Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-09-13 · Heft 37 (13.9.1882) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 37 (13.9.1882)
Date
1882-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447934--19071-2475137
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

926 Israel, daß der Gott Jakobs einen besonderen Gerichtstag eingesetzt hat." (Psalm 81 V. 4 und 5). Wie alle Gottesgebote nur zu unserem Besten gegeben worden sind, so verhält es sich auch mit der Bestimmung des göttlichen Gerichtstages. Es liegt in der menschlichen Natur, daß man gegen das, was täglich und stündlich eintreten kann, gleichgiltig wird. Sebst an den Tod denken die Menschen nicht, wiewohl die tägliche Erfahrung lehrt, daß starke und kräftige Leute ohne jegliche Vorbereitung plötzlich hinweggerafft werden. Deßhalb hat der allweise Gott den ersten Tag des Jahres zum Gerichtstage bestimmt, damit wir uns für ihn vorbereiten und durch Buße und Besserung das Urtheil mildern, damit wir Gnade und Verzeihung erlangen können. Denn nicht wie ein menschlicher Richter ist Gott; jener muß nach den Buchstaben des Gesetzes das Urtheil fällen; aber Gott ist der König des Weltalls; Er kann begnadigen und verzeihen nach Seinem heiligen Willen. Deßwegen tritt auch am Neujahrstage die Anerkennung Gottes als König (mwva) in den Vordergrund unsrer Gebete. Da der König das hohe Vorrecht der Begnadigung hat, darum flehen wir zu Gott, daß Er als König des Weltalls das strenge Urtheil mildere und Gnade und Verzeihung gewähre. Aber wir müssen uns der Gnade des Weltenkönigs würdig machen. Wir müssen Einkehr bei uns halten und unser Thun und Lassen sorgfältig prüfen. Alle Gesetze, die uns Gott gegeben, sind uns lediglich zu unsrem eigenen Besten geworden, id na pnsn c«. Wenn Du fronttu und brav bist, was wirkst Du für Ihn? Er bedarf Deiner nicht und nicht Deiner Wirksamkeit; Er ist unendlich reich, und Du vermagst Ihm nichts zu geben. Gott aber liebt uns und in Seiner Liebe zu uns, hat Er Sein Gesetz so groß und herrlich gemacht, um uns zu beglücken in dieser und in der künftigen Welt. Und nicht der geringste Beweis Seiner Liebe zu uns ist, daß Er den Tag des Gerichts eingesetzt hat, auf daß wir nicht versumpfen in der Alltäglichkeit des Lebens und nicht erliegen unter der Wucht der Leidenschaften, auf daß der Mensch sich wieder erhebe, wenn er gefallen ist, und wenn er gesündigt hat, den Weg zurückfinde zum Herzen seines Vaters im Himmel. Das größte Unglück ist die Sünde; sie vernichtet das Glück der Menschen hienieden und gibt ihn dem ewigen Verderben Preis. Das größte Glück ist, sich von der Sünde reinigen und sie abschütteln zu,können, und die großen furchtbaren Tage bieten uns dazu die Gelegenheit. Daher ist der Tag des Gerichts zugleich ein Festtag, ein Freudentag, und der Psalmist leitet ihn ein mit den Worten: „Jauchzet zu Gott, unsrem Hort, jubelt dem Gotte Jakobs; erhebet Gesang und Paukenschall, lasset lieblich die Harfe sammt dem Psalter ertönen; stoßet am Neumondstage in den Schofar, an unsrem Festtage, an welchem der Mond verhüllt ist; denn eine wohlwollende Bestimmung ist es für Israel, daß der Gott Jakobs ein Gerichtstag eingesetzt hat." Das verflossene Jahr hat der Gemeinde Israels viel Trübes und Trauriges gebracht; es hat aber auch die alten jüdischen Nationaltugenden der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit in ihrem alten Glanz? neu erscheinen lassen. Möge das neue Jahr nur Freudiges bringen, und möge der allgütige ©ott uns Alle einschreiben und besiegeln zu Glück wß Leben. Amen! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr Deutschland. Berlin. Bedeutend größer als die Zahl k: »Blinden und Taubstumm, selbst zusammengenomW!, ist die Anzahl der Geisteskranken, welche unter ortsanwesenden Bevölkerung des preußischen Staats bei der letzten Volkszählung ermittelt wordeli fei Danach fanden sich am 1. December 1880 m: 66.345 Geisteskranke, und zwar 34,309 mämM und 32,036 weibliche; dagegen am 1. DecenA 1871: 55,043 Geisteskranke, und zwar 28,002 mäiesi liche und 27,041 weibliche. Die durch die VoO zähluug festgestellte Zahl der Geisteskranken hat alM seit 1871 einen Zuwachs von 20 pCt. erfahm während die Bevölkerung überhaupt nur um 10 6 Ml größer geworden ist. I Der Religion nach vertheilen sich die GeimI kranken dahin, daß unter je 10,000 EvangelMl 24,i, unter der gleichen Anzahl von Katholiken 23;,I von Israeliten 38,s und unter 10,000 BekennenI anderer Religion 18 Geisteskranke Vorkommen. | Frankfurt a. M. Von der bei der Volk? zählung ermittelten Bevölkerung war das ReligiiM bekenntniß evangel.-protest. bei 39,147 männl., 44,6$ weibl. Personen, römisch- und altkatholisch m 17,814 männl., 19,964 weibl. Personen, israel. 6914 männl., 6942 weibliche Personen. Nach Pr? centen entfallen auf die Evangelischen 61.25, tu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.