwierigkeiten des Einzelnen erst in erhöhtem Maaße beginnen, kehrt freiwillig nach Rußland zurück und erhält von dem Comittz zu Brody außer den Reisekosten noch ein mäßiges Unterstützungsgeld für den allerersten Anfang. Die von allen Landescomitö's nach den Wiener Beschlüssen beizutragenden Gelder sind bestinimt, die Rückkehr der Emigrirten in die ihnen bekannten Verhältnisse zu fördern und ihnen eine etwas reichlichere Unterstützung zu gewähren. Unser Comiw hat zur Zeit eine zwar wesentlich geringere aber doch gleichartige Aufgabe wie das zu Brody bestehende, da fast alle aus Amerika oder England Zurückkehrenden Berlin passiren; es verfährt im Wesentlichen ebenso wie das erwähnte Eomittz. In der Absicht, mehreren der nach Rußland Zurückkehrenden Familien eine Hoffnung für die Zukunft zu eröffnen, haben wir in Gemäßheit eines im früheren Berichte bereits erwähnten Beschlusses eine Zahl von Knaben ihnen entnommen und lassen diese in Berlin zu thatkräftigen und arbeitsamen

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