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Der Israelit · 1882-09-07 · Heft 36 (7.9.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 36 (7.9.1882)
Date
1882-09-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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912 W jamin und Feisch der Mittagsstunde entgegen. Zu des treuen Dieners höchsten Verwunderung hatten heute Vormittag zahllos viele Personen sich über seines Herrn Befinden erkundigt, und da sie im Vorzimmer Geräusch verursachten, hatte er Allen erklärt, daß der Kranke der größten Ruhe bedürfe. Um elf Uhr war der jüdische Arzt in Begleitung eines Consulenten, eines berühmten christlichen Kollegen, eines Lehrers der Heilwissenschaft an der Carolo-Ferdinandäischeu Universität zu Prag angelangt. Munitz lag seit langer Zeit das erste Mal in ruhigem, fieberfreien Schlafe und schon das erschien dem Arzte als ein gutes Zeichen. Mit Spannung erwarteten sie das Erwachen des Kranken. Eben als die Thurmuhr des jüdischen Rathhauses aushob, zwölf zu schlagen, öffnete Munitz die Augen. Die ersten Menschen, deren er ansichtig wurde, waren Benjamin und Feisch. Eilte leichte, feine Röthe überflog die verfallenen Züge des Kranken, es blitzte in seinen klugen Augen auf, und nicht nur die Aerzte, sondern auch sein Sohn und Diener mußten im ersten Momente erkennen, daß er genesen sei. „Mein Sohn! mein lieber, theurer Sohn!" rief Munitz, diesmal in überströmendem Vatergefühle, die langgeübte Kunst der Verstellung vergessend, „mein treuer, alter, guter Freund! . . . ." nun erkannte er auch den Arzt und fuhr fort: „ich bin wohl krank, viele Tage, viele Wochen krank gewesen . . . . ah! — oder war Alles nur ein Traum! Alles nur ein wüster Traum?! — Alles? — das wäre herrlich! ah! — fast wär's zu schön für diese irdische Welt! aber nein!" er schüttelte traurig das Haupt, „das richtige Erkennen kehrt langsam in meinen Sinn zurück ..... ich war krank, schwer krank, wie lange kann ich allerdings nicht bestimmen; — allein jetzt wird es immer leichter, heller in meinem Geiste, ..... ich kann nun klar den Beginn, die Ursache meiner Krankheit erkennen!" „O! sprecht nicht zu viel', mein lieber, guter, theurer Herr!" schrie Feisch Jchenhausen und Heller Jubel und tiefe Rührung kämpften in ihm und Thränen erstickten seine Stimme. „Ihr müßt ja schwach und angegriffen sein und vieles Sprechen könnte Euch schaden." „Laßt Euren Herrn sprechen, so viel es ihm beliebt," meinte der jüdische Arzt, „es wird ihm wohl thun, die Gefahr ist vorüber, seinem kräftigen, eisernen Körper, den mit Gottes Hilfe die schwere Krankheit nicht zu zerstören vermochte, wird auch eine kleine Aufregung mcht schaden." „Freilich," fiel ihm sein christlicher Kollege ins Wort, „würde ich einer angenehmen, den Vorzug lisi geben!" und die beiden Aerzte verließen mit Schritten das Zimmer. Der Kranke aber fuhr fort: „Jetzt erinnere ich mich ganz deutlich, es der Schabbos vor Chanuko*) — da war ich Sabel Ulschitz gegangen, ich .... ich . . Munitz stockte und fuhr sich verlegen mit der h über die Stirne, „ich wollte.dem MG .... und ihren Verwandten sagen .... daß . sie Dich nicht darum hassen sollten .... weil zu mir hältst .... ich wollte ihnen sagen, daß Dich freigebe — und wenn Sie mir das ni glauben wollten ....." wieder überzog eine fl« tige Röthe seine Wangen, „für immer Prag s lassen wollte, daß Du meine Spur nie aufzufin! vermöchtest! — Warum solltest Du, mein thM Benjamin, um Deines Va...., um meinetwillen den? — Und — täusch' ich mich nicht? ist es n! doch nur ein irres Bild, das mir meine kranke L vorspiegelt? — nein, nein! ich erinnere mich d«i klar und deutlich, — als ich bei Sabel Ulschitz trat, um Dir das Mädchen zu retten, das Du und um welches Zodok Opotschna warb, — da ich diesen dort und in der Hand hielt er Schmuck, Feisch, Du alter, treuer Freund! Du kei ihn ja, den falschen Schmuck, den ich einst £ Auftrag jenes falschen Mannes für den MarkgM Wilhelm Friedrich angefertigt! Du hast ihn ja genug gesehen und seine Aehnlichkeit mit dem £ri; nale bewundert! .... Und Zodok Opotschna r mich, ob der Schmuck nicht werthvoll, nicht luifc sei, den Hals einer Fürstin zu schmücken? . . Einen Augenblick glaubte ich das Opfer einer I fchung zu sein; — aber ich kannte ja diesen Schm ganz genau; — er hatte mich des Daseins gain Glück gekostet — fast möcht ich fürchten noch mehr als das! — und als ich mühsam mich 8sammelt und seine Frage verneinen mußte, und tr. seines wilden Widerspruchs auf meiner richtigen l wort beharrte, entbrannte Zodok in wildem Zm stieß mir in die Brust, daß ich umfiel, und mich Fallen an der Tischkante anschlug; ein dicker A> strahl schoß mir übers Gesicht, ich sank um, holdes Mädchen beugte sich mit erschreckten, doch muthsvollen Zügen über mich; — das ist das Le?! dessen ich mich erinnere — dann schwanden m Sinne.wie lange Zeit ist seit jenem Sabdi verstrichen?" „Drei Wochen sind's Mekaß Reb Löb!" a» derte der alte Diener und unmerklich huschte r Lächeln der Befriedigung über seine welken, tm Züge, als sein Herr vergessend, die ehrende Anspm ohne Widerspruch ertrug. „S'is heute 1) Dem Tempelweihfest.

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