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Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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980 schicken. Im Letzten Monat seien von der Unterstützungsgesellschaft über 40,000 Dollar ausgegeben worden, eine Summe, die hinreichend genüge, um sämmtliche Flüchtlinge zurückzusördern. Allein die Beamten der Gesellschaft hätten ein Interesse daran, sie so lange wie möglich hier zu halten, damit sie fetten Salair weiter beziehen könnten. Ein Berichterstatter eines hiesigen Blattes begab sich nun am andern Tage, um die wirkliche Ursache ihrer Unzufriedenheit kennen zu lernen und um den Gerüchten über ihre Arbeitsscheu entgegentreten zu können, nach dem Battery Park, — dem an Castle Garden anstoßenden herrlichen Square, von wo aus man eine grandiose Rundsicht auf den Hafen mit seinen unzähligen Schiffen und seinen in saftigem Grün prangenden Inseln und Auen genießt, — woselbst sich die Flüchtlinge des Tags über aufzuhalten pflegen, und erhielt von ihnen folgende Aufschlüsse: „Gewiß möchten wir wieder zurück," sagte der Eine auf die diesbezügliche Frage des Berichterstatters, „denn was sollen wir in diesem Lande thun, wo man uns weder Arbeit noch Nahrung geben will. Wir dachten in ein freies Land zu kommen, wo wir uns redlich ernähren könnten, sind aber nur aus dem Regen in die Traufe gerathen; wir suchten Verfolgungen zu entfliehen, haben uns aber neuen ausgesetzt." ..Es heißt aber, Ihr wollt nicht arbeiten und Ihr könnt nicht erwarten, daß andere Leute Euch ernähren?" wandte der Berichterstatter ein. „Glauben Sie das ja nicht, lieber Herr, was man in dieserHinsicht von uns erzählt," sagte der Flüchtling mit Wärme. „Es mag wohl Einige unter uns geben, die arbeitsfaul sind, die Mehrzahl ist aber gerne bereit, irgend etwas zu thun, um nur das Leben fristen und die Familie ernähren zu können. Viele von uns haben draußen auch als Handwerker und in Fabriken gearbeitet, sie sind also an harte Arbeit gewöhnt: aber man bietet uns ja keine Arbeit an. Die Gesellschaft schickt wohl Leute hie und da fort, nach entfernten Orten, ohne sich aber darum zu kümmern, ob sie die ihnen übertragene Arbeit verrichten können. Neulich wurde eine Anzahl nach einer Gegend geschickt, wo sie unter der sengenden Gluth der Sonne die schwerste Arbeit verrichten mußten; als mehrere der Hitze erlagen, weigerten sich freilich die Anderen weiter zu arbeiten, und als sie verlangten, daß man ihnen ihr verdientes Geld bezahlen solle, wurde ihnen gesagt, sie seien noch 9 Dollars pro Mann für die Bahnfahrt schuldig. Können Sie es unter den Umständen den Leuten verargen, wenn sie von dem Lande enttäuscht sind, von welchem man ihnen solche große Versprechungen machte?" „Hat man Euch denn Versprechungen gemacht?" frug der Berichterstatter. „Und wie große," fielen mehrere Stimmen ein. „Man hat uns gesagt, wir würden bei der Ankunft entweder Farmen oder Mittel zum Geschäfte bekommen." „Wer hat Euch diese Versprechungen gemacht?" inquirirte der Berichterstatter. „Die Leute, welche uns herschickten; auch in denZeitungen hieß es, daß der amerikanische Gesandte oder Konsul Namens der Regierung solche Versprechungen gemacht habe." Die weitere Unterhaltung wurde durch einen hinzukommenden Parkpolizisten in brutaler Weise gestört, indem er mit seinem Knüppel auf die Unglücklichen eindrang und dem Berichterstatter, als dieser die letzteren in Schutz nehmen wollte, eine gleiche Tracht Prügel in Aussicht stellte! Der Reporter beschwerte sich natürlich bei dem Sergeanten der Parkpolizei, wurde aber bedeutet, daß der Knüppelhcld sich in seinem Recht befinde, da Zusammenrottungen aus öffentlichen Plätzen verboten seien. Die Flüchtlinge befinden sich ihrer Angabe gemäß zwischen zwei Feuern. Wenn sie sich dem Bureau der Uuterstützungsgesellschaft ohne Erlaubnißschein nahen, knüppelt sie der vor demselben stehende Blaurock und gehen sie in den Park, dann knüppelt sie ein Granrock (die gewöhnlichen Polizisten tragen nämlich blaue, die Parkaufseher graue Uniform). Daß sie bei solcher zarten Behandlung sich manchmal zu Ausschreitungen Hinreißen lassen, kann man ihnen wahrlich nicht verdenken. — Ter Berichterstatter besuchte aber auch noch dm Secretär der Unterstützungsgescllschaft, um von ihm Auskunft über die colössale Höhe der Ausgaben des letzten Monats zu erbitten. Herr Levy, der Secretär, legte dem Interviewer in der zuvorkommendsten Weise den Ausweis vor, worin folgende Posten figuriren: Saläre für Beamte Doll. 1505.64; Miethe Doll. 158; Schreinerarbeiten Doll. 106.82; ein Polizist Doll. 67.95; Herrn Goldmann's Ausgaben auf seiner Eolonisationstour im Westen Doll. 405; Anzeigen Doll. 95; Stenograph Doll. 55; Schreibmaterialien und Drucksachen Doll. 325.01; Postmarken und Telegramme Doll. 187.24; Verschiedenes Doll. 272.93; Kost und Wohnung für die Flüchtlinge Doll. 11,546.80; für die Flüchtlinge auf Wards Island (Kranken-Hospital) Doll. 2201.24; Transportkosten nach Europa und nach Orten der Ver. Staaten Doll. 9575.54; Kleider Doll. 1498.63; Unterstützungen Doll. 5204.43; Brooklyner Flüchtlinge Doll. 1971.52; Vineland Colonie Doll. 5313.61; Colorado-Colonie Doll. 1617.10; Zweigvereine Doll. 1151.24; zusammen Doll. 43,657.30. — Im letzten Monat wurden nach der Angabe des Herrn Levy 150 Personen, die theils krank, theils eine große Familie haben, nach Rußland zurückgesandt. Die Gesellschaft hat indeß noch für 1250 Flüchtlinge zu sorgen; 350 sind auf Wards Island untergebracht, 250 in Greenpoint resp. Brooklyn, 300 im Castle Garden und 288 Frauen mit

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