Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1882)
- Date
- 1882-09-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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911 lütten jedoch, daß sie nur mit ihrem Hauptmann der Spitze ihren Marsch fortsetzten. Er konnte in der That seinen Posten wieder inehmen. Die Trümmer des Heeres auf dem arsche sammelnd, erreichte er in Zubern die Hauptmee. Das Verhalten des tapfern Offiziers wurde entlich bekannt gegeben und er wurde mit dem Anzeichen geschmückt. Nach der Niederlage bei Sedan warf Herr fritc seine Waffen in einen Sumpf und erschien als Gefangener vor den Preußen. „Sind Sie es, Rittmeister," redete ihn ein irischer Prinz an, „der bei Reichshoffen den letzten itgriff der Cürassiere commandirt hat?" „Ich bin , königliche Hoheit." „Welche kräftige Stimme ben Sie da hören lassen. Sie haben auch Ihren ntm den Rückzug nach dem Walde befohlen?" Ja, mein Prinz." „Sie haben dieselben gerettet, olche gut angeführten Soldaten gehören zu denügen, die sterben und sich nicht ergeben. Hätten die Thore von Woerth überschritten, so wären alle des Todes gewesen." Hierauf wandte sich r Prinz zu seinen Leuten und sagte: „Präsentirt s Gewehr vor diesem tapfern Manne; er ist dieser jre und Eurer Bewunderung würdig!" Feuilleton. Löö Munitz. ulturhistorischesZeitbild aus dem erstenDrittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Hatte sich in den letzten Stunden schon Jederan in der Gemeinde für Reb Löb Munitz interest, so gab es überdies Einzelne, bei denen sich die- - Interesse noch in hohem Grade potencirte. Zu esm zählte Reb Kalmen Opotschna, dem es zum oßen Theile nur durch die Kapitalien, die er seit net langen Reihe von Jahren von Munitz in Hänn gehabt, möglich geworden, eine so bedeutende olle als Kaufherr zu spielen, so große Gewinne izuheimsen. Jetzt erkannte er mit einem Male, lß das, was er vor dreizehn, vierzehn Jahren als nett glücklichen Zufall gepriesen, nicht ein solcher wesen, sondern daß Munitz damals seine bedrängte age erfahren und ihm nicht um seines eigenen Geinnes willen, sondern bloß um ihm zu helfen, ihm, sich zu nennen, ein großes Kapital hatte an- «en lassen. Er hatte sich damals in ähnlicher Lage, wie heute befunden, ein Kavalier, dem er schon einen starken Vorschuß gegeben, hatte damals auf ein ihm kontraktlich zugesichertes Darlehen von 50,000 Gulden bestanden, die er in dem Momente nicht zur Verfügung hatte, und ihn mit harter, ihn vollkommen ruinirender Couventionalstrafe bedroht. Während er im Kabinet des Grafen einen Aufschub zu erlangen suchte, war Munitz nebenan im Boudoir der Gräfin, wo er mit dieser, bezüglich ihres Familienschmuckes, der überfaßt werden sollte, conferirte. Er hatte damals gefürchtet, Munitz hätte die ihn als comprimittirende Unterhandlung mit angehört und würde ihm schaden, jetzt sah er ein, daß Munitz ihn damals unterstützen, aufrecht erhalten wollte, und selbst der egoistische Mensch konnte ein Gefühl warmer Dankbarkeit eben so wenig als eine starke Gewiffensrührung unterdrücken, ihn noch, nachdem er durch Verschulden seines Sohnes auf das Krankenlager geworfen worden, hart beurtheilt, ihn in seinen Gedanken und seinem Selbstgespräche als einen Menschen, von dem nur Böses kommen könne, bezeichnet zu haben. Er wünschte jetzt nicht nur aus krassem Egoismus, sondern auch ausTheilnahme und Dankbarkeit, daß Munitz genesen möge. Die unbehagliche Stimmung seines Sohnes Zodok hatte durch die neuesten Enthüllungen über den kranken Munitz, eine weitere starke Steigerung erfahren. War es schon an und für sich ein höchst deprimirendes Gefühl durch einen Att brutaler Rohheit, die schwere Krankheit, vielleicht den Tod eines Menschen verschuldet zu haben, so hatte er sich eine Zeit lang doch damit zu trösten versucht, daß Munitz ein böser, schlechter Mensch sei, der ihn kränken, ihn schädigen hatte wollen, aber es stellte sich nun heraus, daß seine Voraussetzung eine unrichtige war, ja daß Munitz Entdeckung die Möglichkeit geboten, die sogenannte Freifrau von Malmenhausen noch rechtzeitig gerichtlich zu verfolgen, seinen Schaden ganz oder wenigstens theilweise ersetzt zn erhalten. Bloß Dreien im Prager Ghetto war bisher der Umschwung der öffentlichen Meinung unbekannt geblieben, Benjamin Deutschländer, Feisch Jchenhausen — und Munitz selbst. Der Erste hatte von dem Momente an, wo er die schwere Erkrankung seines Lebensretters erfahren, dessen Wohnung nicht verlassen und hatte sich in der Pflege und Wartung des Leidenden mit dem alten treuen Diener redlich getheilt, und gerade heute hätte er um keinen Preis der Welt das Haus verlassen, denn — wir haben das schon aus dem Munde des Primators erfahren, der Arzt hatte Tags vorher erklärt, daß binnen 24 Stunden die Krisis eintteten, es sich entscheiden würde, ob Munitz dem Tode verfallen oder gerettet sei! Mit seelenaufteibender Spannung sahen Ben-