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Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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931 213 Kindern in verschiedenen Logirhäusern. Die Kost der Leute ist nichts weniger als opulent und werden ihnen täglich nur zwei Mahlzeiten verabreicht, die zumeist aus Kaffee oder Thee und Brod am Morgen, und aus Suppe, Reis und Kartoffeln am Mittag bestehen; Fleisch figurirt nicht auf dem Küchenzettel und nur am Samstag erhalten sie je ein Ei. — Aus diesen objectiven Darstellungen geht wohl zur Genüge hervor, daß die Klagen der bedauernswerthen Heimathlosen nicht unberechtigt sind nnd daß die in vielen deutschen Blättern m tendenziöser Weise verbreiteten Nachrichten über die Arbeitsscheu und Unverschämtheit derselben jeder thatsächlichen Begründung entbehren. Feuilleton. per Sohn der Wittwe. VII. Wir haben bereits erwähnt, daß Adolph namentlich diejenigen Gegenden aufsuchte, in welchen es noch keine Eisenbahnen gab. Die Bewohner der Dörfer, die sich in der Nähe der Eisenbahn befanden, zogen es vor, selbst in die Stadt zu fahren, und dort ihre Einkäufe zu besorgen. Es war an einem schönen Sommermorgen, als Adolph, mit einem schweren Packen belastet, nach Westen hin marschirte. Nach Norden, Süden und Osten zogen sich schon die Eisenstränge und. auch nach Westen war bereits die Legung eines Schienenweges geplant, aber noch nicht zur Ausführung gebracht. — Die Ehaufföe zog sich aufsteigend über ein anmuthiges Hügelland, durch fruchtbare, mit Obstbäumen begrenzte Felder hindurch, auf denen das blühende Korn im Winde hin und her wogte. Der Morgen dämmerte erst; aber schon erhob sich aus deni Kornfelde die .Lerche, um ihr Jubellied dem reinen Aether entgegen zu schmettern. Zur Rechten des Wanderers erhob sich das hohe Gebirge, dessen einzelne Gipfel im Halbdunkel gleich mächtigen Riesen erschienen. Als Adolph auf der Höhe angelangt war, blieb er stehen und blickte hinter sich. Ein entzückender Anblick bot sich ihm dar. Zu seinen Füßen lag weit sich ausdehnend, von den Wellen des Stromes bespült, von Rebenhügeln umschlossen, seine geliebte Vaterstadt mit ihren zahlreichen Thürmen, ihren herrlichen Prachtbauten, ihren wundervollen Villen. Dort lag wohl noch Alles im tiefsten Schlafe, sein liebes Mütterlein und das holde Mädchen, das er so gern seine Braut genannt hätte und das ihm unerreichbar schien! — Mit dem Nebel kämpfte die ausgehende Sonne; vergeblich suchten die Dunstwolken das strahlende Antlitz der Königin des Tages zu verhüllen; siegreich stieg sie empor, Alles belebend und erhellend, die Thautropfen an den Bäumen und Gräsern vergoldend, die ganze Natur zu neuem Leben wachrufend. Mit entzücktem Auge erschaute Adol h das emporsteigende, glänzende Gestirn. „Und die ihn lieben, werden sein wie die Sonne, die da hervorgeht in ihrer Kraft! — So hat es Gott durch den Mund seiner Propheten verheißen. Dieser Gedanke soll mich ermuntern und aufrecht erhalten in allen trüben Lagen des Lebens." Nachdem Adolph so gesprochen, setzte er seinen Packen ab, legte seinen Stab aus der Hand, holte die Tephillin herbei, um das Morgengebet zu verrichten. Das Tallis legte er nicht an, um vor etwaigen Wanderern nicht zu auffallend zu erscheinen. Deßhalb begnügte er sich damit, das Tallis-Koton, das er unter seinen Kleidern trug, hervorzuziehen und die Zizioth bloszulegen. Wie betete er so andächtig in der schönen, freien Natur! Nachdem er sein Gebet vollendet hatte, lud er seinen Packen wieder auf, nahm seinen Stab in die Hand und setzte seinen Weg fort. Hinter ihm erschollen Schritte; ein Viehhändler aus seiner Vaterstadt rief ihm einen fröhlichen „guten Morgen" zu. „Erlauben Sie," sagte der Mann, nachdem Adolph seinen Gruß erwiedert hatte, „daß ich neben Ihnen herschreite?" „„Gewiß,"" entgegnete der Angeredete. „„Der Weg ist weit und Gesellschaft ist süß, sagen unsere Weisen "" „Was Sie so gelehrt sind! Und doch müssen Sie mit einem schweren Packen beladen das armselige Geschäft eines Hausirers betreiben!" „„Der Mensch ist zur Mühseligkeit geboren, heißt es im Buche Hiob. Auch Sie sind nicht immer auf Rosen gebettet."" „Da haben Sie Recht. Sehen Sie das Dorf dort? Da ist mir einmal eine hübsche Geschichte passirt. Es war am Fasttage des neunten Ab; da wurde ich von meinem seligen Vater, es mögen jetzt wohl zehn Jahre her sein, ausgeschickt, eine Kuh zu holen. Der Nachmittag war sehr heiß, und ich hatte einen weiten Weg zu gehen. Als ich an jenem Dorfe vorüberging, erblickte ich eine offene Scheuer. Man hatte gerade das zweite Heu eingebracht. Der Fasttag, der Weg, die Hitze hatten mich sehr ermüdet, und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, mich ein wenig auf das duftende Heu hinzustrecken. Bald schlief ich ein, und als ich erwachte, fühlte ich einen furchtbaren Hunger und einen brennenden Durst. Ha, dachte ich, ich habe gewiß bis tief in die Nacht hineingeschlafen. Als ich das Scheuerthor öffnete, strömte mir das helle Tageslicht ent-

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