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Der Israelit · 1882-09-07 · Heft 36 (7.9.1882) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 36 (7.9.1882)
Date
1882-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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903 Kleidungsstücke an bte bezeichnet Adresse noch auf die herannahenden Feiertage ekngesendet werden. — Ich veröffentliche zum Schluß die Stelle eines Briefes, den ich von dem Vorsitzenden der Expedition des Berliner Verpflegungs-Comits erhielt, die, wie sie mir die Feder in die Hand gedrückt hat, hoffentlich nicht verfehlen wird, auch Ihre w. Leser zu eifrigem rhätigem Sammeln von Kleidungsstücken und Wäsche anzuspornen; denn Eile thut Noth. Der Herr schreibt mir: Trotz der von Ihnen im „Israelit" erschienenen Korrespondenz ist noch nicht ein einziges Stück von Wäsche und Meidern angekommen. Während die Unglücklichen in ganz erschrecklichem Zustande hier anlangen (oft sind wir gezwungen, die Kleider, die sie anhatten, zu verbrennen), sind wir ganz ohne Hilfsmittel. Also nochmals die Bitte, daß sich in jeder Gernemde Männer zusammenthun mögen, die die Sammlung energisch betreiben, durch Circuläre oder auf sonstige nachdrückliche Weise dazu auffordernd, und das Gesammelte an die Adresse des Herrn Sg. Simmel, Berlin, 0. Heiliggeiststraße 12, senden, •p?# *n »jöV npix nvw p I. B... i. (Auch wir sind bereit, Kleider und Wäsche für diesen Zweck entgegenzunehmen und weiter zu befördern. Die Expedition des „Israelit".) Würzburg. Das hiesige Comitü hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, behufs Befreiung der russischen Flüchtlinge aus den Händen der Missionäre im hl. Laude M. 1000 Zu bewilligen, und wurden solche sofort dem verehrt. Eomittz für palästinische Angelegenheiten in Amsterdam zur Verfügung gestellt. Außerdem hat Herr Distriktsrabbiner Nathan Bambergcr M. 700, die ihm speciell zu diesem Zwecke übergeben wurden, dorthin angewiesen. (Auch sind von Ungenannten 1100 M. gespendet und dem genannten ComitS überwiesen worden; auch diese 2800 M. wurden durch telegraphische Anweisung zur Verkeilung gebracht. Red.) Fürth, 13. August. Die echt jesuitische Schlau" heit, mit welcher Hosprediger Stöcker die Judenfrage bei seinem dieser Tage dahier gehaltenen Vortrag behandelte, veranlaßt uns zu einer Betrachtung. Stöcker äußerte u. A., daß er bei Metz nicht einen einzigen jüdischen Soldaten gesehen. Wir können nicht wissen, ob und wie viele Soldaten jüd. Glaubens bei oder vor Metz gestanden. Denn daß bei Metz jüd. Soldaten standen, erhellt aus Nachstehendem. Das Verwhnungsfeft am 5. Oktober 1870 fiel um die Zeit der Capitulation von Metz. Für die jüdischen Soldaten des 1. Armeecorps wurde in St. Barbe auf dorpsbefehl des Generals von Manteuffel durch Herrn Rabbiner Di-. Blumenstein der Gottesdienst abgehalten, wozu sogar die Benützung der katholischen Kirche angeboten war. Die Feier des Versöhnungstages fand in zwei Zimmern statt, es erschienen hiezu die jüdischen Soldaten aus den Regimentern 1, 5, 43 und 44. Und Herr Stöcker, der sich rühmt, bei Metz als Geistlicher sungirt zu haben, will daselbst keine jüdischen Soldaten gesehen haben. Er kennt das Bild des Schöpfers der „Bilder aus dem jüdischen Familienleben" nämlich „Jom Kippur vor Metz," von Professor Moritz Oppenheim in Frankfurt a/M. sonach nicht. Stöcker hat ebensowenig jeden Einzelnen nach der Confefsion gefragt, wie er aus der Physiognomie die Confefsion herauslesen kann. Es kommt Hru. Stöcker, wie schon zu Dutzendmalen conftatirt,bei seinen Aufstellungen aus die Wahrheitsliebe wenig an. Wir wollen im Nachstehenden den Antheil, den die Juden am Krieg 1870/71 genommen haben, streng sachlich Nachweisen, soweit wir das bezügliche Material erforschen und zusammenstellen konnten, um Stöcker jenen Antheil, den er zu ignoriren sucht, zu erweisen. Durch das Edict vorn 11. März 1812 wurden die Juden in Preußen militärpflichtig, mit Ausnahme Posens. Die allgemeine Wehrpflicht war 1870 nur in den altern preußischen Provinzen durchgeführt, in den annectirten Provinzen und den übrigen Ländern des damaligen norddeutschen Bundes erst seit 1867 resp. 1869 und ebenso in den deutschen Südstaaten. Daß in genannten Ländern Reserve und Landwehr 1870 nur schwach vertreten sein konnten, ist selbstredend, soweit sie nicht aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgingeu. Wenn daher im norddeutschen Bund die Friedensstärke 1% der Bevölkerung betrug, so war die volle Kriegsstärke bis zu 3% nur aus den älteren preußischen Provinzen gezogen. Aus größeren Städten, wie Berlin, Breslau, Hamburg 2c., mit der großen Ausdehnung und der Menge von Familien, läßt sich nicht Nachweisen, wie viele jüdische Soldaten 1870/71 sich betheiligten und üper Landgemeinden existiren keine verlässigen Register. Aus etwa 150 Ortschaften beträgt der Antheil der in das Heer eingetretenen Soldaten jüd. Religion 3°/o bis 20%. Aus 506 Gemeinden dienten 2531 jüdische Soldaten, von denen 83 das eiserne Kreuz wegen bewiesener Tapferkeit vor dem Feind erhielten; dem Unteroffizier Daus in Wongrowitz behändigte es S. M. der Kaiser eigenhändig, dem Dr. Mieses von Breslau der Großherzog von Mecklenburg eigenhändig. vr. Sachs von Neiße kam eigens von Kairo, Dr. Spier von Cassel eigens von Amerika, um dem Vaterlande zu dienen (Letzterer verstarb im Felde). Abgesehen von den Pflichtigen stellte sich eine große Anzahl jüdischer Freiwilliger zu den Fahnen, die deutschen Juden bewährten ihre Opserwilligkeit in allen Arten freiwilliger Gaben und Liebesdienste, alle

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